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Vogelgrippe in der Prignitz : Züchter befürchten Verluste

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die behördliche Sicherheitsmaßnahme hat erhebliche Auswirkungen auf die Befruchtungs-, Lege-, und Schlüpfleistung.

Stallpflicht in der Prignitz, aber nicht alle Tierhalter folgen der Anordnung. „Es gab und gibt viele Hinweise und Anzeigen, denen wir nachgehen“, so Amtstierärztin Sabine Kramer. Wer gegen die Stallpflicht verstoße, werde ermahnt, im Wiederholungsfall gibt es ein Verwarngeld in Höhe von 35 Euro. Hartnäckige Sünder müssten mit Bußgeld oder einem Zwangsgeld rechnen. Letzteres wurde bisher einmal in Höhe von 1000 Euro angedroht, berichtet Kramer. Erheblich teurer könne das Bußgeld werden. Bis zu 25 000 Euro riskieren uneinsichtige Tierhalter.

Die vertreten teilweise eine ganz andere Sichtweise. Gero Sperlich vom Pritzwalker Kleintierzüchterverein nennt die Stallpflicht „eine staatlich verordnete Tierquälerei“. Im November und Dezember sei sie für die Tiere noch erträglich gewesen, aber jetzt sei sie schlimm. „Wassergeflügel braucht Wasser, nicht nur zum Trinken, sondern auch für die Paarung. Die Stallpflicht hat damit massive Auswirkungen auf die Zucht von Enten und Gänsen“, erklärt er.

Auch bei Hühnern bleibt sie nicht folgenlos. „Um gesunde Nachkommen zu haben, braucht man gesunde Elterntiere, die gesunde Eier legen. Dazu benötigen die Hühner tierisches Eiweiß wie Würmer, Käfer und Schnecken, die sie im Stall nicht finden“, erklärt Sperlich.

Züchter befürchten, dass es kaum gesunden Nachwuchs geben wird. Einige hätten ihre Zucht gar aufgegeben, weil manche Rassen im Stall nicht artgerecht gehalten werden könnten. „Damit geht eine viele Jahrzehnte lange Kultur verloren“, sagt Gero Sperlich.

Aus seiner Sicht sei es auffällig, dass die Vogelgrippe meist in Großanlagen auftritt. „Unsere Tiere sind robust und viel weniger anfällig für Krankheiten, aber leider werden alle Tiere und ihre Halter in Sippenhaft genommen, zahlen den Preis für die Massentierhaltung“, so Sperlich.

Die Vogelgrippe und die weiterhin anhaltende Stallpflicht für Geflügel ist natürlich auch ein Thema beim Rassegeflügelzuchtverein Wittenberge und Umgebung von 1889. Willfried Lattorff hat sich dort seit 1952 im Vorstand engagiert, rund 40 Jahrzehnte war er der Vorsitzende. „Es herrscht eine miese Stimmung in unseren Reihen. Wir sind mehr oder weniger empört über diese Behördenwillkür“, so Lattorff auf Nachfrage des „Prignitzers“. Es sei derzeit eine „kritische Situation“ und im Verein herrsche einstimmig die Meinung, dass „solche Maßnahmen wie eine geltende Stallpflicht die Ausbreitung der Seuche nicht verhindern“. Laut Lattorff werden die Bestände der 40 Vereinsmitglieder gesund gehalten, das heißt, die Tiere werden geimpft und sind damit viel weniger anfällig für Krankheiten. „Seit Monaten sind die Hühner in den Ställen eingesperrt und kommen nicht an die frische Luft. Durch den fehlenden Sauerstoff werden sie krank“, erklärt Lattorff. Die Vereinsmitglieder würden sich „im Großen und Ganzen aber an die Stallpflicht halten, doch manch einer setzt sich aus Protest gegenüber der Politik auch darüber hinweg“, weiß Lattorff.

Die Stallpflicht habe erhebliche Auswirkungen auf die Befruchtungs-, Lege-, und Schlüpfleistung der Zucht. „Jetzt geht die Brutzeit los. Aber die Brutergebnisse werden schlecht ausfallen, denn der Prozess ist widernatürlich“, bedauert Lattorff. Trotz der Allgemeinverfügung gilt für Tauben eine Ausnahme. Sie sind von der Stallpflicht ausgenommen, da sie deutlich weniger empfänglich sind als anderes Federvieh. „Überträger von Viren und Bakterien können alle Tiere sein. Bei den Tauben gibt es die sogenannte Taubenpest, aber auch dagegen werden die Tiere geimpft, so dass von ihnen keine Gefahr ausgeht“, betont Lattorff.

Auf dem Prignitzer Landhof bei Karin Schlegel in Klein Gottschow sind gegenwärtig 23 Gänse, sieben Enten, 20 Puten und etwa 100 Hühner in die Ställe verbannt. „Mir tun die Tiere leid“, sagt Karin Schlegel. „Denn das ist alles andere als eine artgerechte Haltung.“ Jeder, der den Hof betritt, muss über die Desinfektionsmatte. Und auch wer die Stallungen betritt, der muss sich immer wieder desinfizieren. Ihr Betrieb leidet noch nicht so sehr unter der Stallpflicht, die Saison auf ihrem Hof beginnt erst im Mai. Dennoch kann sie keinerlei Vorbereitungen treffen. In der Regel ist das jetzt aber die Zeit, wo sie die neuen Tiere einkauft. „Sie sind zwar bestellt, aber ich kann sie noch nicht auf den Hof holen“, so Karin Schlegel. In der Vergangenheit konnten die Tiere schon im Januar wieder auf den Hof. „So lange wie in diesem Jahr dauerte es noch nie!“ Deshalb fordert sie auch von der Politik einen Plan B. „Die Vogelgrippe kommt immer wieder, also müssen die Verantwortlichen sich etwas einfallen lassen.“ Sie selber will alte Pferdeboxen umbauen, mit Gittern versehen, so dass die Tiere wenigstens ins Freie sehen können.  
 

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