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Der Prignitzer

24. November 2017 | 12:32 Uhr

Wunderblut und Spuk am Galgenberg

vom

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2013 | 05:41 Uhr

Bad Wilsnack | Kein Wunder, dass sich Gäste im Bad Wilsnacker "Haus Arbeitssicherheit" so manche schlaflose Nacht um die Ohren schlagen. An jenem Ort soll es nämlich spuken … Diese und gefühlt hundert weitere Geschichten, Anekdoten und Histörchen erfährt man, wenn man sich von Bärbel Mann durch die Wunderblutkirche führen lässt.

Im Schnitt einmal pro Woche ist sie mit Besuchern der Kurstadt im Gotteshaus unterwegs. Bei rund 50 Führungen im Jahr lernen die Besucher nicht nur handfeste geschichtliche Daten kennen, sondern erfahren am Rande auch dies und das, wie es sich zugetragen hat oder zugetragen haben könnte. Dabei schöpft die Wilsnackerin viel aus mündlichen Überlieferungen. "Es kommt gar nicht so selten vor, dass mich dann Menschen katholischen Glaubens fragen: Wie können sie das eigentlich belegen?"

Den Draht zu den sehr unterschiedlich "gestrickten" Menschen zu finden, erfordere sehr viel Geschick und Fingerspitzengefühl. "Insbesondere, wenn ein ganzer Reisebus mit Gästen ankommt, ist das für mich schon spannend. Schließlich weiß ich vorher nie, wie die Gruppe so drauf ist, wie interessiert die Leute sind", sagt Bärbel Mann.

Rund 30 000 Kirchenbesucher jährlich können natürlich unmöglich von ihr und einigen weiteren Führern durch die Kirche begleitet werden. Um dieses Manko auszugleichen, gibt es seit kurzem zehn Audioguides, elektronische Begleiter, die das Gotteshaus auf Deutsch und auf Englisch erklären. Die Texte wurden mit professionellen Sprechern in einem Berliner Studio aufgenommen. Den Inhalt steuerte maßgeblich Bärbel Mann bei, wirkte später auch am Feinschliff mit. Friedrich Christoph von Saldern spricht die Einleitung zu dem Gotteshaus, in dem er selbst getauft wurde, Bärbel Mann die Schlussworte. Die unterlegte Musik wurde von Christian Reishaus eingespielt. Der auf diese Weise mit Lokalkolorit angefüllte Audioguide wird in der Hauptsaison gute Dienste leisten - der persönlichen Führung aber sicher nie den Rang ablaufen.

Sehr unwahrscheinlich ist auch, dass die Gruppen aus dem "Haus Arbeitssicherheit" - das richtig: Bildungsstätte Bad Wilsnack der Berufsgenossenschaft Holz und Metall heißt - mit Kopfhörern und Abspielgerät durch die Kirche laufen. Zehn bis zwölf Mal im Jahr nutzen Seminarteilnehmer das Angebot der persönlichen Führung, berichtet Referent Ulrich Fahlbusch. "Das ist immer der Abschluss einer Fortbildung. Insbesondere, wenn wir das Thema Höhe behandeln, können wir speziell bei der Turmbesteigung sehr gut einen praktischen Bezug herstellen."

Fahlbusch selbst kann sich im Laufe der Jahre seiner Tätigkeit an der Bildungsstätte durchaus als Bad Wilsnack-Auskenner bezeichnen, fügt aber an, dass er bei jeder Führung durch die Wunderblutkirche etwas Neues hinzulerne. So ganz nebenbei erfahren die Teilnehmer dann auch, warum sie in ihrer Seminarunterkunft vielleicht hin und wieder ein wenig schlecht schlafen: Ganz in der Nähe befand sich nämlich einst die Richtstätte Wilsnacks, der Galgenberg. "Man sagt, hier spukt’s", so Bärbel Mann.

Ab März, so die Wilsnackerin, soll es wieder einmal die Woche zu einem festen Termin mittwochs eine öffentliche Führung durch die Wallfahrtskirche geben.

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