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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 22:06 Uhr

Jungstörche : Wundertüte Jungstorchbestand

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie viele kleine Adebare es gibt, steht erst nach der Beringung fest. Expertenmeinungen gehen etwas auseinander

von
erstellt am 16.Jun.2017 | 21:00 Uhr

In Adebars Kinderstuben sieht es in diesem Jahr nicht schlecht aus. „Ich bin vorsichtig optimistisch. Das Level vom vergangenen Jahr können wir wohl halten und vielleicht wird es sogar etwas besser“, resümiert Nadine Bauer, Leiterin des Nabu-Besucherzentrums in Rühstädt. Wie es genau um die Jungen bestellt ist, sei aber erst nach der Beringung klar. Diese soll am 23. Juni in Kletzke beginnen und dann über das Wochenende laufen. Dann werfen die Ehrenamtler einen Blick in jeden Horst und sehen, wie viele Jungstörche stark genug sind zu überleben.

Im europäischen Storchendorf sind derzeit 32 Horste besetzt. „Aber in wie vielen es Junge gibt können wir nicht sagen. Hier am Besucherzentrum können wir die Situation besser einschätzen, da wir eine Kamera installiert haben.“ Ergebnis: Alle drei Jungen sind in einem guten Zustand, ein auf den ersten Blick schwaches Tier sei nicht dabei. „Vergangenes Jahr um diese Zeit haben die Störche die zu schwachen Kleinen aus den Horsten geworfen. Das ist bisher noch nicht passiert“, hofft Nadine Bauer ein Anzeichen entdeckt zu haben, dass es mehr wohlgenährte Junge gibt.

Insgesamt hätten sich in diesem Jahr mehr West- als Ostzieher in Rühstädt eingefunden, sowohl am Besucherzentrum als auch auf dem Wasserturm. Die meisten Jungen sind jetzt um die fünf Wochen alt. In Rühstädt habe der Starkregen der vergangenen Tage den Adebaren nicht so sehr zugesetzt. „Wenn es nur einzelne Tage mit viel Regen sind, dann können die Eltern ihre Brut gut schützen indem sie ihre Flügel ausbreiten. Gefährlich wird es bei lange anhaltenden Schauern, denn dann kann das Wasser im Horst nicht so schnell versickern und die Jungen sitzen in einer Pfütze“, erklärt Nadine Bauer.


Junge drohen zu unterkühlen


Punktuell habe es einige Verluste durch den Starkregen gegeben, ergänzt Falk Schulz, Vorsitzender des Nabu Prignitz und Weißstorchbeauftragter. „Die Kleineren können von den Eltern noch geschützt werden. Das ist bei den größeren schwieriger. Das Regenwasser fließt dann in die kleine Mulde des Horstes, wo sich das Jungtier befindet. Da es noch keine Federn an der Bauchunterseite hat, unterkühlt es. Das ist zum Beispiel in Müggendorf und in Rosenhagen bei Perleberg passiert“, erläutert der Experte, der für die Region „nicht so berauschende Zahlen“ erwartet. Einige Altvögel sind auch relativ spät hier angekommen, besonders über die Route aus dem Südosten. „Sie kamen noch nach dem 10. Mai hier an. Für eine erfolgreiche Aufzucht ist das zu spät“, so Schulz.

Den Jungtieren bliebe dann nicht genug Zeit, stark genug für den Zug in wärmere Gefilde zu werden, so Nadine Bauer. Die Natur hat deswegen für eine Art innere Uhr bei den Vögeln gesorgt. „Wenn ein Paar sieht, wie weit die anderen mit der Aufzucht schon sind, dann fangen sie nicht mehr an. Dafür haben die Tiere einen Sinn.“ Doch nicht nur das Wetter kann die Jungtier-Population dezimieren. Vergangenes Jahr schlug ein Waschbär in einem Horst am Besucherzentrum in Rühstädt zu und räumte es komplett aus. Dazu kommt, dass die Alt-Störche weniger Nahrung auf den Feldern finden, wenn es weniger Hochwasserlagen gibt und die Amphibien und Insekten zu Mangelware werden.

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