zur Navigation springen

Sturm verursacht schwere Schäden : „Xavier“ wütet über der Prignitz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Reihenweise stürzen die Bäume um / Zahlreiche Straßen sind stundenlang blockiert / Dächer in Wittenberge und Pritzwalk abgedeckt

von
erstellt am 05.Okt.2017 | 21:00 Uhr

In Wittenberge müssen der Friedhof, der Stadtpark und der Clara-Zetkin-Park gesperrt werden. Lebensgefahr! Die Orkanböen, die am Nachmittag über die Prignitz toben, haben Jahrzehnte alte Bäume entwurzelt. Eine Robinie stürzt auf Gehweg und Fahrbahn in der Perleberger Straße, begräbt einen Pkw unter sich. Die Fahrerin habe riesiges Glück gehabt, sagen die Feuerwehrleute, die den Baum von der Straße räumen. Im Gehrenweg ist ein mächtiger Ahornbaum quer über die Fahrbahn gestürzt. Tino Winterfeld und Kevin Bechmann, die als Kaninchenzüchter gerade auf dem Weg zu ihrer Anlage sind, holen kurz entschlossen ihre Motorsäge aus dem Auto, räumen die Straße. „Die Jungs von der Feuerwehr haben sowieso schon so viel zu tun.“ Bis zum frühen Abend müssen die Wittenberger Feuerwehrleute über 50 Mal ausrücken, um Straßen zu räumen, so auf der B 189 zwischen den Abfahrten Kaufland und WEZ. Auch der Stadtbetriebshof ist mit Teams unterwegs, räumt Straßen und Wege. Der Friedhof soll heute auf jeden Fall noch gesperrt bleiben. Großen Schaden richtet ein Baum in Bentwisch an. Er stürzt auf ein Haus.

Sorgen hat auch der Verein Historischer Lokschuppen. Der Sturm hat einen Teil der Dacheindeckung vom Denkmallokschuppen weggerissen. Sie landet auf den Gleisen.


Tierpark gesperrt


Eine Spur der Verwüstung auch in Perleberg. In der Wilsnacker Straße werden mehrere Bäume entwurzelt, stürzen in Vorgärten und streifen zum Teil dabei auch die Häuser. Die Nachricht von einer vermissten Person bestätigt sich glücklicher Weise nicht. In der Bergstraße ein ähnliches Bild. Johannes Radtke kann es selbst nicht fassen. Der Azubi kommt von der Arbeit in Wittenberge und will nach Hause. In der Ritterstraße vernimmt er nur noch ein bedrohliches Knarren und findet sich dann mit seinem Motorrad mitten im Geäst eines Baumes wieder. Dieser ist auf einen Pkw gestürzt und hat den Leuchtkopf einer gegenüber stehenden Laterne mitgerissen. Im Fahrzeug sitzt Angela Jaap mit ihren beiden Töchtern. Die Windschutzscheibe berstet. Die Drei wie auch Johannes haben Glück. Der junge Mann kommt mit dem Schrecken davon, ein Mädchen erleidet leichte Schnittverletzungen. „Sie hatten alle einen großen Schutzengel“, so die Mutti von Johannes. „Mein Sohn hat allen Grund, heute nochmals Geburtstag zu feiern.“

Welche Kraft der Sturm entwickelt, zeigt der Stadtpark. Riesige alte Bäume werden umgerissen, im Tierpark mögen es über 40 sein, schätzt Tierparkleiter Michael Niesler. Vor allem die Umzäunungen der Gehege von Muffel- und Damwild, Steinböcken und Schafen werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Windbruch auch in der Wolfsanlage. „Den Schaden konnten wir schnell beheben, so dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestand“, ergänzt der Tierparkleiter. Tiere kommen zum Glück nicht zu Schaden, doch der Tierpark bleibt auf jeden Fall heute geschlossen.

30 Einsätze hat Perlebergs Feuerwehr gegen 17 Uhr noch abzuarbeiten, „es werden aber sicher noch mehr“, so Beate Mundt, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.


B5 blockiert


Überall im Karstädter Gemeindegebiet haben die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren mit vielen umgestürzten Bäumen zu kämpfen. „Wir wurden nach Pinnow, Pröttlin gerufen, aber so weit sind wir gar nicht gekommen. Auf der B5 zwischen Garlin und Groß Warnow lagen überall Bäume“, berichtet Karstädts stellvertretender Ortswehrführer Norman Mundt. Er und seine Kameraden haben in diesem Bereich stundenlang mit der Beseitigung zu tun. Karstädts Gemeindebrandmeister Maik Hortig berichtet per Handy, dass im Bereich Nebelin, Seetz, Sargeleben viele umgestürzte Bäume weggeräumt werden müssen. „Es konnte keine Alarmierung über die Sirenen erfolgen, da wir auch Stromausfall hatten“, so Hortig.

Durch Sturm „Xavier“ kommt es zu Versorgungsunterbrechungen im Großteil des Netzgebietes der Wemag. Wie das Unternehmen mitteilt, sind etwa 35 000 Kunden vom Stromausfall betroffen. Auf Grund der Vielzahl an Störungen können am späten Nachmittag keine Orte mitgeteilt werden. Die Störungen erstrecken sich über die Bereiche Westmecklenburg, Prignitz und Amt Neuhaus.


Schuldach abgedeckt


In Putlitz ist die freiwillige Feuerwehr mit allen verfügbaren Kräften vor allem im Stadtgebiet im Einsatz. Dort hat der Sturm ein Hausdach abgedeckt. Die Kameraden beräumen die Straße und sichern das Areal. Mehrere Straßen müssen von umgestürzten Bäumen beräumt werden. Dabei hat es nach ersten Angaben nur Sach- aber keine Personenschäden gegeben. Die Arbeiten würden aber noch einige Stunden andauern, sagte Stadtwehrführer Maik Vogt.

In Pritzwalk wird das halbe Dach der Jahn-Grundschule abgedeckt. „Das Gebäude ist gesichert, aber der Unterricht wird morgen nicht möglich sein“, sagt Stadtwehrführer Adrian Zechser. Die B189 und B103 sowie die Bahnverbindung nach Güstrow sind zeitweise gesperrt.

In Cumlosen fällt laut Feuerwehr der Strom aus, in Lenzen die Wasserversorgung. Viele gesperrte Straßen gibt es in der Lenzener Wische.

„Zwischen Sigrön und Grube haben umgestürzte Bäume einen Reisebus eingeklemmt“, sagt Gerald Neu, Ordnungsamtsleiter des Amtes Bad Wilsnack/Weisen. Mehrere Feuerwehren sind im Einsatz. „Eine solche Situation hatten wir in den vergangenen 25 Jahren nicht“. konstatiert Neu. Auch der Leiter des Prignitzer Katastrophenschutzes, Erich Schlotthauer, sitzt auf einem blockierten Abschnitt der B 5 fest.

 
 
 
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen