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Tierheim : „Yalla ist für uns ein Glücksfall“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Junges Paar aus Berlin holte sich Boxer-Mischling aus Groß Lüben ab. Tierheim SOS Hundehilfe Prignitz e. V. lud zum Tag der offenen Tür

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erstellt am 11.Apr.2016 | 12:00 Uhr

„Ich habe sofort gemerkt, da ist eine Bindung da. Sie hat mich angeguckt und Yalla hat auf mich einen super Eindruck gemacht“, erzählt Stephan Einwang aus Berlin. Am Sonnabend kamen er und seine Freundin Denise Gartner mit ihrem Boxer-Mischling Yalla nach Groß Lüben zum Tag der offenen Tür des Tierheims SOS Hundehilfe Prignitz e. V., an dem ein Kommen und Gehen auf dem Gelände herrschte. Und genau aus diesem Tierheim holten die beiden die zweieinhalbjährige Yalla am 2. Januar dieses Jahres ab und gaben ihr ein neues Zuhause.

„Ich habe sie erstmals im November gesehen. Da habe ich durch eine Freundin erfahren, dass der Verein hier einen Zaun bauen will. Da habe ich mitgeholfen. Von Yalla habe ich Fotos gemacht, zu Hause meiner Freundin gezeigt, wir sind nochmals hier hergefahren und haben sie uns dann am 2. Januar geholt. Wir wollten sie nicht schon über Silvester in Berlin haben, wegen der großen Knallerei“, sagt Stephan Einwang und erzählt: „Sie hat sich ganz schnell eingelebt. Als wir das erste Mal mit ihr nach Hause kamen, lief sie durch die Wohnung, hat einmal gekotzt – wegen des Stresses. Dann war aber gut und sie hat sich gleich in ihr Körbchen gelegt.“ Er und seine Freundin Denise sind mit Hunden aufgewachsen. Ihr Hund musste leider eingeschläfert werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell wieder einen bekomme“, sagt die junge Frau.

Yalla sei unkompliziert, sehr aktiv und noch verspielt – das zeigt sie auch am Sonnabend, kennt sie dort doch alles. Schließlich war das Tierheim ein Jahr lang ihr Zuhause. Zuvor gehörte sie Theaterleuten, die mit ihr in Spanien, Frankreich und Berlin waren. Doch das funktionierte nicht mehr und die quirlige Hundedame zog in Groß Lüben ein. „Yalla ist für uns ein Glücksfall“, sagen die beiden. Aber genauso sind die beiden für den Vierbeiner ein Glücksfall.

Doch nicht alle Hunde aus dem Tierheim Groß Lüben treffen dieses Glück. Da gibt es auch das Schicksal von Alfi. Die englische Bulldogge war mal gerade ein paar Wochen bei ihren neuen Eigentümern und schon – als bei dem Tier die Krankheit Morbus cushing (Hormonkrankheit, Symptome: viel Durst, häufiger Wasser lassen, kahle Stellen im Fell) festgestellt wurde und Alfi bis an sein Lebensende Medikamente nehmen muss – die Versorgung kostet rund 100 Euro im Monat – war es den Eigentümern zu viel. Und so lebt Alfi seit einem Monat wieder in Groß Lüben. „Wir haben ihn erst einmal aufgepäppelt. Er war so schwach, konnte kaum stehen“, berichtet Cornelia Grothe, die 1. Vorsitzende des Hundehilfevereins. Die Kosten trägt nun der Verein, der sich aus Spenden finanziert. Aber auch aus Patenschaften. „Es gibt ja Leute, die sich in ihrer Wohnung keinen Hund halten können, aber eine Patenschaft übernehmen“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Yalla und Alfi sind zwei Beispiele. Es gäbe noch so viele in Groß Lüben. „Wir haben so um die 80 Hunde derzeit. Sie verbleiben meist ein bis zwei Monate bei uns“, so Cornelia Grothe.

Die Tiere kommen vornehmlich aus der Prignitz, aber auch über die Grenzen hinweg, sogar aus dem Ausland. Und alles geht bei SOS Hundehilfe Prignitz e. V., der 1996 mit einer Auffangstation anfing und derzeit rund 30 Mitglieder zählt, auf Basis des Ehrenamts.

Vier betreuen die Tiere täglich, die anderen je nach eigenen zeitlichen Möglichkeiten. Jeder Pfleger hat zwei bis drei Angsthunde. „Sie wurden misshandelt und müssen erst wieder Vertrauen sammeln“, erklärt Cornelia Grothe, die mit ihren Mitstreitern „viele verhaltensgestörte Hunde oder mit Bissverhalten aufnehmen. Solche, mit denen andere Tierschutzorganisationen nicht mehr klar kommen und sie einschläfern würden.“

Aber das geht aus ihrer Sicht gar nicht. „Es muss ja für so ein Verhalten eines Tieres einen Grund geben. Mit viel Arbeit und Geduld bekommt man das schon wieder hin“, betont die 1. Vorsitzende, die in ihrer 20-jährigen Arbeit mit Tieren ihre Erfahrungen gemacht hat.

Und sie würde sich über weitere Ehrenamtler freuen, die mit dem ein oder anderen Hund spazieren gehen. Cornelia Grothe weiß aber auch, „dass nicht jeder dafür geeignet ist. Man darf keine Angst und muss ein Herz dafür haben.“ Genauso wie die künftigen Halter. Ohne Selbstauskunft und gegebenenfalls Vermieterbescheinigung geht kein Vierbeiner weg. Es müsse ja passen. So wie bei Stephan Einwang, Denise Gartner und Yalla.  

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