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Biodiesel Falkenhagen : Wunsch nach Sicherheit

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kraftstoffhersteller gbf GmbH fordert verbindliche Entscheidungen zur Zukunft des Treibstoffs

Eigentlich hat Jörg Jacob, Geschäftsführer der gbf GmbH im Falkenhagener Gewerbegebiet keinen Grund zur Klage: Das Jahr 2013 lief prächtig für den Biodieselhersteller, die Auslastung des Werkes lag bei 100 Prozent, selbst an den Feiertagen wurde produziert. Zwei neue Mitarbeiter wurden im vergangenen Jahr eingestellt und jetzt, im Januar, ist schon gut die Hälfte der Jahresproduktion verkauft. Alles wäre gut, wenn es da nicht zwei Probleme gäbe: Das erste könne die gbf GmbH selbst lösen und steht damit nicht allein da. Es gibt zu wenige oder kaum geeignete Azubis für die Lehrstellen im Unternehmen. Chemielaboranten, Mechatroniker, Industriekaufleute und Produktionsfachkräfte für die chemische Industrie werden in Falkenhagen ausgebildet und dringend gesucht. „Es geht dabei natürlich um unsere Zukunft und wir bieten unseren Azubis immer an, nach der Ausbildung hier im Unternehmen zu bleiben“, so Jacob. Leider verlassen die richtig guten Leute das Unternehmen oft, um sich weiterzuqualifizieren und zu studieren. Aber dies sei eine lösbare Aufgabe.

Schwerer wird es da mit dem zweiten Brocken, der vor dem Tor in die Zukunft des Unternehmens liegt: Das ist die Entscheidung über die künftige Energiepolitik und die Herstellung von Treib- und Energiestoffen aus Nahrungsmitteln. „Das ist ein großes Problem. Viele Organisationen haben vor Jahren gefordert, auf nachwachsende Rohstoffe für Treibstoffe umzuschwenken. Jetzt haben sie sich um 180 Grad gedreht und machen eine ’Tank und Tellerdiskussion’ auf“, sagt Jörg Jacob. In Brüssel bei der EU wie auch bei der Uno fordern Organisationen wie „Brot für die Welt“ oder der WWF, dass aus Nahrungsmitteln kein Treibstoff mehr hergestellt werden darf. Was für Länder auf dem amerikanischen Kontinent sicher zutreffend wäre, hätte hier in Deutschland fatale Folgen: „Stellen sie sich vor, alle Flächen, auf denen heute Raps angebaut wird für die Biodieselproduktion, produzieren künftig Weizen. Der Weltmarkt würde überquellen, der Preis ins Bodenlose sinken und die Bauern in Afrika wären arbeitslos, weil sie so billig wie wir niemals produzieren können“, sagt Jacob. Für das Unternehmen in Falkenhagen bedeutet diese Diskussion auch auf Bundesebene aber ganz konkret, dass Vorhaben, das Werk auszubauen und weiter zu investieren, nicht umgesetzt werden können. „Sie finden im Moment keine Bank, die in unserer Branche ein langfristiges Engagement eingeht. Wir brauchen Planungssicherheit für mindestens zehn Jahre und keinen politischen Zickzack-Kurs“, fordert Jacob.

Ob und wann es wirklich verbindliche Entscheidungen zum Biodiesel in Deutschland oder in Brüssel gibt, kann indes niemand sagen. Deutlich wird daran aber, welche konkreten Folgen Entscheidungen haben, die gefühlt ganz weit weg getroffen werden. „Wir sind im Moment gesund, arbeiten Volllast und stellen neue Leute ein. Unsere Sorge gilt aber der Zukunft und der perspektivischen Entwicklung“, verdeutlicht Jacob.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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