Eichen werden zu Kunstwerken : Zweites Leben für Alleebäume

Das wurde aus einer der alten Groß Pankower Eichen: eine große Holzskulptur, die ihren Abnehmer in Spanien hat.
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Das wurde aus einer der alten Groß Pankower Eichen: eine große Holzskulptur, die ihren Abnehmer in Spanien hat.

Zwei Unternehmen kauften einen Teil der alten Eichen, die bei Groß Pankow abgeholzt wurden, und bewahren sie so vor dem Schreddern

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25. März 2015, 20:00 Uhr

Die alte Eichenallee an der B 189 wich vor wenigen Wochen dem geplanten Straßenneubau. Die Bundesstraße soll hier verbreitert, die Kurven entschärft werden. Straßenbaulich gesehen erfolgt der Lückenschluss zwischen den bereits neu gebauten Abschnitten Richtung Pritzwalk und Richtung Perleberg.

56 Bäume mussten gefällt werden, darunter bis zu 260 Jahre alte Eichen. Der Kahlschlag sorgte für viele, sehr unterschiedliche Reaktionen, die auch auf der Facebook-Seite des „Prignitzers“ aufliefen. Vor allem diejenigen, die mit dem Kahlschlag so ihre Probleme haben, dürfte die Nachricht aufmuntern, dass ein großer Teil der Bäume vor dem Schreddern bewahrt werden konnte. Holger Galonska, Leiter der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz und zuvor viele Jahre Oberförster in Gadow, ließ seine Kontakte spielen und sorgt so dafür, dass die großen Eichen weiterleben – wenn auch in anderer Form.

Die Firma SIK-Holzgestaltungs GmbH aus Niedergörsdorf (Fläming) kaufte rund 50 Festmeter, das entspricht etwa 21 Bäumen. „Dabei handelt es sich ausschließlich um Eichen. Aus ihnen werden zu 80 Prozent Großskulpturen geschnitzt. 20 Prozent werden zu Schnittholz verarbeitet. Aktuell sind schon zwei Skulpturen für Abnehmer in Spanien gefertigt, die kurz vor der Auslieferung stehen“, informierte vor kurzem Forstwirtschaftsingenieur André Schrape von der SIK GmbH. Der Kontakt zu Holger Galonska bestehe schon länger. „Er ist ein absoluter Profi in seinem Handeln und Tun. Unsere Partnerschaft ist freundschaftlich, unkompliziert und professionell“, macht André Schrape deutlich. Er ist für den Holzeinkauf verantwortlich.

Leider, so Schrape, verschwänden viel zu oft solche Eichen in Großraumhacker, werden dort zu Hackschnitzeln zerkleinert und dann verfeuert. „Die Leute, die das machen, denken nicht darüber nach, was sie tun, sondern sind nur am schnellen Geld interessiert. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie damit in Holz gefasste Geschichte, oft Jahrhunderte, vernichten“, meint der Experte von der SIK GmbH.

Interesse am Weiterleben der alten Bäume hat auch Holzdesigner Andreas Dorfstecher in Rosenwinkel (Ostprignitz-Ruppin). Er fertigt in seinem Atelier für Abnehmer in ganz Deutschland unter anderem Garten-, Stadt- und Landschaftsmöbel, darüber hinaus Skulpturen, Spielgeräte und vieles mehr. Und auch er erhielt über Holger Galonska die Information über die Abholzungen in Groß Pankow. „Ich bin froh, dass es diese Verbindung zu ihm gibt“, äußerte Dorfstecher in einem Gespräch mit dem „Prignitzer“. Ein Stamm sei bereits für die Herstellung eines Sitzmöbels reserviert. In Rosenwinkel entstehen ausschließlich Unikate in Handarbeit. Zumeist werden sie aus dem ganzen Stamm herausgespalten oder - gesägt, erläutert Andreas Dorfstecher, der übrigens auch für die Havel-Buga arbeitete. Er schuf eine vier Meter lange massive Bank. Der Rosenwinkler macht seit Jahren beim „Tag des offenen Ateliers“ mit, der demnächst wieder stattfindet, und zwar am 2. und 3. Mai. Wer mehr über die Arbeit des Ostprignitzer Holzexperten und Künstlers erfahren möchte, sei zu den Atelier-Tagen herzlich willkommen, lädt Dorfstecher Interessierte ein. Und wer ihn dann dort zu den Eichen aus Groß Pankow befragt, erhält sicher eine aufschlussreiche Antwort.

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