Zu wenig Grünland für den Storch

In MV waren dieses Jahr 828 Storchennester belegt. In nur 604 Nestern brüteten die Paare erfolgreich. Für die Experten eine „ungenügende Reproduktion“.
In MV waren dieses Jahr 828 Storchennester belegt. In nur 604 Nestern brüteten die Paare erfolgreich. Für die Experten eine „ungenügende Reproduktion“.

Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz beklagt übermäßigen Maisanbau im Nachbarkreis und fordert Diskussion mit Landwirten zum Storchenschutz

svz.de von
06. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Das Nahrungsangebot für den Weißstorch im Landkreis Ludwigslust-Parchim wird knapp. Laut Helmut Eggers vom Weißstorchschutz in MV würden allein in der Region Ludwigslust-Parchim zehn landwirtschaftliche Betriebe zu 100 Prozent Mais anbauen, bei 52 Betrieben sind es immerhin mehr als 71 Prozent Mais. „Da bleibt wenig Platz für Nahrungsflächen, die für den Storch nutzbar sind“, sagt der Lübtheener, der seit Jahren im Vorstand der Nabu-Landesarbeitsgruppe zum Weißstorchschutz arbeitet.


Auch Stilllegungsflächen wieder fast komplett in Nutzung


Hinzu komme, dass in den letzten Jahren die Stilllegungsflächen fast vollständig wieder in Nutzung genommen wurden und von 2003 bis 2011 auch über sechs Prozent des Grünlandes umgebrochen wurde. „Gerade solche Flächen aber brauchen Störche, genauso wie viele andere Vogel- und Tierarten auch für ihre Nahrungssuche“, so Eggers. Und obwohl das Grünland in Mecklenburg-Vorpommern seit 2012 per Gesetz geschützt sei, würden doch immer wieder solche für den Weißstorch sehr bedeutsamen Flächen verschwinden oder zumindest in ihrer Qualität stark beeinträchtigt.

Angesichts der besorgniserregenden Bestandssituation des Weißstorches in Mecklenburg-Vorpommern fordert die Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz die Landwirte dazu auf, in eine gemeinsame Diskussion über regionale Maßnahmen zur Stabilisierung des Bestandes einzutreten. „Darüber hinaus erwarten wir von der Landesregierung, im Zuge der aktuellen Agrarsubventionsneuordnung erneut über Maßnahmen zum Schutz des Weißstorches nachzudenken. Ein Weißstorch-Schutzprogramm, wie in Sachsen seit Jahren etabliert, wäre ein erster Schritt, um den Storch als Charaktervogel unseres Bundeslandes zu erhalten“, so Eggers.


Deutliches Zeichen für instabile Population


Die Mitarbeiter der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz haben im Storchenjahr 2013 die Bestände flächendeckend in ganz Mecklenburg-Vorpommern erfasst. Demnach waren in MV in diesem Jahr 828 Storchennester belegt. Von diesen Storchenpaaren brüteten 604 erfolgreich, die übrigen 224 hatten keinen Bruterfolg. Solche Quote von 27 Prozent sei kennzeichnend für ein Storchenjahr mit ungenügender Reproduktion. Eggers wertet die hohe Zahl von Brutpaaren ohne Bruterfolg als „deutliches Zeichen für eine instabile Population“.

Der Storchenbestand stagniere damit weiterhin auf niedrigem Niveau. Immerhin gab es laut Eggers im Jahr 2004 in Mecklenburg-Vorpommern noch 1142 Brutpaare. Der Bestand brach dann, wie in vielen anderen Bundesländern, stark ein. Während sich in fast allen Bundesländern der Bestand wieder erholt hat, blieb diese Entwicklung allein in Mecklenburg-Vorpommern aus. Eggers: „In der gesamten Bundesrepublik gibt es etwa 1000 Brutpaare mehr als vor zehn Jahren, nur Mecklenburg-Vorpommern hat im gleichen Zeitraum aber 300 Paare weniger.“

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