ÖLMÜHLE WITTENBERGE : Zu Besuch bei den Vorfahren

Nicolas Schwabach auf der Hoteltreppe. In der Villa war die Familie Herz zu Hause.
Nicolas Schwabach auf der Hoteltreppe. In der Villa war die Familie Herz zu Hause.

Nicolas Schwabach stammt aus der Industriellenfamilie Herz, die 1823 die Ölmühle an der Elbe gründete

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30. Januar 2016, 11:00 Uhr

Nicolas Schwabach kommt auf der Ölmühle aus dem Hotel, schreitet die Treppe hinter. Der Augenblick hat etwas Spezielles. Das heutige 4-Sterne-Hotel ist mit seinen repräsentativen Räumen in der alten Fabrikantenvilla auf dem Werksgelände zu Hause. Und Nicolas Schwabach ist ein Nachfahre der Industriellenfamilie Herz, die 1823 die Ölfabrik an der Elbe gründet und die Villa errichten ließ.

Schwabach sagt: „Ich bin der Ur-, Ur-, Urenkel von Hermann Herz.“ Und Hermann Herz wiederum sei der Sohn von Salomon Herz, jenem Berliner Kaufmann, der auf die Idee mit der Ölfabrik in Wittenberge kam. Der Bau der Ölmühle reicht in seiner Bedeutung weit über eine normale Firmengründung hinaus. Er markiert die beginnende Industriealisierung der Stadt.

Für Nicolas Schwabach ist das Familiengeschichte, der er, wie er sagt, jetzt nachspürt. Der in England geborene und in München lebende Herz-Nachfahre ist von Beruf Übersetzer. Er erzählt: „Auf die Idee, die Wittenberger Ölmühle zu besuchen, bin ich in München abends auf meinem Sofa gekommen.“ Er sei beim Eindämmern gewesen. Der Fernseher lief. „Im Halbschlaf hörte ich, wie die Worte Wittenberge und Ölmühle fielen. Ich schreckte auf. Es lief tatsächlich ein Bericht über die Ölwerke.“ Von der Ölmühle wusste der Herz-Nachfahre, „weil in den 30er Jahren ein Familienmitglied, nämlich Arthur Herz, sich sehr akribisch mit unserem Stammbaum und unserer Geschichte befasst hat“.

Für Schwabach stand fest: „Ich fahre nach Wittenberge.“ Ja, sagt der Ur-, Ur-, Urenkel der Gründerfamilie, er sei etwas traurig, dass die Produktion 1998/90 zusammengebrochen ist. Und er ist voll des Staunens, „was der neue Besitzer hier auf die Beine stellt“. „Das ist ganz hervorragend. Ich glaube, Herr Lange ist ein Mann mit Visionen und dem Mut, diese auch umzusetzen. Das zählt.“ Auf eine Übernachtung im Hotel auf der Ölmühle musste Nicolas Schwabach verzichten. Alles ausgebucht. Er konnte aber beim Frühstück in der Hotelvilla wenigstens den Ausblick aufs Wasser genießen, wie wahrscheinlich die Vorfahren vor knapp 200 Jahren auch.

Schwabach verbindet die Wittenberge-Visite mit einem Besuch in Berlin. „Hier in Wittenberge gibt es mit der Ölmühle einen physischen Ort der Erinnerung. Die Immobilien, die in Berlin unserer Familie gehörten, sind während des Krieges zerstört oder später abgerissen worden“, erzählt er und sagt: „Ich werde auf drei Friedhöfen die Grabsteine von Familienangehörigen suchen.“

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