Weihnachten nach der Flut : Zum Fest ein winziges Stück Normalität

Sebastian (l.) und Christian von Hagen beim Sichern des Grundstücks in Werder.
Sebastian (l.) und Christian von Hagen beim Sichern des Grundstücks in Werder.

Ralf von Hagen und seine Söhne haben noch immer mit den Folgen der Flut zu kämpfen. Zum Fest stellt die Familie in ihrem vom Hochwasser beschädigten Haus einen Weihnachtsbaum auf.

svz.de von
23. Dezember 2013, 22:00 Uhr

„Der Teppichboden liegt wieder im Wohnzimmer. Und wir werden uns auch einen Weihnachtsbaum aufstellen“, sagt Ralf von Hagen. Er spricht von einem winzigen Stück Normalität, die zum Fest in das 150 Jahre alte Fachwerkhaus in Werder (Altmark) zurückkehrt. Wann Ralf von Hagen und seine beiden Söhnen Christian (22) und Sebastian (20) wieder ganz normal in ihrem Zuhaus leben können, wissen sie noch nicht. Werder liegt auf einer Art Insel zwischen der Elbe und einem Altarm des Stroms, zwischen den Deichen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts.

Als im Juni die Flut kam, lag Werder und damit das Haus der Familie mitten im reißenden Strom, der immer höher und höher stieg. „Nach dem Hochwasser 2002 haben wir einen Wall um unser Haus gebaut. Niemals hätten wir gedacht, dass der Schutz nicht ausreicht, die Elbe jemals direkt durch unser Haus fließt“. erinnert sich von Hagen.

Als das Wasser kam, war er in Wittenberge, kämpfte mit unzähligen Freiwilligen darum, den Veritas-Park, dessen Verwalter er ist, zu sichern. „Wir haben 400 Arbeitsplätze auf dem Gelände. Ein Teil, wenn nicht sogar alle wären für Wittenberge verloren gewesen“, ist er überzeugt. Welche Firma bleibe schon auf einem so gefährdeten Gelände“, sagt von Hagen. Der Park konnte dank immenser Anstrengungen gehalten werden. Die kluge Entscheidung, einen Sandwall zu schütten, zahlte sich aus, heute ist daraus auch ein richtiger kleiner Deich geworden. „Das schützt bei kommenden Hochwasser, ist ein Plus für den Standort“, sagt von Hagen.

Während er auf dem Veritas-Gelände ackerte, kämpften seine Söhne gemeinsam mit Nachbarn und Helfern in Werder gegen die Flut, bauten Sandsackwälle um die Häuser, die nur noch per Boot zu erreichen waren. Vergeblich. „Ich erinnere mich, wie der Große mich anrief und mir sagte, Papa, das Haus ist nicht zu halten.“ Unumwunden sagt von Hagen, dass seine Sorge natürlich dem Gebäude galt, viel mehr aber noch seinen Söhnen, die so gekämpft haben, und nun erleben mussten, dass die Elbe stärker war als sie.

Unter den Möbeln, die die von Hagens vorsorglich auf aufgeschichtete Steine gestellt hatten, floss tagelang das Wasser durch.

Zurück blieben in der Küche, im Bad, in den beiden unteren Zimmern und im Flur Dreck, durchnässte Wände und jede Menge weitere Schäden. „Die Reparatur geht in die zig Tausende“, sagt von Hagen. Wie viele andere Hochwasseropfer hofft er immer noch auf die vom Bund zugesagte Unterstützung. „Der Winter kommt, es müsste dringend etwas gemacht werden. Aber die Handwerker wollen natürlich auch Geld sehen. Sie müssen ihre Leute bezahlen“, sagt von Hagen. Deshalb sei er auch all jenen dankbar, die für Hochwasseropfer Geld gespendet hätten. „Damit sind auch wir in der Lage, Handwerker für die allerersten Arbeiten zu bezahlen.“ Und ansonsten bleibt die Hoffnung, endlich die zugesagte Unterstützung aus dem Fonds für die Flutopfer zu erhalten. Am 18. Dezember gab es so etwas wie einen Lichtblick. „Wir haben ein offizielles Schreiben erhalten, dass uns Hilfe in Aussicht stellt“, erzählt von Hagen.

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