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Fahrraddiebstähle : Zifferncode mit Abschreck-Effekt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Prignitzer Polizei setzt neue Technik zur Kennzeichnung von Fahrrädern ein / Aufklärungsquote bei Raddiebstählen bei 13,5 Prozent

von
erstellt am 01.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Polizist Jörg Seifert setzt das Stanzgerät vorsichtig am Sattelrohr eines 28er Cityrades an. Nach wenigen Sekunden metallischen Hämmerns ist alles vorbei, die Codenummer in den Rahmen gestanzt. „Noch einen Schutzaufkleber drüber und fertig“, kommentiert er. Karl Heinz Manske, dem der jetzt markierte Drahtesel gehört, ist zufrieden. „Im ,Prignitzer‘ habe ich gelesen, dass man die Räder heute codieren lassen kann. Und ich finde das Angebot klasse.“

Neu ist es nicht, dass die Prignitzer Polizei anbietet, Fahrräder zu codieren und ihre Besitzer zu registrieren. Neu ist aber die spezielle Technik, die in dieser Woche auf dem Wittenberger Revier erstmals eingesetzt wurde. „Zunächst muss sich der Besitzer des Rades ausweisen und einen Eigentumsnachweis, zum Beispiel eine Rechnung, vorlegen“, sagt Revierleiterin Melitta Cencarka.

Die persönlichen Daten wie Name und Anschrift werden ebenso wie die Daten des Rades in ein Computerprogramm eingegeben. „Aus dem Landkreis, der Stadt, der Straße und der Hausnummer sowie den Initialien des Besitzers generiert der Computer zunächst einen 14-stelligen Code und dazu einen passenden Strichcode, der gemeinsam mit dem Codierauftrag ausgedruckt wird“, erklärt Cencarka. Den liest ihr Kollege am Codiergerät mit einer Art Scanner ein, setzt die Stanzpistole an und markiert so das Rad.

„Mit der neuen Technik ist es viel leichter für uns, wir müssen die Räder nicht mehr umständlich hochheben und in eine Halterung einspannen, um eine Nummer einzustanzen“, sagt Jörg Seifert. Der neue Nummerncode habe zudem den Vorteil, dass sich durch die Verwendung der Initialien bei einer Kontrolle schnell Rückschlüsse auf den Besitzer ziehen lassen. „Wird jemand auf dem Rad angehalten, prüfen die Kollegen auch die Codenummer. Wenn die Initialien auf dem Rad und die des Besitzers nicht zusammenpassen, ist zumindest der Verdacht da, dass der Radler seinen Drahtesel gestohlen haben könnte.“

Dass die Codierung sicheren Schutz vor Langfingern bietet, bezweifeln selbst die Polizisten und empfehlen aus diesem Grund, das Rad immer an einem festen Gegenstand anzuschließen. „Die Codierung hilft allerdings, gestohlene Räder ihren Besitzern zuzuordnen und gegebenenfalls zurückzugeben“, sagt Melitta Cencarka.

Die Wittenberger Polizisten wissen sehr gut wovon sie reden, wechseln doch in der Elbestadt jede Woche zahlreiche Drahtesel auf kriminelle Weise den Besitzer. Die Aufklärungsquote indes ist schlecht. „Im ersten Halbjahr 2014 wurden in der Prignitz 155 Fahrraddiebstähle angezeigt, davon 88 in Wittenberge“, sagt Toralf Reinhardt, Pressesprecher der Polizeidirektion Nord. Aufgeklärt wurden davon gut 13 Prozent, in den beiden Vorjahren lag sie bei knapp 9 bzw. 7 Prozent. Dennoch würde er Wittenberge nicht Schwerpunkt bezeichnen. „Wittenberge ist eine Stadt mit vielen Fahrrädern, da ist meist auch das Straftatenaufkommen entsprechend hoch.“ Im Landkreis Oberhavel wurden im gleichen Zeitraum 491 Räder geklaut, in Ostprignitz-Ruppin 141.

Toralf Reinhardt will den psychischen Effekt der Codierung indes nicht unterschätzt wissen. „Das Entdeckungsrisiko ist bei einer Kontrolle deutlich größer, und das wissen auch die Diebe.“ Auch die Nachfrage nach Codieraktionen sei ungebrochen hoch, und entsprechende Angebote würden von den Bürgern genutzt.

Das Gerät wird künftig beim Sachgebiet Prävention der Polizeiinspektion Prignitz im Einsatz sein. „Die Kollegen wollen mit den Kommunen und Gemeinden auch Termine jenseits der Städte vereinbaren, um Bürgern den Codierservice vor Ort anbieten zu können“, sagt Melitta Cencarka.

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