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Idener Kompetenzzentrum : Wolfsberater packen aus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Revierwechsel: Andreas Berbig und Peter Oestreich nehmen Arbeit im Idener Kompetenzzentrum auf

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 11:50 Uhr

Ein Anfang auf rund 14 Quadratmetern. Andreas Berbig und Peter Oest¬reich haben ihr Büro auf dem Gelände der LLG Iden bezogen. Damit ist der Startschuss für das neue Wolfskompetenzzentrum von Sachsen-Anhalt gefallen. Die beiden Wolfskenner finden das grundsätzlich gut. In der oft emotional geführten Diskussion um den räuberischen Rückkehrer wollen sie relativieren, nicht beschönigen.

Es sah aus, wie es bei einem Einzug eben aussieht. Kartons neben Kabeln, karge Wände, diverse Stapel Papierkram. An den Schreibtischen noch Klebezettel mit den Namen der vorherigen Benutzer. „Wir fangen ja heute erst an“, sagt Peter Oestreich. Im historischen, heute so genannten Eingangsgebäude, in der ersten Etage sind die Beiden von nun an zu finden. Eine Dauerlösung ist das wohl noch nicht.

Genauso wie Berbig und Oestreich nicht ewig zu zweit bleiben sollen. „Weitere Mitarbeiter werden folgen, sobald der Landtag den Haushalt 2017/18 verabschiedet hat“, heißt es aus dem Umweltministerium. Und: Darüber hinaus wird ein Netz von sechs nebenamtlichen Rissbegutachtern in der Landesforstverwaltung eingerichtet, welches eine landesweite Betreuung sicherstellt. Zum Glück für Berbig und Oestreich, sonst müssten sie sich ziemlich strecken.
Rissbegutachtung und die Schulung der künftigen Rissbegutachter ist ein Arbeitsschwerpunkt des Kompetenzzentrums. Darüber hinaus sollen die Mitarbeiter Tierhaltern in puncto Herdenschutz kompetente Ansprechpartner sein. „Gerade die Nutztiere in der nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft, wie die Schafe in der Landschaftspflege und beim Deichschutz, sind durch den Wolf gefährdet. Deshalb sind professionelle und gesteuerte Präventionsmaßnahmen und Beratung notwendig“, heißt es vom Land.

Geplant ist, dabei auch das Fachwissen etwa aus Brandenburg und Niedersachsen sowie anderen europäischen Ländern mit einzubeziehen. Die Aufklärung der Bevölkerung hat einen hohen Stellenwert im Wolfszentrum. „Dabei geht es nicht darum, alles zu beschönigen“, so Berbig, „eher ist es unsere Aufgabe zu relativieren“. Niemand könne die Garantie dafür geben, dass nicht irgendwann doch ein Wolf gefährlich für einen Menschen wird. „Aber allen bisherigen Erfahrungen und allem Wissen nach muss man überhaupt nicht ängstlich sein“, so Berbig. Der Wolfsbestand in Deutschland ist auch Berbigs Meinung nach noch nicht stabil. Wenn er dies irgendwann ist, werde man wohl nicht drumherum kommen, ihn ins Jagdgesetz mit aufzunehmen. „Der Wolf ist ein großes, wehrhaftes Raubtier, kein Kuscheltier. Er ist faszinierend und polarisierend zugleich“, so Berbig, der weiß, wovon er spricht. „Die Leute haben oft das Gefühl, mit ihnen würde eine Art Experiment gemacht.“

Gemeinsam mit Oestreich war Berbig bis zuletzt in der Referenzstelle Wolfsschutz, angesiedelt bei der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe (Außenstelle Arneburg), tätig. Kümmerten sich die beiden dort auch noch um andere Arten, etwa den Biber, können sie sich nun voll auf Canis lupus, den Wolf, konzentrieren. Vor allem auf das, was mit seiner Rückkehr zusammenhängt. Die beiden seien zunächst für ein viertel Jahr (bis der Haushalt steht) vom Biosphärenreservat an das Landesamt für Umweltschutz abgeordnet.

Das Wolfskompetenzzentrum ist ein Baustein des vom Land Sachsen-Anhalt ausgerufenen, neuen Umgangs mit dem Wolf. Während Iden sich durch Beratungen, Schulungen und Demonstrationen an der Herde um den praktischen Part kümmert, hat das ALFF Dessau die bürokratischen Abwicklungen auf dem Tisch.

Experten-Kontakt
Andreas Berbig und Peter Oestreich sind für Rissbegutachtungen und andere Fragen erreichbar unter Telefon 039390/64 80 (-6481) oder mobil unter der Nummer 0162/3 13 39 49.

 

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