Bombenentschärfung in Wittenberge : Zustand des Sprengkörpers entscheidend

Die Luftaufnahme zeigt die Bombardierung auf Höhe des „Delphin“-Bades am 22. 2. 1945. Eine der Bomben detonierte nicht, sie steckt seit 70 Jahren als Blindgänger in der Erde.  Repro: Lars Reinhold
Die Luftaufnahme zeigt die Bombardierung auf Höhe des „Delphin“-Bades am 22. 2. 1945. Eine der Bomben detonierte nicht, sie steckt seit 70 Jahren als Blindgänger in der Erde. Repro: Lars Reinhold

Ist die Bombe freigelegt, wird über Entschärfung oder Sprengung entschieden / Zeitfenster bis Mittag nur grobe Schätzung

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23. Juli 2014, 17:45 Uhr

Gut 1,2 Meter lang, Durchmesser 36 Zentimeter und 250 Kilogramm schwer – das ist die amerikanische Sprengbombe, die heute am Rehwischdeich beim ehemaligen „Delphin“-Bad in Wittenberge entschärft werden soll. „Sie liegt in etwa zwei Meter Tiefe“, berichtet André Müller, Technischer Einsatzleiter des Kampfmittelbeseitigungsdientes beim Zentraldienst der Polizei Berlin-Brandenburg. Heute um 10 Uhr soll es losgehen. Erst in den Stunden zuvor „werden wir die Bombe freilegen“.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist mit drei Mann vor Ort und arbeitet Hand in Hand mit Mitarbeitern der GRV Luthe, die als Kampfmittelbeseitigungsfirma mit den zuvor durchgeführten Bohrungen und Untersuchungen am Rehwischdeich beauftragt war. Das war notwendig, weil im Umfeld der Deichbaustelle auf Luftbildern zahlreiche Bombentrichter erkennbar waren. Bis heute waren die Kampfmittelbeseitiger damit beschäftigt, „alle vorbereitenden Maßnahmen zu treffen, wie zum Beispiel Werkzeug heranzuschaffen und alle Sicherheitsmaßnahmen einzuleiten“, so Müller.

Die zu entschärfende Bombe hätte, wäre sie explodiert, ebenfalls einen großen Trichter im Erdreich hinterlassen. Müller spricht von etwa zehn Meter Durchmesser und drei Meter Tiefe. „Wir wissen im Moment nicht, in welchem Zustand die Sprengbombe ist. Davon hängt alles Weitere ab.“ Und genau da setzt auch die Ungewissheit ein, was heute auf die Kampfmittelbeseitiger alles zukommen kann.

Im günstigsten Fall können die beiden mechanischen Zünder – einer vorn, einer am Heck des Sprengkörpers – entfernt werden. Die Frage nach dem Wie beantwortet der Experte nicht. „Von wegen Nachahmung.“ Wenn alles unkompliziert und nach Plan verläuft, wird die Sprengbombe anschließend „in den Munitionszerlegebetrieb Kummersdorf-Gut südlich von Berlin abtransportiert, um dort fachgerecht zerlegt zu werden“, erläutert Müller und hofft, „dass wir bis Mittag fertig sind“. Allerdings räumt er ein, dass das Zeitfenster nur eine Schätzung sei. Ist eine Entfernung der Zünder nicht möglich, müsse der Blindgänger möglicherweise gesprengt werden. Das könne sich auch erst am Ende der Maßnahme – also bei der Entschärfung selbst– ergeben.

Auch für diesen Fall sind bereits die notwendigen Vorkehrungen getroffen. „Wir müssten nur noch die Dämmung mit Sandsäcken und Strohballen vornehmen, um Splitterflug zu vermeiden“, erklärt der Experte. Wie wichtig diese Maßnahmen sind, bewies die Sprengung einer 250-Kilogramm-Bombe in München im Jahr 2012. Durch die Detonation entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe.


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