zur Navigation springen

Landwirte in der Krise : Zwei schwere Jahre überstanden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Milchpreise, Russlandembargo, Tierschutz – Menzels erzählen über die schwere Arbeit eines kleinen Landwirtschaftsbetriebes

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 08:00 Uhr

In jedem seiner Worte schwingt Stolz mit. Stolz auf das Erreichte seit Gründung des landwirtschaftlichen Familienbetriebes 1991 in Pinnow. Stolz auf den Aufbau neuer Standbeine, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Stolz auf das Überleben in den vergangenen zwei Jahren. Sie bezeichnet Landwirt Detlef Menzel als die härtesten.

Milchpreise um die 20 Cent je Liter, Wegfall der Milchquote, Russlandembargo, höhere Anforderungen an die Tierhaltung. All das falle in den jüngeren Zeitraum. „Wir sind wirtschaftlich gesund, aber es ist für uns die bisher schwierigste Situation“, sagt Detlef Menzel und spricht von Verlusten in sechsstelliger Höhe. Großbetriebe hätten es leichter. „Gerade bei der Milch können sie viel über größere Mengen ausgleichen. Das können wir nicht, unser Stall ist ausgeschöpft.“

Um so mehr ärgert es ihn, dass Medien zwar oft über Großbetriebe und deren Millioneninvestitionen berichten, aber zu selten über kleine Familienbetriebe. Das war der Grund für seinen Anruf in unserer Redaktion. Im Rahmen unserer Serie „Meine Heimat Meine Zeitung“ stellten wir in Pinnow die dortige Agrargenossenschaft vor. Detlef Menzel lud uns zu sich ein, um seine Geschichte zu erzählen, seinen Betrieb vorzustellen.

1992 bauten sie den ersten Kuhstall, 1997 folgte ein Jungviehstall. Heute halten sie 350 Tiere: 150 Milchkühe, 100 Kälber/Jungrinder, je 50 Mastbullen und Mastfärsen. Beim Rundgang durch die Anlagen zeigt Detlef Menzel auf eine Strohspalte im Stall. „Das mögen die Tiere, jeden Morgen bekommen sie frisches Stroh.“

14 Melkstände gibt es. Seine Frau Hannelore ist fürs Melken zuständig. Täglich sind es 120 Tiere. „Ihre erste Schicht beginnt morgens um 4 Uhr. Büro- und Hausarbeit wechseln sich mit Aufgaben im Stall ab“, sagt Detlef Menzel.

Heute ist die monatliche Milchkontrolle. In Reagenzgläsern werden Proben genommen. Ob Kleinbetrieb oder Großanlage – die Qualität müsse stimmen, „für uns gibt es keine Ausnahmen“, so Menzel.

Sein Bruder Fred ist für die Technik und den Ackerbau zuständig. Auf 380 Hektar bauen sie Marktfrüchte an: Raps, Getreide, Mais, zählt Fred Menzel auf. Grünlandflächen nutzen sie für die Futtergewinnung. Insgesamt sieben Angestellte sind sie. „Darunter sind fünf Pinnower. Das ist für so ein Dorf nicht wenig“, meinen die Brüder und erzählen von Marcel Jenzen. Von 1997 bis 2000 habe er bei ihnen eine Ausbildung absolviert, wurde übernommen. „Heute ist er unser Allrounder im Betrieb, macht auch Schlosserarbeiten. Solche Leute findest du selten.“

Auf dem Tisch stehen Stullen dick mit Wurst belegt. Keine Industrieware, sondern vom regionalen Schlachter produziert. Beim deftigen Imbiss schimpfen Menzels auf die Politik. „Die Milchpreise decken nicht einmal die Kosten.“ 35 bis 40 Cent konstant über einen längeren Zeitraum lautet ihre Forderung. „Wir wollen auch mal wieder investieren.“

Ihre Preisvorstellung wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. Seit Jahren schimpfen Bauern, demonstrieren, rufen die Politik an, doch geändert hat sich nichts. „Wir Landwirte erzeugen alles, aber wir sind das letzte Glied in der Kette. Wir sind angewiesen auf das, was man uns gibt“, sagt Detlef Menzel mit einer gewissen Resignation. Statt die Milchmenge zu reduzieren, werde noch mehr Milch in den Markt gepumpt. Ein Preisanstieg ist eher nicht zu erwarten.

Menzels möchten sich neue Wirtschaftszweige erschließen. Doch die Möglichkeiten seien begrenzt. Für eine Biogasanlage sei ihr Betrieb zu klein. Mit Photovoltaik arbeiten sie bereits. Die Preise für die Marktfrüchte seien ebenfalls im Keller und ohne gute Einnahmen lasse sich schwerlich investieren.

Ein Umdenken auf Massentierhaltung komme für sie nicht in Frage. Sie seien zwar keine Biobauern, aber das sei auch nicht ihre Philosophie. Hinzu komme, dass Pinnow ihrer Meinung nach schon jetzt eine der höchsten Tierdichten im Land Brandenburg aufweise: Puten-, Schweine-, Rinder-, Ferkel- und Fischzucht gibt es im Umkreis von nur einem Kilometer. Dann noch Biogasanlagen. Aus Menzels Sicht sei die Emissionsbelastung grenzwertig.

So gehen dem Familienbetrieb Alternativen aus. Selbst EU-Geld halten sie für verzichtbar. „Wir brauchen keine EU-Hilfen, sondern richtige Rahmenbedingungen, vernünftige Preise“, sagen Menzels und kehren zurück in ihrem Stall. Die Spätschicht beginnt.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen