"Zweifel gehören zum Glauben dazu"

Der Ur-Berliner Daniel Feldmann fühlt sich in der Prignitz wohl. Die nächsten zehn Jahre will er Pfarrer in Bad Wilsnack bleiben. Susann Matschewski
Der Ur-Berliner Daniel Feldmann fühlt sich in der Prignitz wohl. Die nächsten zehn Jahre will er Pfarrer in Bad Wilsnack bleiben. Susann Matschewski

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18. September 2012, 09:40 Uhr

Bad Wilsnack | Zwei Jahre lang arbeitete Daniel Feldmann als Pfarrer im Entsendungsdienst für die evangelische Kirchengemeinde Bad Wilsnack, unterstützte Pfarrerin Ursula Rochusch bei ihrer Arbeit, bis diese sich Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedete. Seit Sonntag ist Feldmanns Probezeit zu Ende: Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde er in sein Amt als neuer Pfarrer eingeführt und eingesegnet.

Mit seinen gerade einmal 34 Jahren ist Daniel Feldmann für einen Pfarrer erstaunlich jung. Doch schon früh kristallisierte sich bei im der eher ungewöhnliche Berufswunsch heraus: "Ich habe schon immer gern mit Menschen zu tun gehabt, ihnen zugehört", erinnert sich der gebürtige Berliner. "Nach dem Abitur war ich dann als Gruppenleiter auf dem christlichen Jugendtreffen ,Taizé’ in Frankreich. Das hat mir so gefallen, dass ich danach wusste: Ich will Pfarrer werden."

Er studierte Evangelische Theologie an der Berliner Humboldt Universität und bewarb sich danach um eine Pfarrstelle im Entsendungsdienst. "Mit der Zusage aus Bad Wilsnack hatte ich großes Glück. Die Stadt ist super gelegen, mit dem Zug ist man ja schnell in Berlin", erzählt Feldmann. Die Nähe zur Hauptstadt ist ihm wichtig, denn dort wohnt auch sein Sohn, zu dem er den Kontakt - trotz gescheiterter Ehe - pflegt.

Den Gottesdienst in der Wunderblutkirche machten er und Pfarrerin Ursula Rochusch abwechselnd. Auch die Arbeit in der Gemeinde teilten sie sich: Während sie die Seniorenarbeit übernahm, widmete Feldmann sich verstärkt den Kindern und Jugendlichen, initiierte Theaterprojekte, übernahm die Konfirmanden, gab Religionsunterricht. Nach Rochuschs Abschied ist Daniel Feldmann der einzige Pfarrer in Bad Wilsnack, der Aufgabenberg ist damit noch höher geworden.

Trotz der vielen Arbeit hat sich Feldmann für die Zukunft noch einiges vorgenommen. Einen Ausblick gab er während seines Einführungsgottesdienstes: "Ich habe das Ziel, die Wunderblutkirche in den Rang eines Denkmals von nationaler Bedeutung zu hieven", sagt er. "Das würde bedeuten, dass wir eine einhundertprozentige Förderung erhalten könnten, etwa für die Ausmalung der Kirchenwände, die so niemals finanzierbar wäre." Auch das soziale Miteinander innerhalb der Gemeinschaft wolle er stärken. Das alljährliche Pilgerfest sei dafür eine tolle Möglichkeit. Wichtig sei ihm auch weiterhin, Kindern und Jugendlichen den Glauben näher zu bringen. Dass es nicht immer einfach sei, Gott zu verstehen, gibt er dabei unumwunden zu: "Wenn Menschen grundlos sterben, ich nehme nur einmal das Beispiel der kleinen Katharina aus Plattenburg, stelle natürlich auch ich mir die Frage, warum Gott so etwas zulässt. Diese Zweifel gehören aber zum Glauben dazu. In solchen Situationen kann ich nur versuchen, für die Menschen da zu sein, ihnen zuzuhören, Trost zu spenden."

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