Zigan: Wer Wähler belügt, muss gehen

<strong>Vor einigen Jahren noch</strong> im kollegialen Gespräch, aber heute fordert Altbürgermeister Dietmar Zigan (l.) Fred Fischer zum Rücktritt auf.<foto>Archiv</foto>
Vor einigen Jahren noch im kollegialen Gespräch, aber heute fordert Altbürgermeister Dietmar Zigan (l.) Fred Fischer zum Rücktritt auf.Archiv

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06. Juni 2012, 05:30 Uhr

Perleberg | Im Hintergrund verfolgte der frühere Bürgermeister Dietmar Zigan die monatelange Auseinandersetzung um den Perleberger Amtsinhaber Fred Fischer und dessen Stasi-Vergangenheit. Jetzt geht er an die Öffentlichkeit. "Prignitzer"-Redaktionsleiter Hanno Taufenbach sprach mit ihm exklusiv über die politische Situation in der Stadt und ihre möglichen Folgen.

Herr Zigan, Sie sind seit sieben Jahren im Ruhestand und seitdem äußern Sie sich öffentlich äußerst selten politisch. Warum tun Sie es jetzt im Fall von Fred Fischer?

Dietmar Zigan: Man kann das nicht auf Dauer unkommentiert anschauen. Immer häufiger sprechen mich Perleberger an, fragen nach meiner Meinung zu diesem Fall.

Wer aufmerksam hinschaute, hat Sie bei einer Anti-Fischer-Demonstration auf dem Markt gesehen. Zusammen mit anderen haben auch Sie ihm symbolisch die Rote Karte gezeigt. Warum haben Sie das getan?

Wenn jemand wie Herr Fischer in einer Sondereinheit der NVA als Führungsoffizier gearbeitet und Kontakte zur Stasi hatte, dann muss er das seinen Wählern erklären. Das hat er aber nicht getan. Fred Fischer hat die Wähler falsch informiert. Für mich ist das ein Wahlbetrug.

Aber er will doch auf seine Tätigkeit hingewiesen haben?

Vielleicht gegenüber der Partei Die Linke, aber nicht auf seinen Wahlveranstaltungen, die ich selbst besucht habe. Wir sind doch nicht 1989 auf die Straße gegangen und haben gegen ein System protestiert, um jetzt von Leuten regiert zu werden, die genau dieses System damals verteidigt haben. So einen Bürgermeister möchte ich nicht haben. Solche Personen gehören nicht in den öffentlichen Dienst. Deshalb zeige ich ihm die Rote Karte.

Die öffentlichen Reaktionen erwecken den Anschein, dass die überwiegende Mehrheit der Perleberger weiter zu Fred Fischer steht. Wie erklären Sie sich das?

Das ist die Trägheit der Menschen. Es gibt andere Meinungen, aber sie werden nicht öffentlich vertreten.

Ist es nur die Trägheit oder haben die Menschen nach 23 Jahren die Nase von dem Thema Stasi voll und wollen damit abschließen?

Sicher ist es nicht die Trägheit allein, sondern die Politikverdrossenheit allgemein. Wirklich wichtige Themen interessieren immer weniger, das Desinteresse an der Politik nimmt zu.

Was ist daran so schlimm, wenn die Rote Karte nicht zum Platzverweis reicht, sondern Perleberg auf einen Richterspruch wartet?

Der Ruf unserer Stadt nach außen ist bereits angekratzt, der Fall Fischer überregional bekannt. So wie Brandenburg oft ,kleine DDR genannt wird, höre ich diese Bezeichnung inzwischen auch über Perleberg.

Was wünschen Sie sich von Herrn Fischer?

Wenn er wirklich das Wohl der Stadt im Auge hat, wie er es stets betont, dann sollte er zurücktreten. Das wäre das Beste für Perleberg, und er würde sich auch selbst einen Gefallen tun. Dann hätte ein Fred Fischer Charakter.

Aber selbst im Falle eines Rücktritts würden doch die Folgen der vergangenen Wochen die Parlamentsarbeit belasten. Wie sollen die Fraktionen wieder zueinander finden?

Das sehe ich optimistisch. Viele Abgeordnete kennen sich seit Jahren und wenn es gelingt, einen Bürgermeister als Integrationsfigur zu finden sowie einen guten Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, kann dieses Parlament wieder zusammenwachsen. Geeignete Kandidaten gibt es in der Stadt.

Und wenn Fischer nicht zurücktritt und die Justiz gar bis zur zweiten Instanz mit dem Fall beschäftigt wäre ...

... dann droht der Stadt eine Hängepartie bis zur regulären Bürgermeisterwahl 2015. Für diesen Fall befürchte ich einen Stillstand in der kommunalen Arbeit, eventuell sogar weitere Mandatsniederlegungen.

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