Eine Dänin in Perleberg : Wollstübchen mitten in der Stadt

Handarbeit ist Monika Wirths große Leidenschaft.
Handarbeit ist Monika Wirths große Leidenschaft.

Zu Gast bei Monika Wirth in ihrem Werkstattwohnzimmer am Kirchplatz, wo sie die Nadeln tanzen lässt

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16. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Klappern gehört zum Handwerk, sagt Monika Wirth und muss selbst lachen. Denn diese Redensart kann man bei ihr wörtlich nehmen. Allerdings muss man schon die Ohren spitzen, um das Klappern der Nadeln zu vernehmen.

Am Kirchplatz hat die Hamburgerin, oder soll man Dänin sagen, ihren Wollladen eröffnet. Geboren in der Hansemetropole, ist Dänemark seit über 20 Jahren ihr Zuhause, und die Prignitz schickt sich an, diesen Platz einzunehmen. „Auf jeden Fall suchen wir schon eine Wohnung, noch besser ein Haus zur Miete“, fügt die sympathische Einzelhändlerin oder besser gesagt, Kunsthandwerkerin an. Denn was sie ihren Kunden an Handwerklichem offeriert, das ist durch ihre Hände gegangen. Und so sieht sie ihr Geschäft weniger als Laden, sondern eher als Wohnzimmer an, in dem „wir uns zum Stricken treffen“, spinnt sie den Gedanken mit einem Augenzwinkern weiter.

Wer nun erwartet, am Kirchplatz eine illustere Kaffeekränzchenrunde bei Handarbeiten zu treffen, der dürfte enttäuscht sein. Bei Plätzchen, wie jetzt in der Vorweihnachtszeit, kommt man hier durchaus ins Erzählen. Dabei geht es um Farben, Muster, Maschen und Techniken. Denn wer hier seine Wolle kauft, um sich mal wieder selbst im Stricken, Häkeln, Filzen oder dergleichen zu versuchen, der bekommt das Know-how gratis dazu. „Wolle bekommt man vielerorts, ich zeige, was daraus wie entstehen kann“, so die angehende Neu-Prignitzerin. Über ihre Schwester, die es einst nach Uenze verschlagen hat, kam auch Monika Wirth mit ihrem Mann Wolfgang in die Prignitz, bot zum Hoffest und zweimal dann auch auf dem Perleberger Weihnachtsmarkt Wolle und eine Auswahl dessen an, was sie daraus an Kleidsamen und Dekorativen gefertigt hatte. Und immer wieder hörte sie die Seufzer, dass so etwas samt Kurse in Perleberg einfach fehle.

Die Geschäftsidee war geboren, vom Laden am Kirchplatz waren Monika Wirth und ihr Mann gleich begeistert. In Dänemark leben sie in einem kleinen Ort. Nichts gehe ohne Auto. „Hier haben wir unseren kleinen Laden Mitten in der Stadt, und doch ist alles überschaubar.“ Sie genießen es, alles schier zu Fuß zu erreichen, „und so eben zum Mittag auch mal ein Bier trinken zu können“. Die Woche über fällt die Mahlzeit zumeist aber recht spartanisch aus, denn ihr Laden hat sich längst herumgesprochen. „Wir sind selbst überrascht über das Interesse“, so die Hamburger Dänin. Auch ohne Kurse, denn von solchen hält Monika Wirth eigentlich nicht viel. Oftmals reiche die Zeit nicht aus, damit auch jeder sein Stück fertig bekommt. Enttäuschung aber ist keine gute Werbung. „Wer bei mir die Wolle erwirbt, dem helfe ich solange, bis das Teil auch fertig ist und wir beide zufrieden sind.“ Und dabei schaut sie auf ihren Mann, denn der ist für das Technische zuständig. Der Webstuhl, das Spinnrad und die Strickmaschine, die sind sein Metier, „ich mache die Handarbeit“. Dabei ist ein Teil der Wolle übrigens auch Marke „Eigenproduktion“, verrät Monika Wirth. Denn in Dänemark haben sie Schafe. Eine kleine Spinnerei produziere und färbe dort eigens noch für sie. Am Kirchplatz dann werden daraus Hüte, Schals, Tücher, Deko-Artikel und … „Es gibt nichts, was man nicht aus Wolle fertigen kann.“

Die Handarbeit hat es Monika Wirth schon von Kindesbeinen angetan. Sie war fünf, da ließ sie schon die Nadel tanzen. Stricken, häkeln, filzen, sticken, sie beherrscht alles. Einen Faible aber hat sie fürs Traditionelle. „Unsere Vorfahren waren wahre Meister.“ So versucht sie hinter die Geheimnisse von Mustern zu kommen, zählt in Museen beim Betrachten historischer Garderobe und Haushaltswäsche Maschen bzw. verfolgt den Lauf von Faden und Nadel. Eine selbstgestrickte Socke ist alles andere als rund. „Sie folgt der Form des Fußes, sitzt so nicht nur, sondern trägt sich auch besser.“ Und ehe Monika Wirth wieder ein Paar in die Auslage legen kann, da hat jenes auch schon einen neuen Liebhaber gefunden. Ob Hut oder Strumpf – bestellt werden kann, was gefällt. Und so klappert wieder der Webstuhl, tanzen die Nadeln im Werkstattwohnzimmer der Wirths am Kirchplatz.

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