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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 07:58 Uhr

Zwei Seiten eines Kinotages

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Behinderten-Gruppe fühlte sich nicht zuvorkommend behandelt – Betreiber hält Argumente dagegen

von
erstellt am 04.Jul.2016 | 13:24 Uhr

Kerstin Gartenschläger arbeitet in einer Perleberger Einrichtung, in der Erwachsene mit einer Schwerst-Mehrfach-Behinderung leben. Sie ganz nach ihren Möglichkeiten am Alltag teilnehmen zu lassen, das haben sie und ihre Kolleginnen sich zur Aufgabe gemacht. Und dazu gehört auch, mal ins Kino zu gehen. „Das wünschte sich eine Bewohnerin“, so Kerstin Gartenschläger.

Also machte man sich auf nach Wittenberge ins Movie Star. Doch hier erwartete sie ein Empfang, der alles andere als freundlich war, berichtet Kerstin Gartenschläger, die von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Doris Ziggel begleitet wurde. Zudem sei das Kino zwar mit neuester Technik und der Kinosaal modern ausgestattet, aber eben nicht barrierefrei. Auf die Nachfrage, ob für die Bewohner, die nur einen geringen Barbetrag zur Verfügung haben, ein Rabatt eingeräumt werden könne, erhielt sie abrupt eine Absage. Auch das Argument, vor längerer Zeit hätte ein älterer Kollege ihnen diesen von sich aus gewährt, änderte nichts daran. „Wir sahen uns trotzdem den Film an und waren die einzigen Gäste im Kino. Meine Bewohner waren glücklich und wir waren es auch“, schreibt sie abschließend.

Doch so glücklich klingt der Brief nicht. Also fragten wir bei Sylvio Verfürth nach. Er ist Geschäftsführer des Movie Stars.

Ja, er könne sich an den Tag erinnern. Es war eine Gruppe von fünf oder sechs Bewohnern, „wir gewähren ab zehn eigentlich erst Rabatt und das habe ich den Betreuerinnen auch gesagt, ganz höflich“, betont er. „Wir werden nicht wie das Kulturhaus oder die Schwimmhalle durch die Kommune finanziell gestützt, sondern müssen alles selbst erwirtschaften, um unsere Kosten zu decken“, so der Geschäftsführer. Dennoch versuchen sie immer auch, sich sozial zu engagieren. „Wir waren die einzigen in der Stadt Wittenberge, die am Kindertag den Nachwuchs eingeladen haben.“ Als Geschenk sollte es einen Kinogutschein für ein Kind geben. „Wir haben zwei draus gemacht, so dass zwei Kinder nun gratis ins Kino gehen können“, berichtet Sylvio Verfürth.

Und auch über einen Rabatt hätte man reden können, wenn sich die Gruppe im Vorfeld angemeldet hätte. „Wenn mein ehemaliger Mitarbeiter, der inzwischen im wohlverdienten Ruhestand ist, von sich aus einen Rabatt gewährt hat, hat er seine Kompetenz überschritten. Er hätte sich zumindest mit mir abstimmen müssen.“

Über alles lasse sich reden „aber bitte im Vorfeld, damit wir uns darauf einstellen können.“ Was die Barrierefreiheit angeht, so muss der Geschäftsführer widersprechen. „Über eine Rampe kommt man ins Kino und die Säle 1 und 2 sind barrierefrei. Wird der Film aber im Saal 3 bzw. 4 gezeigt und wir wissen, dass die Gruppe diesen nur schwer erreichen kann, dann wird der Streifen eben in einen der unteren Säle umgelegt. Technik macht heute alles problemlos möglich. Und letztlich wollen wir, dass unsere Besucher zufrieden ’rausgehen, denn nur so kommen sie auch wieder.“  

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