Zurück im Arbeitsmarkt

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12. November 2010, 03:37 Uhr

Prignitz | Sie haben die Schulbank gedrückt, an ihrer Bewerbung gefeilt, das Vorstellungsgespräch trainiert und ein Praktikum absolviert. Das zahlte sich für manche Teilnehmer am Coachingkurs der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) GmbH aus: Sie fanden einen neuen Job. "37 Teilnehmer in zwei Durchgängen, 24 Prozent von ihnen ist jetzt wieder sozialversicherungspflichtig beschäftigt", informierte gestern Ute Sperling, Leiterin des Coachingcenters. "Ein sehr gutes Ergebnis", wertete sie am letzten Tag der Maßnahme.

Alle Teilnehmer waren nur geringfügig beschäftigt, wurden durch die Arge als Träger der Maßnahme an die DAA vermittelt. Einen regulären Job mit 40 Stunden die Woche kannten sie schon lange nicht mehr. "Drei Monate haben wir sie vorbereitet, speziell in den Bereichen Kaufmann, Hotel- und Gaststättengewerbe oder Lager geschult", so Ute Sperling. Für das Praktikum mussten sie sich selbst bewerben - eine erste Bewährungsprobe.

Sandra Bartmann hat diese bestanden: "Der Kurs war neben meiner Beschäftigung sehr anstrengend, aber das Praktikum bei einem Verlag hat mir sehr viel gebracht." Einen Job hat sie noch nicht, denn sie habe sich völlig anders entschieden. "Ich mache mich selbstständig, einen Termin beim Lotsendienst in Wittenberge habe ich bereits."

Seit drei Jahren ist die bundesweit tätige DAA in Perleberg aktiv, setzt ihren Schwerpunkt auf die Erstausbildung benachteiligter Jugendlicher. "Sie können bei uns einen Berufsabschluss erlangen, danach sind wir bei der Arbeitssuche behilflich", erklärte Kundencenterleiter Friedrich Klasen.

Hartz IV-Empfänger: Betreuung offen

Noch bekommt die DAA sämtliche Kursteilnehmer durch die Arge zugewiesen. Sie betreut die Langzeitarbeitslosen und Hartz IV-Empfänger. Im Dezember wird der Kreistag entscheiden, ob er wie bisher gemeinsam mit der Agentur für Arbeit die Klienten betreut oder in Eigenregie. Die Verwaltung strebt die alleinige Betreuung an, will dazu das sogenannte Optionsmodell beantragen. Seit Monaten wirbt sie bei den Abgeordneten dafür um Unterstützung. Donnerstagabend nahm die Verwaltungsvorschlag die erste Hürde: Bei zwei Enthaltungen stimmten die Abgeordneten des kreislichen Sozialausschusses mehrheitlich dafür.

Hauptargument der Verwaltung: "Als Optionskommune können wir die Prozesse selbst steuern", verdeutlichte der erste Beigeordnete Torsten Uhe. Seine Fachabteilung hatte auf rund 300 Seiten Informationen für die Ausschussmitglieder zusammengestellt. In den Dokumenten kommen neben Landkreistag oder Städte- und Gemeindebund weitere Institutionen zu Wort, die in erster Linie für die Option plädieren. Im Vorfeld gab es dazu auch Gespräche zwischen Uhe und Kreistagsfraktionen.

Im Ausschuss plädierte auch Arge-Geschäftsführer Thomas Puth für die Option: "Wir leben jetzt davon, was Nürnberg an arbeitsmarktpolitischen Bedingungen vorschreibt und die können nicht individuell sein." Eine Option vergrößere die Spielräume deutlich. Puth und Uhe bejahten die Frage des Abgeordneten Andreas Schulz (FDP). "Ja, sie als Abgeordnete haben direkten Einfluss auf Maßnahmen", so Uhe. Alles was jetzt die Arge mache, würde künftig dem Landkreis übertragen. Er wäre also Maßnahmeträger für Projekte wie das eingangs geschilderte an der DAA.

Die mehrfach geäußerte Befürchtung, dass dem Landkreis erhebliche Investitionskosten ins Haus stehen würden, konnte Puth entkräften. So würden die gesamte Hardware der Arge, darunter die Computer, und andere Sachleistungen, kostenlos dem Kreis übergeben. Vom Bund kommen je Bedarfsgemeinschaft einmalig 75 Euro. "Das wären etwa 481 000 Euro, mit denen sich die neu benötigte Software finanzieren lässt. Eine Erstinvestition des Kreises ist nicht nötig", so Puth. Uhe ergänzte, dass der Bund wie bisher die Mittel für die Eingliederungsmaßnahmen zur Verfügung stelle.

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