Pritzwalk : Zahnradwerk hat neue Eigentümer

Symbolträchtig: Die Akteure der Übergabe an einem Zahnrad, mit dabei Wirtschaftsminister Albrecht Gerber.
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Symbolträchtig: Die Akteure der Übergabe an einem Zahnrad, mit dabei Wirtschaftsminister Albrecht Gerber.

Übergabe an die Andreas & Peiffer Gruppe: Neustart für 170 Mitarbeiter im Traditionsunternehmen

svz.de von
03. April 2017, 15:52 Uhr

Gestern begann ein neues Kapitel für das Pritzwalker Zahnradwerkes. Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff übergab das Unternehmen an die neuen Eigentümer, die Andreas & Peiffer Gruppe sowie die Firma Stelter als Mitgesellschafter. Künftig wird das Zahnradwerk unter ZWP Zahnradwerk Pritzwalk GmbH auf dem Markt firmieren und agieren. Die Andreas & Peiffer Gruppe führt bereits ähnliche Unternehmen mit einem Jahresumsatz von etwa 120 Millionen Euro und 750 Mitarbeitern.

In Pritzwalk sind zur Zeit noch etwa 170 Mitarbeiter beschäftigt, 70 haben das Unternehmen im Zuge der Insolvenz verlassen, 56 davon in eine Transfergesellschaft, die anderen haben sich in den Ruhestand begeben. Insolvenzverwalter Brockdorff lobte die gute Zusammenarbeit mit der Familie van de Loo, dem Betriebsrat, dem Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg sowie mit Banken und Gläubigern. Die Transfergesellschaft so schnell auf die Beine zu stellen und einen neuen Eigentümer zu finden, zeugt von dem Willen der Mannschaft, das Zahnradwerk zu erhalten“, so Brockdorff.

Vor 23 Jahren, am 1. September 1993 hatte Heiner van de Loo als geschäftsführender Inhaber das Zahnradwerk mit damals 123 Mitarbeitern übernommen. Jetzt im Zuge der Insolvenz war er vielfach eingebunden. Ihm sei vor allem der Erhalt des Unternehmens und eine Perspektive für die Mitarbeiter wichtig gewesen, so van de Loo, der sich gestern von seinen Mitarbeitern, von Pritzwalk, der Prignitz und Brandenburg verabschiedete. Er wird die Region Richtung Münster verlassen.

Betriebsrat Rüdiger Jach erinnerte sich, dass das Zahnradwerk 1961 in der Tuchfabrik als Kupplungswerk seinen Betrieb auf nahmen, 1969 das jetzige Werk errichtet wurde und dort bis zur Wende etwa 1400 Mitarbeiter tätig waren.

„Als Heiner van de Loo das Werk übernahm, ging es nur noch aufwärts.“ Das Werk hatte damals 123 Beschäftigte. „Wir waren bald bei 300 und 400 Mitarbeitern. Mit der Wirtschaftskrise 2008 verloren wir Aufträge, Umsätze und Mitarbeiter und haben uns von dieser Krise nie wirklich wieder zu alter Stärke erholt.“

Nun beginne ein neues Kapitel des Zahnradwerkes. Der Betriebsrat versicherte, die neue Geschäftsführung könne sich auf eine gut ausgebildete und motivierte Mannschaft verlassen, „darf aber auch bei allen Entscheidungen nicht vergessen, dass noch 170 Leute auf der Ladefläche mitfahren“.

Möglich wurde die Übernahme des Zahnradwerkes durch den Einsatz der regionalen Wirtschaftsfördergesellschaft, durch die Unterstützung der Investitions- und Landesbank Brandenburg, der Bürgschaftsbank und der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz sowie einer Finanzspritze aus dem Potsdamer Wirtschaftsministerium in Höhe von 3,3 Millionen Euro.

„Es war uns ganz besonders wichtig, die Industriearbeitsplätze hier in Pritzwalk zu sichern. Denn es geht um Menschen, um Heimat und eine Zukunft für das Traditionsunternehmen, auch wenn es nicht im Speckgürtel von Berlin liegt“, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber.

In kleineren Runde nach der Übergabe sagt Tom Peiffer, einer der neuen Geschäftsführer, dass man am Portfolio des Unternehmens nicht viel ändern werde. Arbeitsabläufe müssten optimiert, Fertigungszeiten verringert und flexibler werden und mehr Automatisierung Einzug halten. „Das muss nicht zu Lasten der Mitarbeiter gehen, aber wir müssen uns zukünftig mit einer industriellen Fertigung gegen die Mitbewerber aus China behaupten und das geht nur mit Flexibilität, kurzen Lieferzeiten, bester Qualität und fairen Preisen.“
 


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