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Der Prignitzer

24. November 2017 | 01:22 Uhr

Oberschule Perleberg : Zu wenige Fachlehrer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schulleiterin Gisela Hauck spricht offen über Schwierigkeiten / Politik ernsthaft gefordert, ländliche Regionen nicht abzuhängen

von
erstellt am 30.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Zeugnisausgabe heute auch in der Friedrich-Gedicke-Oberschule. Vor gut einer Woche hieß es aus dem Ministerium, dass auf den Halbjahreszeugnissen auch in dieser Schule wegen Stundenausfalls Zensuren fehlen werden. „Das war vor unserer Klassenkonferenz“, räumt Schulleiterin Gisela Hauck ein. Klasse für Klasse sei man hinsichtlich der Vertretungsstunden und Zensuren in den betreffenden Fächern noch einmal durchgegangen. Am Ende hat es gereicht für die Zensur auf dem Zeugnis. Dass man mit der nicht glücklich sei, auch daraus macht die Schulleiterin kein Hehl. „Knapp 50 Prozent der möglichen Stunden wurden gegeben.“

Der Grund, warum so viele Stunden ausfallen mussten: „Wir haben große Probleme, da fünf Kollegen seit Schuljahresbeginn dauerkrank sind. Summa summarum sind das 125 Stunden. Dazu kommen noch die normalen Erkrankungen, wie Erkältung und dergleichen“, listet Gisela Hauck auf. Das zu kompensieren in den Hauptfächern, vor dieser Herausforderung stehe man täglich.

„Eine sogenannte äußere Differenzierung ist für uns nicht mehr möglich. Das heißt, während wir sonst in Mathe für die A- und B-Kurse jeweils je auch einen Lehrer hatten, laufen die Kurse jetzt nur noch auf Klassenbasis. Ein Lehrer unterrichtet zeitgleich beide Kurse. Wir nennen das Binnendifferenzierung.“ Auf der Strecke bleibe dabei allerdings die Förderung der Schwächeren und die der Besten, räumt die Schulleiterin offen ein.

Ein ähnliches Bild im Wahlpflichtbereich Wirtschaft/Technik/Arbeit (WAT). Hier seien die Gruppen notgedrungen einfach zu groß, da „wir von fünf auf drei reduzieren mussten“. Mit 26 Schülern in der Küche zu agieren, die für 16 zugeschnitten ist, das sei gelinde gesagt problematisch. So gebe es immer wieder Situationen, wo Unterricht ausfalle, weil keine Lehrer zur Verfügung stehen.

„Andererseits haben unsere Schüler eine Vielzahl von Praktika absolviert, so dass wir diese Benotung für das Schulhalbjahr mitgenutzt haben“, erläutert Gisela Hauck. Deutlich werde aber, „die Schmerzgrenze ist längst überschritten, vor allem auch was Fachlehrer betrifft. Sie fehlen uns“. Ein Chemielehrer sei in Ruhestand gegangen. Ersatz? „Damit jede Klasse Chemie hat, haben wir die Stundentafel gekürzt.“ Eine Vertretungsreserve, die Sport und Geographie unterrichtet, helfe da nur bedingt. „Zweifelsohne hat die junge Kollegin uns unterstützt, doch auch damit ist jetzt Schluss. Am 1. Februar beginnt ihr Referendariat.“ Zudem gehe eine weitere Kollegin in Ruhestand. Auch hier ist kein Ersatz in Sicht.

Dauerkrankheitsstand und regulärer Fachlehrermangel – das mache der Schule zu schaffen. Bei letztgenanntem müsse sich die Politik ernsthaft Gedanken machen, wie man junge Lehrer eben auch in die Prignitz und in andere Randregionen locke. „Ich kann mich noch erinnern, dass wir eine Landlehrerzulage bekamen. Eine Möglichkeit, ein Anreiz vielleicht für junge Menschen.“

 

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