Gärtnerei Perleberg : Zwei Studentinnen versetzen Berge

Die Studentinnen Christin Rothe (l.) und Lea Fischer tauschten für eine Woche Hörsaal mit Gärtnerei.
Die Studentinnen Christin Rothe (l.) und Lea Fischer tauschten für eine Woche Hörsaal mit Gärtnerei.

Gemeinsam mit Beschäftigten der Gärtnerei der Lebenshilfe bringen sie, wissenschaftlich unterlegt, praxistauglich System in die Kompostierung

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01. Juni 2016, 04:45 Uhr

Christin Rothe ist 28 Jahre jung und in Hamburg aufgewachsen. Lea Fischer (29) kommt aus Frankfurt am Main. Beide studieren Ökologischen Landbau und Vermarktung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE). Für eine Woche verschlug es sie in die Prignitz. Und hier versetzten sie in der Gärtnerei der Lebenshilfe Berge.

„Das kann man getrost wörtlich nehmen“, sagt Daniela Dörfel, Projektbetreuerin im Lebenshilfe Prignitz e. V. Ein leichtes Schmunzeln huscht ihr dabei aber doch übers Gesicht, denn die Berge entpuppen sich als ein riesiges Sammelsurium aus Müll und organischen Stoffen. Zuhauf türmte sich all das in der Gärtnerei. „Die Kompostierung war ein Stiefkind bei uns“, räumt die Projektbetreuerin ein, denn an erster Stelle stehe die Betreuung der in der Gärtnerei Beschäftigten – Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen.

Als Daniela Dörfel vom Projekt der HNEE erfuhr und, dass dafür Partner in der Praxis gesucht werden, rief sie sprichwörtlich „hier“. Und da waren sie dann, die beiden Studentinnen des zweiten Semesters Ökologischer Landbau. Für eine Woche wechselten sie vom Hörsaal in die Gärtnerei, von Eberswalde nach Perleberg und damit in die Prignitz, die beide bis dato noch nicht auf dem Schirm hatten. „Dafür aber jetzt“, ergänzt lachend Lea und Christin fügt an, „dass sie zumindest auch mal mit dem Rad hier auf Streifzug gehen möchte. Denn bisher hätten sie nicht viel von dem Landstrich gesehen – „wir hatten alle Hände voll zu tun und abends waren wir todmüde“.

Ihre Aufgabe war es, gemeinsam mit den Beschäftigten der Lebenshilfe Struktur in die bis dato wilde Kompostierung zu bringen und so einen weiteren Schritt in Richtung ökologischer Anbau, den die Gärtnerei anstrebt, zu gehen.

Was wie kompostiert wird, das bestimmt jetzt die Lagezeit, erläutern die beiden Studentinnen. Wissenschaftlich analysiert und einfach und verständlich für die Beschäftigten aufbereitet, haben sie, was auf den Kompost gehört. Am Ende steht jetzt eine Kompostmiete. Aufgebaut in verschiedene Zonen, die den Rottungsprozess ermöglichen. Denn im Inneren entstehen bei entsprechender Lagerung Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius, erfährt man von Christin. Und, je öfter man die Miete umsetzt, um so schneller laufen die Prozesse ab.

Fortan wird in der Gärtnerei genau getrennt, sprich organischer Abfall auf den Kompost, Totholz, Steine auf einen anderen Haufen und Müll wie Bänder, Folien und Plastiktöpfe, ab in den blauen Sack. „Binnen zehn Minuten hatten wir den ersten voll“, sagt Daniela Dörfel und ist selbst erstaunt, was sich so alles ansammelt.

Mit vereinten Kräften haben sie in der vergangenen Woche wirklich Berge versetzt. Mitarbeiterin Martina Christlieb half da mit dem Radlader tüchtig mit, während Clemens Müller, der ebenfalls in der Gärtnerei arbeitet, gemeinsam mit Christin und Lea eingangs des Kompostierplatzes künstlerisch in Szene setzte, was jetzt hier wo seinen Platz hat. Das Gold des Gärtners, wie man den Kompost auch bezeichnet, liefert er doch wichtige natürliche Nährstoffe für den Boden, wird jetzt in der Gärtnerei an der Hamburger Chaussee auch auf wissenschaftlicher Basis mit ökologischer Perspektive produziert. „Damit, wie auch mit Erde für Beet und Balkon können wir dann auf ein weiteres Standbein setzen“, so Daniela Dörfel. Denn was übrig ist, und davon gebe es reichlich, werde zum Kauf angeboten.

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