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Der Prignitzer

24. September 2017 | 01:38 Uhr

Jubiläum : Zeitreise durch Lenzens Schulleben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor 475 Jahren fing alles an: Erst- bis Sechstklässler der Gijsels van Lier-Grundschule führten Theaterstück auf.

von
erstellt am 02.Jul.2017 | 21:00 Uhr

475 Jahre Schule in Lenzen – ein „beeindruckendes Ereignis“, wie es Schulleiterin Sabine Döpel formuliert, das gefeiert werden muss. Und zwar auf eine besondere Art. Die Mädchen und Jungen der Gijsels van Lier-Grundschule nehmen die zahlreichen Gäste am frühen Freitagabend in der Mehrzweckhalle mit auf eine Zeitreise durch Lenzens Schulleben, die sie innerhalb ihrer diesjährigen Projektwoche zusammengestellt haben.

Mit ihrem Theaterstück entführen die Schüler das begeisterte Publikum in prägende Epochen. Nachweislich gab es den ersten Lehrer in Lenzen 1542, sein Name taucht allerdings bei der Recherche nirgendwo auf. Ein strenger Pädagoge, gespielt von Marten Eggert, der bei Ungehorsam auch mal zum Rohrstock greift, als Lehrer aber auch reihum in den Familien sein Essen bekommt. „Ich bin kurzfristig eingesprungen und war ein bisschen aufgeregt. Man kann sich schon in die Zeit versetzen“, meint der Elfjährige.

Natürlich erfahren nicht alle Kinder vor Hunderten von Jahren das Privileg zur Schule gehen zu dürfen. Bis 1651 – als Gijsels van Lier als Geheimer Rat das Amt Lenzen in Erbpacht zuerkannt bekommt. Lena Westphal schlüpft in seine Rolle und verliest den Erlass, dass aus jeder Familie ein Kind zur Schule muss und das auch aus den umliegenden Dörfern. Er hat sozusagen den Lenzenern die Leviten gelesen. Die Zeitreise geht weiter in die DDR-Epoche, da haben die Kinder oftmals die Lacher auf ihrer Seite, erinnern sich doch viele im Publikum an ihre eigene Schulzeit. Mit der Wende zieht ein anderes System ein. Und was in der heutigen Zeit die Kinder sprachlich drauf haben wie „krass“ und „cool“, „hast du auch Stress mit deinen Eltern?“ geben sie natürlich auch zum Besten. Und der Lehrer fordert sie auf: „Startet den Internet-Browser Firefox“. Als Übergang zu den Epochen zeigen die Erst- und Zweitklässler Spiele aus den jeweiligen Zeiten, wie Steckenpferderennen, Himmel und Hölle oder Gummitwist. Und zu guter Letzt stellen sie ihre Visionen vor, in 50 Jahren gehen die Kinder nicht mehr zur Schule, es wird nur noch von zu Hause aus gelernt. Eine rundum gelungene Zeitreise für dieses besondere Jubiläum, die damit endet: „Wir sind froh, dass wir endlich wieder zurück sind und heute in die Schule gehen und nicht vor hunderten von Jahren.“ Und heute: Seit zehn Jahren eine verlässliche Halbtagsschule bietet die Einrichtung ihren derzeit 90 Schülern eine Menge. Insgesamt stehen 22 Arbeitsgemeinschaften zur Auswahl. Die Kooperationspartner kommen zumeist von außerhalb der Schule. Seien es Sportvereine, Musikschulen, Feuerwehr, Naturwacht, Burg Lenzen, Betriebe und Private – sie stellen für die Kinder eine Vielfalt auf die Beine und der Dank galt besonders ihnen.

„Ein Geburtstagsgeschenk machten wir uns Anfang März selbst. Da hatten wir eine Schulvisitation, beauftragt durch das Bildungsministerium. 40 Qualitätsmerkmale sind zu erfüllen“, erklärte die Schulleiterin und nicht nur mit Freude, verständlicherweise auch stolz, verkündete sie: „Wir wurden als gute Schule eingestuft, erhielten den höchstmöglichen Abschluss.“ Es zeige, dass nicht nur die Fassade hervorragend gemacht wurde, sondern dass auch das Innenleben stimme. „Vor einer Woche kam die Bewertung. Insgeheim hatte ich mir so einen Abschluss gewünscht. Es macht einen stolz, wenn die Visitatoren u. a. eine nachvollziehbare natürliche Zufriedenheit bescheinigen“, sagt eine immer noch sichtlich bewegte Sabine Döpel. Mit dem höchsten Abschluss steht die nächste Schulvisitation erst in zehn Jahren wieder an. Doch die Schulleiterin weiß, nachlassen gibt es nicht und „dass man auch immer weiter noch etwas verbessern kann und muss“.

 

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