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Der Prignitzer

18. November 2017 | 05:50 Uhr

Zwei Jungs räumen mit Vorurteilen auf

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jun.2013 | 10:43 Uhr

Karstädt | Diese Jungs werden die Frauen lieben: Sie bügeln, kochen, putzen die Fenster, fegen, waschen ab - und das alles freiwillig. Zwölf Schüler treffen sich jeden Montagnachmittag in der Grundschule Karstädt um unter Anleitung der Jugendsozialarbeiterin Cornelia Golisch-Koch zu "perfekten Hausmännern" zu werden.

Welches Mutterherz würde da nicht höher schlagen, wenn Sohnemann nach der Schule beherzt den Besen schwingen würde, statt seine Schuhe in die Ecke zu schleudern? Anstelle der ewigen nervenaufreibenden Diskussionen ums Aufräumen, wäre das Kinderzimmer immer pikobello sauber. Was für viele wie ein schöner Traum klingen mag, ist für die Eltern der perfekten Hausmänner längst Alltag. "Haushalt macht mir richtig Spaß. Ich helfe auch gern daheim", erzählt Dannie, während er vorsichtig den Teig vor sich auf den Tisch zu einer Rolle formt. Heute soll es Schweineohren geben. Das süße Gebäck lieben die Jungs. Dannie wischt sich die zuckerigen Hände an seinem T-Shirt ab: "Ich habe das Rezept auch schon meiner Mama beigebracht", berichtet er stolz.

Seit dem Beginn des Kurses zum Anfang des Schuljahres haben die Buben einiges dazu gelernt. Zum Beispiel Bügeln, wie Justin unter Beweis stellt. Der Schüler ist ein regelrechter Profi darin geworden: "Das habe ich hier zum ersten Mal gemacht und gleich am nächsten Tag habe ich bei uns zu Hause gebügelt", erzählt er während er sorgfältig ein T-Shirt zusammenlegt.

Die Jungs sind sich einig: Haushalt ist kein Weiberkram. "Wenn eine sagt, ich könnte nicht richtig putzen, dann soll sie erstmal beweisen, dass sie es besser kann", meint der 13-jährige Leon.

Bestätigung bekommen die Schüler vom Profi Monika Peißler. Die Reinigungskraft der Grundschule schaut den Jungs regelmäßig auf die Finger: "Die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Die könnten ja auch zu Hause bleiben und Fernsehen gucken", lobt sie die Jungs. Immerhin ist die Veranstaltung freiwillig.

Dabei waren die meisten Schüler anfangs sehr skeptisch, als Cornelia Golisch-Koch ihnen den Kurs vorschlug. So auch Justin: "Als es hieß ihr müsst die Fenster putzen, fand ich das erst nicht so gut. Aber inzwischen macht es mir wirklich Spaß."

Und warum sind keine Mädels in dem Kurs? "Wenn wir etwas falsch machen, zicken die immer gleich rum, werden wütend und kneifen", meint Leon. Deshalb hätten die kleinen Putzteufel von Anfang an auf eine mädchenfreie Zone bestanden. "Die wollten Mal nur unter sich sein. Und bei den Jungs zankt sich niemand ums Abwaschen", freut sich Golisch-Koch. Oft bekäme sie positive Rückmeldungen von den Eltern.

Doch bleibt der Kurs vorerst eine einmalige Sache. "Im nächsten Jahr biete ich wieder einen Theaterkurs an."

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