Zweifel am neuen Eröffnungs-Termin

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20. Mai 2012, 07:05 Uhr

Potsdam | Kaum ist der neue Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg verkündet, werden daran erste Zweifel laut. Er halte den 17. März 2013 angesichts des herrschenden Chaos für unrealistisch, sagte der Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa der "Berliner Morgenpost" (Sonntag). Nach der Ablösung von Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen müsse sich ein Nachfolger erst einarbeiten, was mehr Zeit erfordere. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer setzte unterdessen eine "Soko Flughafen" ein. Der "Spiegel" berichtet von neuen Risiken bei der Finanzierung des Milliardenprojektes durch Verluste bei sogenannten Zinswetten.

Diese Verluste hätten 2010 mit einem Minus von 106 Millionen und ein Jahr später mit einem "negativen Marktwert" von 214,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen, schreibt das Nachrichtenmagazin. Ende 2011 habe der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft deshalb eine "Restrukturierung" der Finanzkonstruktion beschlossen. Am Freitag hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nicht ausgeschlossen, dass "die Kante des Kreditrahmens übersprungen" werde. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sein Stellvertreter.

Der Aufsichtsrat hatte den ursprünglichen Eröffnungstermin am 3. Juni um gut neun Monate verschoben. Begründet wurde die Entscheidung mit der noch nicht funktionstüchtigen Brandschutzanlage. Das Kontrollgremium beurlaubte Technik-Chef Körtgen und entzog dem Architekten-Konsortium PGBBI die Generalplanung. Aus Sicht des Flughafenverbandes ADV ist eine Ausweitung der Flugzeiten in Berlin-Tegel um je eine halbe Stunde morgens und abends dringend nötig. Nur so könnten die Flüge abgewickelt werden, die ab Juni auf dem neuen Airport vorgesehen waren, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Derzeit gilt für Tegel ein Nachtflugverbot von 23 bis 6 Uhr.

Der Flughafen Leipzig/Halle bot sich zur Entlastung an. "Wir haben bereits in ersten Vorgesprächen Fluglinien und Reiseveranstalter über diese Option eines Bypasses informiert", zitiert die "Wirtschaftswoche" den Chef der Mitteldeutschen Airport Holding, Markus Kopp. Dem hielt Beisel entgegen, ein Ausweichen auf andere Flughäfen im Umkreis von Berlin wäre nicht sinnvoll. "Sie können nicht einen Teil der Zubringerflugzeuge in Leipzig und einen anderen Teil in Tegel landen lassen, wenn Sie mit den Passagieren eine größere Maschine befüllen wollen, die dann weiterfliegt." Das sei nur an einem Standort machbar. In einer Sondersitzung des brandenburgischen Landtages gibt Platzeck an diesem Montag eine Regierungserklärung zu dem Debakel ab. Ihm und Wowereit wirft die Opposition vor, ihre Kontrollpflichten nicht ausreichend wahrgenommen zu haben. Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Axel Vogel, hat beide Politiker aufgefordert, ihre Ämter im Aufsichtsrat niederzulegen. Die CDU hat zu der Sitzung einen Fragenkatalog vorgelegt, den Platzeck detailliert beantworten müsse.

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