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Der Prignitzer

20. September 2017 | 22:16 Uhr

Zwei Kilometer Akten ziehen um

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svz.de von
erstellt am 28.Jun.2013 | 06:48 Uhr

Preleberg | "Wir sind komplett voll. Akten nehmen wir nicht mehr an." Cordula Benzin, Leiterin des Kreisarchivs in Perleberg, blickt auf die vollen Ablagen vor sich. In den 3,60 Meter hohen Regalen des Magazins in der Wittenberger Straße in Perleberg stapeln sich Akten und Papiere bis unter die Decke. Alles geordnet und gekennzeichnet, versteht sich. Doch Platz für weitere Unterlagen gibt es nicht.

Noch nicht. Denn seit Dezember letzten Jahres wird das leer stehende Nachbargebäude des Kreisarchivs zum neuen Magazin umgebaut. Bis 2010 befand sich dort das Perleberger Gesundheitsamt. Wenn alles nach Plan verläuft, soll im Herbst diesen Jahres der große Umzug starten. Bis dahin müssen bestmögliche Bedingungen in dem Gebäude geschaffen werden, damit das Papier seinen Zustand behält, erklärt Benzin: "Das Magazin muss zwischen 18 und 20 Grad haben und 15 Prozent Luftfeuchtigkeit. Daher gibt es auch nur eine Lüftung und keine Heizung. Des weiteren gibt es keine Fenster, keinen Lichteinfall. Ansonsten vergilbt das Papier."

Neben dem archivtauglichen Magazin sind außerdem in dem Ende der 1970-er erbauten Gebäude zwei weitere Büros, ein Technikraum sowie ein Nutzerraum, in dem Kunden in Ruhe forschen können, geplant. Das alte Gebäude des Kreisarchivs bleibt mit mehreren Büros und einem Magazin ebenfalls in seiner Funktion. Viel Platz für viel Papier. "Archiviert wird alles, was plan, sprich flach, ist", erklärt Benzin. Das sind vor allem Unterlagen, die bei der Verwaltung des Landkreises Prignitz und den nachgeordneten Ämtern und Gemeinden entstehen. Aber auch 2200 Fotografien, 2500 alte Postkarten aus der Prignitz, 800 Plakate, 29 000 alte Zeitungsausschnitte, 4000 Bücher, 50 Filme und viele weitere Schätze schlummern in den Magazinen.

Bis zum Annahmestopp wären täglich Wäschekörbe an neuem Material hinzu kommen. "Dann muss man erstmal überlegen: Was könnte jemand damit anfangen wollen", schildert Cordula Benzin ihre Vorgehensweise beim Archivieren und Katalogisieren. Die Kunden würden immerhin nach den unterschiedlichsten Sachen fragen, und dann müsse man schnell die richtigen Akten finden.

Viele Anfragen kämen von ehemaligen Heimkindern, die ihre Heimakte einsehen wollen. Auch nach Wohnortbescheinigungen würde öfter gefragt. Studenten mit Forschungsprojekten für die Universität besuchen genauso das Archiv wie Privatpersonen, die ihren Familienstammbaum aufarbeiten wollen, erzählt die Archivleiterin: "Wir hatten sogar schon Amerikaner hier, die nach ihren Vorfahren forschen wollten." Wie sich Familien verzweigen, findet sie besonders interessant. Vor allem Ortschronisten seien immer gern gesehen. "Wir haben nicht die Möglichkeit, die Fülle an Material vollständig durchzuarbeiten. Da ist es schön, wenn sich jemand damit beschäftigt und die Ergebnisse in einer Chronik zusammen trägt."

Cordula Benzin macht ihr Beruf sehr viel Freude, bestätigt sie. Ständig würde sie neue spannende Dinge erleben. Die gelernte Kindergärtnerin kam 1991 auf Umwegen zu ihrem jetzigen Beruf. Damals fristete das Kreisarchiv ein jämmerliches Dasein, erinnert sie sich zurück: "In einer Dachkammer im Haus 8 in der Berliner Straße, gegenüber vom Landratsgebäude, lagerten die spärlich vorhanden Akten in klapprigen Holzregalen. Aktenberge stapelten sich auf dem Fußboden des Büros und auf alten Möbeln lag eine dicke Staubschicht. Eine Schreibmaschine und ein schwarzes Telefonbuch, bereits damals schon museumsreif, waren unsere einzigen Hilfsmittel." Im Jahre 1995 zog das Kreisarchiv in die Kellerräume des neu gebauten Haus 3 auf dem Areal des Kreisverwaltung, Berliner Straße. Da auch dort die Kapazitäten nicht lange ausreichten, folgte 1997 schließlich der Umzug in die Wittenberger Straße.

Nun steht der vorerst letzte Umzug an. Die neuen Räumlichkeiten sollen Platz für zusätzliches Archivmaterial von 20 Jahren bieten. Bis dahin haben Benzin und ihre sechs Mitarbeiter noch alle Händevoll zu tun. Die bestehenden Akten müssen genau beschriftet und verpackt werden, damit im neuen Archiv alles an den richtigen Platz kommt: "Liegt ein Zettel falsch, dann findet man den nie wieder", so Cordula Benzin.

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