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Der Prignitzer

24. September 2017 | 10:44 Uhr

Zivildienst-Ende reißt Lücken im Kreis

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2011 | 06:58 Uhr

Prignitz | Seit dem 1. Juli gibt es den Bundesfreiwilligendienst. Im Zuge der Abschaffung der Wehrpflicht ersetzt er den bisherigen Zivildienst. Doch was wie ein nahtloser Übergang klingt, reißt in Wirklichkeit eine große Lücke. Die Bewerberzahl ist niedrig, soziale Institutionen suchen händeringend Ersatz für die Zivildienstleistenden.

Bundesweit haben sich bisher weniger als 2000 Interessierte um eine Stelle beworben, informiert Gabriel Hesse, Pressereferent im brandenburgischen Sozialministerium. Landeszahlen würden noch nicht vorliegen. Doch schon jetzt erschreckend ist die aktuelle Zahl der sozialen Helfer: Im Mai gab es in Brandenburg nur noch 556 Zivildienstleistende.

Laut Hesse waren es sonst im Jahresschnitt 1200 bis 1500. Sozialminister Günter Baaske hatte im Landtag gesagt, dass er es für unwahrscheinlich halte, alle bisherigen Zivistellen erneut besetzen zu können.

In der Prignitz hat das DRK bereits Konsequenzen gezogen. "Der Zivildienst war eine schöne Zeit, aber sie ist zu Ende", sagt Kreisgeschäftsführer Dietrich Döring. Der Verband hatte zeitweilig bis zu 15 Zivis beschäftigt, zuletzt waren es sieben für den Fahrdienst.

"Diesen müssen wir absichern, haben dafür Leute neu eingestellt", sagt Döhring. Aber nicht alle bisher wahrgenommenen Aufgaben könnten fortgesetzt werden. "Spaziergänge mit Senioren, Oma Schmidt zur Arztpraxis fahren, all so etwas wird wohl nicht mehr möglich sein, oder nur gegen Bezahlung", so der Geschäftsführer. Der Zivildienst habe nun mal allen freien Trägern der Wohlfahrt Leistungen ermöglicht, die sonst finanziell nicht möglich gewesen wären.

Ähnlich ist es beim Awo-Kreisverband. Die drei noch tätigen Zivis werden bis Ende August ihren Dienst beenden. Auch sie sind zuständig für Boten-, Hol- und Bringedienste, informiert Annelie Reichwald, zuständig für den Bereich Arbeitsförderung. "Wir möchten diese Stellen wieder besetzen, haben bisher eine Bewerbung vorzuliegen." Aktuell sei die Situation schwierig, da noch unklar sei, wie hoch die Zuwendungen des Bundes pro Stelle ausfallen.

Ganz anders stellt sich die Situation im Kreiskrankenhaus Prignitz dar: "Wir haben alle bestehenden zehn Zivildienststellen neu besetzen können", sagt Personalleiterin Silvia Ott. Rechtzeitig habe sie in der Tageszeitung und mit Flyern an Schulen geworben, ausreichend Bewerbungen erhalten. Am 1. Juli begannen acht Freiwillige, am 1. August startet ein weiterer. André Schwarz bleibt bis Jahresende Zivi und wechselt dann für ein halbes Jahr ebenfalls in den Bundesfreiwilligendienst.

Silvia Ott sieht in dem neuen Dienst weiterhin eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, eine gewisse Zeit zu überbrücken. Auf zwei ihrer Bundis trifft das exakt zu: "Sie haben bereits einen Lehrvertrag für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an unserer Schule unterschrieben, in diesem Jahr waren alle Stellen vergeben."

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