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Der Prignitzer

19. Oktober 2017 | 16:49 Uhr

WTW beliefert die Weltspitze

vom

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erstellt am 19.Okt.2012 | 08:36 Uhr

Wittenberge | Airbus, Heidelberger Druckmaschinen, Automobilindustrie von Mercedes bis Rolls-Royce - die Liste der Kunden der WTW Werkzeugbau GmbH ist lang und gespickt mit hochkarätigen Namen. Geschäftsführer Ulrich Wernicke nennt diese Erfolge in einem Atemzug mit Worten wie soziale Verantwortung, Weiterbildung, Nachwuchsförderung. Er macht da keine Unterschiede im gestrigen Interview anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Wittenberger Betriebes.

Wenn Wernicke von der Anfangszeit spricht, ist viel von Visionen, von Mut und Risikobereitschaft zu hören, weniger vom Glauben an den großen Erfolg. Seine ersten Erfahrungen mit Maschinentechnik sammelte er im Nähmaschinenwerk: 1969 als Abiturient, dann als Mitarbeiter in der Technologieabteilung und zum Schluss als Leiter des Werkzeugbaus. Er kannte das Werk und seine Schwächen Ende der 80er Jahre. "Mit der Wende war uns klar, dass es nicht mit 3000 Mitarbeitern weiter geht", sagt er. Selbst an den Fortbestand zweifelte er. "Ich hatte Einblick in die Zahlen und wusste, die Produktion konnte sich nicht rechnen." Wernicke traf eine Entscheidung. Zusammen mit seinen Kollegen Hans-Jürgen Titz und Hans-Peter Wolgast wollte er den Werkzeugbau des Betriebes verselbstständigen. Die ersten Gespräche mit der Treuhand waren wenig ermutigend. "Ein junger Anwalt fragte uns erstaunt, ob man denn wirklich so viele Schraubenzieher und Hämmer brauchen würde", erzählt Wernicke und lacht dabei.

Den drei Männern wurde bewusst, dass Außenstehende wenig bis nichts von dem wissen, was der Werkzeugbau leisten konnte. Sie erarbeiteten ein Konzept, überzeugten die Treuhand, schlossen Miet- und Kaufvertrag über die Maschinen ab. Drei Banken hatten sie mit einer Kreditzusage auf ihrer Seite, doch im letzten Moment machten diese einen Rückzieher. Das Projekt drohte schon vor dem Start zu scheitern. "Aber wir fanden eine Möglichkeit, den Kaufpreis für ein Jahr zu stunden und starteten im August 1992", sagt Wernicke.

Die ersten Aufträge kamen von früheren Kollegen, die meist im Westen neue Arbeit gefunden hatten und die Arbeit der Wittenberger Firma zu schätzen wussten. "Wir haben als verlängerte Werkbank gearbeitet", beschreibt Wernicke diese Zeit. Doch schon bald hatte WTW einen Ruf, erhielt mehr Aufträge. "Vor allem wegen unserer guten Qualität. Auf die legten wir vom ersten Tag an viel Wert."

1999 und 2001 folgten die ersten großen Investitionen in moderne Maschinen. 2006 eine Zäsur: Die Firmenmitbegründer Hans-Jürgen Titz und Hans-Peter Wolgast gingen in den Ruhestand. Wernicke ist seitdem alleiniger Chef. Dennoch kann das Trio nicht in Vergessenheit geraten, denn WTW steht für ihre Namen.

Behutsam baut Ulrich Wernicke den Betrieb weiter auf, beschäftigt 15 Mitarbeiter und kontinuierlich drei Lehrlinge. Drei habe er übernommen, drei an die Bundeswehr verloren, ein weiterer studiert Maschinenbau. Wernicke ist ein Mann, der nicht nur im Heute lebt, sondern an die Zukunft denkt. In Schulen wirbt er für seinen Beruf, auf Messen wie der Go! unserer Zeitung um Lehrlinge. "Ab der 7. Klasse können Schüler bei mir Praktika machen." Kinder und Enkel der Kollegen seien stets willkommen. Für seine eigene Nachfolge hat er potenzielle Kandidaten im Team. Sie und alle anderen Mitarbeiter müssen sich regelmäßig weiterbilden. "So haben wir auch die Wirtschaftskrise 2008 überstanden: Kurzarbeit und Weiterbildung." Er haben niemanden entlassen müssen. "Wir hatten finanzielle Verluste, haben 15 Familien ernährt. Das ist nicht viel, aber wir haben es geschafft", sagt er.

Die Krise sei überwunden, es laufe gut. Zuschnitt, Fräsen, Drehen, Schleifen. Kaum eine der Maschinen blieb bei der gestrigen Feier ausgeschaltet. Die Auftraggeber stellen kurze Fristen, in der die bestellten Teile geliefert werden müssten. 100 bis 200 seien es pro Monat, auch wenn diese Zahl kaum Rückschlüsse auf den zeitlichen Umfang der Fertigung zulasse. "Bei uns geht es nicht um Millimeter, sondern um Hundertstel-Millimeter", betont Wernicke. Da müsse immer wieder exakt nachgemessen werden. Auch ein 20-jähriges Betriebsjubiläum lasse da keine Ausnahme zu. "Qualität zählt", sagt Ulrich Wernicke.

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