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Der Prignitzer

17. Oktober 2017 | 19:06 Uhr

Betriebssport : Yoga in der Mittagspause

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor allem größere Unternehmen entwickeln betriebliche Gesundheitskonzepte für ihre Mitarbeiter

Eine wachsende Zahl Arbeitgeber in Brandenburg setzt auf Betriebssport und Gesundheitsangebote für ihre Beschäftigten. Damit wollen sie für diese attraktiver werden. Zudem sollen krankheitsbedingte Ausfälle vermieden werden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „Wir nehmen regelmäßig auch selbst mit Teams an Sportereignissen teil“, sagt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, Detlef Gottschling.

Die Kammer empfehle den fast 76 000 Mitgliedsbetrieben, aktiv zu sein. „In Zeiten unbesetzter Ausbildungsplätze und knapper werdender Fachkräfte ist neben dem Gesundheitsaspekt der Werbeeffekt enorm“, stellt Gottschling fest. Gesundheitsfördernde Maßnahmen seien wichtige Bausteine der Unternehmensführung.

Besonders größere Unternehmen ergreifen laut IHK angesichts zunehmender Probleme nach und nach die Initiative. Bereits ein Drittel der deutschen Firmen habe ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) integriert, Tendenz steigend.

Betriebssport sei aber nur ein Aspekt gesundheitsfördernder Maßnahmen. „Einige große Unternehmen wie Rolls-Royce in Dahlewitz haben ein umfangreiches Leistungspaket für ihre Mitarbeiter erstellt“, berichtet Gottschling. Kleine und mittelständische Firmen hätten dagegen oft nicht die Kapazität, sich damit zu beschäftigen.

Inzwischen sehen immer mehr Betriebe und regionale Anbieter der Gesundheitsbranche betriebliches Gesundheitsmanagement als Chance. Noch zu selten nutzen Arbeitgeber Gottschling zufolge den Steuerfreibetrag von jährlich 500 Euro pro Mitarbeiter dafür. Mit dem Präventionsgesetz werden sich ab 2016 die Leistungen der Krankenkassen zur Prävention und Gesundheitsförderung um mehr als das Doppelte erhöhen.

Auch einigen Kommunen und Kreisen liegt die Gesundheit der Mitarbeiter am Herzen. So bieten die Stadt Potsdam und der Landkreis Potsdam-Mittelmark einmal im Jahr einen „Gesundheitstag“. „Der findet meist an einem Mittwoch statt, wenn die Sprechzeiten sowieso verkürzt sind“, erzählt Kreissprecherin Andrea Metzler. Von den rund 1100 Mitarbeitern nähmen jährlich mehr als die Hälfte daran teil. Seit zehn Jahren gehe es auf einen Wanderausflug, in die Therme Bad Belzig oder zu einer Gesundheitsberatung.

Die Kosten dafür übernehme der Kreis ebenso wie für Angebote zwischendurch. „Aktuell gibt es einen Yoga-Kurs in Teltow“, sagt Metzler. Kurse fänden zum Teil während der Arbeitszeit statt und würden angerechnet.

Auch die Handwerkskammer Potsdam bietet Lehrlingen einen Gesundheitstag an. „Es gibt mehrere Termine“, sagt eine Sprecherin. Auch die Unternehmerfrauen würden angesprochen. Beim letzten Gesundheitstag im September ging es zum Yoga nach Caputh.

Früher war Arbeitersport fester Bestandteil der Gewerkschaftsarbeit. Heute sei Betriebssport fast gänzlich aus dem Blickfeld verschwunden, beklagt der Brandenburger Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Der kollektive Sport mit Kollegen am Arbeitsplatz oder auch nach Feierabend hat nach seiner Einschätzung in der Gewerkschaftsarbeit dramatisch an Bedeutung verloren. „Ebenso wie betriebliche Ferienheime, Musikgruppen und Kulturveranstaltungen ist er dem Zeitgeist und Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen“, sagt Splanemann. Arbeitnehmer kümmerten sich mittlerweile selbst um ihre Gesundheit und nähmen entsprechende Angebote in Anspruch.

Einige große Betriebssportvereine gibt es aber noch im Land, doch die Mitglieder sind nicht nur Angestellte der Firma. So hat der BSG Pneumant Fürstenwalde fast 2800 Mitglieder, die Belegschaft des in der Stadt ansässigen Reifenwerkes ist jaber nur etwa ein Drittel so groß.

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