zur Navigation springen

Kinderbetreuung : Wunschkitaplatz oft unerreichbar

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Landkreis geht von mehr als 900 freien Plätzen in Prignitzer Einrichtungen aus – die Realität sieht jedoch häufig anders aus

von
erstellt am 13.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Ende 2013 machte die Kita in Hoppenrade dicht. Auf der Suche nach einer alternativen Betreuungseinrichtung erfuhren Eltern zu ihrer Überraschung: Rund um Hoppenrade sind freie Kitaplätze rar. So melden die Kitas in Kehrberg und Kunow volle Auslastung und weitere Anmeldungen. In Glöwen stehen nur noch wenige Plätze zur Verfügung und in Kleinow schaffte erst ein Anbau und eine vor kurzem genehmigte Kapazitätserweiterung freie Plätze. Grund genug für uns einmal nachzufragen, wie es um die Kinderbetreuung in unserem Landkreis bestellt ist, nachdem in den letzten Jahren immer mehr Einrichtungen schließen mussten. Laut Kreisverwaltung liegt die Zahl der freien Plätze prignitzweit bei über 900. Die tatsächliche Zahl liegt jedoch weit darunter, wie unsere Recherche ergibt.

„Wir müssen uns schon ernste Gedanken machen, wie wir den jetzt geltenden Rechtsanspruch erfüllen können“, sagt Gumtows Hauptamtsleiter Detlef Störing. „Wir haben fünf Kitas und nur in Demerthin gibt es noch freie Plätze. Kunow, Vehlow, Gumtow und Dannenwalde sind voll belegt, bzw. werden in den nächsten Monaten voll ausgelastet sein“, sagt Störing.

Ähnlich sieht die Situation in der Gemeinde Groß Pankow aus. Die Kitas in Kehrberg und Groß Pankow sind ausgelastet, lediglich in Wolfshagen stehen noch freie Plätze zur Verfügung. In der Gemeinde Plattenburg stehen die Kitas Glöwen und Kleinow kurz vor der Kapazitätsgrenze. In Putlitz meldet die private Kita „Gänseburg“ von Ines Müller mit 110 betreuten Kindern Vollauslastung. „Allerdings“, so Ines Müller, „könnten wir noch Kinder aufnehmen, wenn es notwendig werden sollte. Dazu müssten wir aber innerhalb der Kita umstrukturieren“. Auch die zwei weiteren Kitas in Putlitz und Triglitz melden Vollauslastung. Lediglich in den kommunalen Kitas in Berge und Pirow gibt es noch freie Plätze.

Auch in Pritzwalk sind die städtischen Kitas sehr gut ausgelastet. „Wir können aber garantieren, dass jedes Kind einen Platz bekommt“, erklärt Gudrun Przybilla, Fachgebietsleiterin der Stadtverwaltung Pritzwalk. Allerdings sei das nicht immer in der von den Eltern gewünschten Einrichtung möglich. Ausreichend freie Plätze stünden hingegen in den Pritzwalker Ortsteilen wie Kemnitz oder Sadenbeck zur Verfügung.

Mit dem Rechtsanspruch zur Betreuung der unter Dreijährigen seit August 2013 habe diese Entwicklung übrigens nichts zu tun, so die Verantwortlichen in den kommunalen Verwaltungen. Denn auch vor der Reform wurden Kinder nach Vollendung des ersten Lebensjahres in den Kitas aufgenommen.

Offenbar bekommen die Prignitzer wieder mehr Kinder. Diese Entwicklung, so Danuta Schönhardt, Leiterin des Geschäftsbereiches Jugend und Bildung, werde noch zwei bis drei Jahre anhalten. „Dann wird es einen massiven Einbruch bei den Geburten geben“, sagt sie. „Wir hatten mit Einführung des Rechtsanspruches für die Betreuung der unter Dreijährigen vor allem in Perleberg ein wenig Probleme, konnten aber auch diese lösen.

Nach der aktuellen Statistik des Landkreises stehen immer noch mehr als 900 freie Plätze zur Verfügung. „Allerdings hat diese Statistik eine gewisse Fehlerquote“, so Danuta Schönhardt. „Das größte Problem bei der Erhebung der Kapazität und der Auslastung ist das Personal. Wir machen die Kapazität an den zulässigen Plätzen für die Betreuung fest. Die Kommunen aber schreiben diese Kapazität durch den Betreuungsschlüssel fest. Das heißt: Es fehlen im Grunde keine Kitaplätze, sondern in den meisten Fällen das Personal.“

Sehr deutlich wird dieser Unterschied etwa in der Kita „Tausendfüßler“ in Pritzwalk. Während beim Landkreis Prignitz eine Kapazität von 284 Plätzen angegeben wird, geht die Stadtverwaltung selbst nur von 190 Plätzen aus, die zur Verfügung stehen. Allein durch diese eine Kita verringert sich die Zahl der feien Kitaplätze im Landkreis um 94. Viele Kitas platzen zurzeit förmlich aus allen Nähten. So gibt es etwa in der evangelischen Kita in Bad Wilsnack oder in der Kita „Märchenland“ in Wittenberge lange Wartelisten und so manche Eltern machen sich bereits vor der Geburt ihres Kindes auf die Suche nach einem Kitaplatz.

Nimmt man einmal die Karte des Landkreises Prignitz und markiert die Kita-Standorte, zeigt sich eine Konzentration der Einrichtungen in den Städten Pritzwalk, Perleberg und Wittenberge. Es zeigt sich aber auch, dass die ländlichen Einrichtungen oft sehr weit auseinander liegen und Eltern dort häufig nicht auf eine wohnortnahe Betreuung hoffen können.

Nach den Zahlen des Landkreises werden aktuell 4243 Kinder in kommunalen, privaten und freien Kitas und Horte betreut. Nach unserer Nachfrage bei den Kommunen und in den Einrichtungen selbst muss diese Zahl deutlich nach oben korrigiert werden.

Der Landkreis übernimmt etwa 80 Prozent der Personalkosten für die Betreuung in den Kitas und erhebt aus diesem Grund regelmäßig die Zahl der betreuten Kinder. Aber genau dieser Lohnkostenzuschuss ist es, der den Kommunen im Nacken sitzt. Denn die meisten würden gern mehr Personal einstellen, um ihre Kapazitäten zu erweitern, sind dazu aber nicht in der Lage. Aus diesem Grund wurde in vielen Kommunen angemahnt, den Lohnkostenzuschuss durch den Landkreis an die Kommunen bzw. durch das Land Brandenburg deutlich zu erhöhen. Denn dann könnten Kapazitäten erweitert und der Betreuungsschlüssel gesenkt werden.

Denn der Beruf der Erzieherin in einer Kita ist kein leichter Job, zumal immer mehr verhaltsauffällige Kinder hinzukommen. Diese müssten eigentlich intensiver betreut werden, was durch den Personalschlüssel aber oft nicht möglich ist, wie eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen beklagt. Nach der Statistik gibt es zwar genügend freie Kitaplätze im Landkreis Prignitz, doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass diese räumlich oft sehr unterschiedlich verteilt sind und für Eltern der Wunschkitaplatz für ihren Sprössling häufig auch nur ein Wunsch bleibt.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen