Vogelgrippe : Zweifel am Sinn der Stallpflicht

Stallhaltung oder früher das Geflügel schlachten? Karin Schlegel steckt in der Zwickmühle.
Stallhaltung oder früher das Geflügel schlachten? Karin Schlegel steckt in der Zwickmühle.

Landwirtin Karin Schlegel schildert aus ihrer Sicht die Folgen der Anordnung für Kleinunternehmer

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22. November 2016, 21:00 Uhr

Die Vogelgrippe breitet sich weiter in Deutschland aus. Der hochansteckende Erreger H5N8 ist nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts bei Wildvögeln in elf Bundesländern nachgewiesen worden. Bundesweit wird eine Stallpflicht erwogen. Karin Schlegel in Klein Gottschow findet das übertrieben.

. Die Stallpflicht für ihr Geflügel kommt für sie zwar nicht überraschend, doch einen Sinn kann sie darin nicht erkennen: „Hier bei uns, mitten in der Prignitz, rasten keine Zugvögel. Das mag an der Elbe anders sein, da wäre eine Stallpflicht sinnvoll. Auf dem platten Land halte ich sie für fragwürdig“, sagt sie. Nachdem zunächst in Mecklenburg-Vorpommern Fälle von Vogelgrippe auftraten, wurde in der Prignitz die Stallpflicht erlassen (wir berichteten).

Noch schnattern 170 Gänse auf ihrem Hof. 300 Enten, 100 Broiler und 200 Legehennen leben hier. Beim Schlachten herrscht Hochbetrieb. Auch als Folge der Stallpflicht. „Wir versuchen möglichst viele Tiere zu vermarkten, aber das ist nicht leicht. Wer kann sich eine sechs Kilogramm schwere Gans ins Gefrierfach legen?“ Außerdem wünschen sich die meisten Kunden ihre Gans frisch zum Weihnachtsfest.

Übers Jahr sind bei ihr etwa 1500 Tiere auf dem Hof. Die Landwirtin lege auf artgerechte Haltung im Freiland wert. „Vor allem das Wassergeflügel, also die Enten und die Gänse, haben mit der Stallpflicht schwer zu kämpfen. Sie brauchen die Wiese, das Gras und die Bewegung.“ Mit artgerechter Haltung habe das wenig gemeinsam.

Mit der Stallpflicht wurde auch der Adventsmarkt auf dem Hof abgesagt. „Wir können in dieser Situation nicht so viele Leute auf den Hof lassen“, erklärt sie. Daraus ergibt sich noch ein Problem: In der Vorbereitung hatte sie schon Gänse geschlachtet und zerlegt? Ein großes Gänseessen sollte es geben.

Hilflos wirkt die Tierhalterin nicht. Da in den vergangenen Jahren schon mehrfach die Gefahr einer Stallpflicht drohte, hat sie Vorrichtungen erbaut, die sie nun nutzt. Freiwillig würde sie es derzeit nicht machen, „es gab ja in Brandenburg noch nicht einen Fall von Vogelgrippe in diesem Jahr“. Und falls doch ein paar Tiere daran sterben sollten, wäre das der Lauf der Natur.

Ernsthafte Probleme mit einem Ausbruch der Vogelgrippe hätten aus ihrer Sicht nur die industriellen Betriebe. Kleintierhalter wie sie leiden unter der Stallpflicht. Karin Schlegel wünscht sich regionale Lösungen und Auflagen, aber keine pauschal über das ganze Land verhängten Aufstallungsgebote, die keine Rücksicht auf die Gegebenheiten vor Ort nehmen.
 



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