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Der Prignitzer

25. November 2017 | 01:22 Uhr

Zwangspause im Kranhaus beendet

vom

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2013 | 06:22 Uhr

Wittenberge | Die Zwangspause für Chefkoch Knut Diete und sein Team vom Kranhaus ist beendet. Ab heute hat das Restaurant wieder geöffnet. Das Hochwasser im Juni war in sein Lokal eingedrungen, hatte das Erdgeschoss teilweise unter Wasser gesetzt. Damit war er der einzige Wittenberger Unternehmer, der einen direkten Wasserschaden erlitten hatte.

Noch am 6. Juni war er leicht optimistisch, hoffte, wie 2002 knapp der Katastrophe zu entgehen. Doch als am Tag darauf Hubert Finke vom Wasser- und Schifffahrtsamt anrief, platzte seine Hoffnung wie eine Seifenblase. "Mit sehr verhaltener Stimme machte Hubert Finke mir klar, dass ich meine Vorbereitungen treffen soll", sagt Knut Diete. Die folgenden Stunden beschreibt er als eine Mischung aus Traum und Wirklichkeit.

"Bis zum späten Abend bewirteten wir unsere Gäste, kochten und servierten. Gleichzeitig begannen wir mit dem Ausräumen." Es war wie in einer Parallelwelt. Auf der einen Seite die Normalität, auf der anderen Seite die Ungewissheit, was passieren wird. Gerade erst nahm er die Pfanne vom Herd, im nächsten Moment telefonierte er mit dem Krisenstab, mit seiner Versicherung, mit Handwerkern. Er besprach Formalitäten der Schadensregulierung, der Absicherung des Gebäudes und servierte entspannten Gästen ein letztes Glas Bier, bevor die Tür ins Schoss fiel.

Mitarbeiter trugen Möbel ins Obergeschoss, sicherten Küchengeräte, versiegelten die Terrassentür. Am Sonnabend kamen Feuerwehr und andere Helfer, errichteten Sandsäcke vor seiner Tür. "Die Unterstützung und Hilfsbereitschaft war enorm, alle wussten, was zu tun war", beschreibt Diete die Situation. Und doch war das Wasser nicht aufzuhalten.

Im Laufe des Sonnabends sickerte es durch Ritzen, stieg im Tresenraum auf mehrere Zentimeter an. "Ich bat den örtlichen Krisenstab um eine Pumpe. Als die allein nicht mehr reichte, bekam ich eine zweite. Sie liefen pausenlos." Den Verantwortlichen war die Gefahr bewusst: Das Kranhaus ist wie ein Loch im Deich, keine Spundwand wie links und rechts davon hätte die Flut abhalten können. Wäre hier etwas passiert, hätte das Wasser in die Stadt laufen können.

Doch dazu kam es glücklicherweise nicht. Mit Humor und einer großen Portion Zweckoptimismus habe Diete die folgenden Tage überstanden. Der Elbpegel fiel, der Fluss zog sich aus dem Restaurant zurück. "Wir hatten Glück, die Schäden hätten noch viel größer sein können", sagt der bekannte Koch. Eine Renovierung im Erdgeschoss war aber dennoch nötig, unter anderem wurde der Fußboden erneuert. Die finanziellen Schäden seien beachtlich, vor allem durch Umsatzeinbußen während der acht geschlossenen Wochen und den anfallenden Personalkosten. Um so dankbarer ist Knut Diete, dass er auf Geld aus dem Hochwasserfonds hoffen darf. Zugleich freue er sich darauf, ab heute wieder Gäste zu bewirten. "Wir sind zurück am Herd" sagt er.

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