Nach Streik : Zugausfälle durch Brandanschläge

Ein Servicetechniker der Deutschen Bahn ist am 08.11.2014 nach einem Brand in einem Kabelschacht entlang einer Bahnlinie in Bremen mit der Reparatur einiger verschmorter Leitungen beschäftigt.
Ein Servicetechniker der Deutschen Bahn ist am 08.11.2014 nach einem Brand in einem Kabelschacht entlang einer Bahnlinie in Bremen mit der Reparatur einiger verschmorter Leitungen beschäftigt.

Erst ging durch den Streik nichts, nun sorgten am Wochenende Anschläge auf Kabelschächte für Störungen im Netz der Deutschen Bahn.

svz.de von
09. November 2014, 22:00 Uhr

Brandanschläge auf das Bahnnetz haben am Wochenende neben dem Lokführer-Streik in Teilen Deutschlands zu zusätzlichen Beeinträchtigungen im Bahnverkehr geführt. Unbekannte öffneten am Samstag etwa zeitgleich in Brandenburg, Bremen und Niedersachsen Kabelschächte neben Bahngleisen und steckten sie in Brand. Die Polizei prüft ein Bekennerschreiben aus der linken Szene – mehrere Staatsanwaltschaften haben Ermittlungen aufgenommen.

In der Prignitz wurden am frühen Samstagmorgen Kabel in einer Schachtanlage in Karstädt mit Brandbeschleuniger angezündet. Als ein Bahntechniker wenig später eintraf, war das Feuer bereits wieder erloschen, wie die Bundespolizei in Berlin am Samstag mitteilte.

Die Folgen für die Reisenden hielten sich noch vergleichsweise in Grenzen: Die Züge auf der Strecke Berlin-Hamburg mussten der Deutschen Bahn zufolge an der Stelle etwas langsamer fahren, weil die elektronische Geschwindigkeitskontrolle nicht mehr funktionierte. Am Montag will der Konzern die Reparaturen fortsetzen. „Einzelne Ersatzteile müssen noch beschafft werden“, sagte eine Bahnsprecherin am Sonntag.

Wesentlich schlimmer waren die Auswirkungen der Brandanschläge in den beiden anderen Bundesländern: In Bremen entfernten Unbekannte an zehn Stellen die etwa 15 Kilo schweren Betonplatten von den Kabelschächten und legten Feuer. Im niedersächsischen Bad Bevensen waren es zwei Kabelschächte, die in Brand gerieten. Infolge dessen fielen Stellwerke in Hamburg, Kiel und Lübeck, Signalanlagen sowie der Funkverkehr zu den Zügen für mehrere Stunden aus. Es kam zu zahlreichen Zugausfällen im Fernverkehr in Norddeutschland.

Weil in den Kabelschächten auch Mobilfunkleitungen liegen, konnten laut Vodafone knapp 70 000 Kunden im Großraum Bremen und Oldenburg am Samstag nicht telefonieren. Im Internet erklärten „Autonome Gruppen“, dass sie mit der Sabotage an den Tod eines Franzosen bei einem Castortransport aus dem französischen La Hague ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben vor zehn Jahren erinnern wollten. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Anschläge auf Bahnanlagen gegeben, zuletzt im August in Berlin.

Staatsschutzabteilungen der Landespolizei haben die Ermittlungen von der Bundespolizei übernommen. In Brandenburg wurde im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neuruppin eine eigene Ermittlungsgruppe beim Landeskriminalamt gebildet, wie die Sprecherin der Neuruppiner Behörde, Lolita Lodenkämper, am Sonntag sagte.

Bis die Reparaturen abgeschlossen sind, müssen Fahrgäste auf der Strecke Berlin-Hamburg weiter mit bis zu 15 Minuten Verspätungen rechnen, bis die Kabel wieder repariert ist. Auf der Strecke verkehrt auch der Bahnwettbewerber ODEG mit der Regionalexpress-Linie 2 Wismar-Berlin-Cottbus.


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