Mahnwache in Birkholz : Wolf muss bejagt werden dürfen

Wolfsmahnwache am Freitagabend in Birkholz: Die Politik ist gefordert, endlich das Thema Wolf auch zum Thema zu machen.  Fotos: Doris Ritzka
Wolfsmahnwache am Freitagabend in Birkholz: Die Politik ist gefordert, endlich das Thema Wolf auch zum Thema zu machen. Fotos: Doris Ritzka

Schäfer, Landwirte, Pferdehalter und Jäger versammelten sich zur Wolfsmahnwache, um endlich Gehör zu finden

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17. September 2017, 21:00 Uhr

„Der Wolf ist weder niedlich noch ein Kuscheltier und wenn er sich unseren Nutztieren oder uns Menschen bis auf 1000 Meter nähert, dann ist er ein Problem“, bringt es Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, auf den Punkt. Lösen könne man es nur mit Pulver und Blei. Nur so erziehe man den Wolf, sich von dem fern zu halten, was uns wichtig ist. Eine entsprechende Wolfsverordnung müsse das unkompliziert regeln.

Davon ist man derzeit aber noch meilenweit entfernt. Der Grund, warum Freitagabend auch in Birkholz das Feuer zur Wolfsmahnwache brannte. Marc Mennle, Schäfermeister aus Sadenbeck, hatte dazu aufgerufen und Berufskollegen, Landwirte, Pferdehalter und Jäger aus der Prignitz aber auch aus dem Mecklenburgischen kamen. „Es reicht mit dem Debattieren, es muss was passieren“, macht Mennle seinem Unmut Luft und eine Rechnung auf.

Im Oktober 2016 hat er 23 Schafe durch einen Wolfsangriff verloren. „Die bekomme ich ersetzt. Doch wer kommt für die rund 50 Frühgeburten und die rund 4500 Euro Flurschaden auf, der entstand, als die Tiere panikartig in ein Buchweizenfeld flohen?“ Mittlerweile habe er sich 16 Herdenschutzhunde angeschafft. Die kosten jährlich 17  000 Euro allein im Unterhalt und täglich zwei Stunden zusätzliche Arbeit.

Schäfer Manfred Ronke aus dem mecklenburgische Werle hat ebenso Erfahrungen mit dem Wolf gemacht. Sechs Lämmer hat der gerissen und vier verletzt. „Ich bin fast 40 Jahre Schäfer, aber solche Bisswunden habe ich zuvor nicht gesehen.“ Nachts ruhig schlafen, das klappe nicht mehr. Mit gemischten Gefühlen schaue er morgens als erstes auf die Weide. Er sei nach Birkholz gekommen, „weil es Zeit ist, Flagge zu zeigen“.

40 Jahre Revierförster war der Laaslicher Lothar Weber. Es sei schlimm, wie die Natur sich verändert habe. Mit Paragrafen glaubt man, Schutz zu erreichen. Der Wolf müsse in die Schranken gewiesen werden. Drei Rehe und auch einen Kranich habe er bei ihm gerissen. Schießen darf man ihn nicht, also versucht Weber mit der Motorsäge ordentlich Lärm zu machen. Doch das sei nicht die Lösung.

„Wölfe müssen aus der Population herausgenommen werden“, so auch die Meinung von Hans-Georg Schall und seines Bruders Wolfgang, Jäger sowie Schaf- und Rinderhalter im Nebenerwerb aus Rambow. „Kälber wurden gerissen, Kühe hat es fast bis nach Lenzen getrieben und niemand weiß warum.“ Seit zwei Jahren sei die Herde sehr unruhig. Gleiches oder ähnliches berichten fast alle, die sich an der Feuerschale trafen, damit das Thema Wolf, endlich auch in der Politik Thema wird. Die Politik allerdings glänzte an dem Abend durch Abwesenheit, ausgenommen Mario Borchert, der als Direktkandidat für den Bundestag antritt. Sein wichtigstes Wahlkampfthema: der Wolf. Er plädierte u. a. dafür, dass man das Thema versachliche und alle, dabei ging sein Blick auch in Richtung Verbände, parallel das versuchen zu bewegen, was sie können.

Lothar Pawlowski, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, unterstrich einmal mehr, dass man bundesweit einheitliche Regelungen und Verfahren brauche, denn der Wolf kenne keine Grenzen. Wird er den Nutztieren gefährlich, muss er geschossen werden. „Wir können unsere Zäune zwar ausbruchs- aber nicht einbruchssicher machen.“ Insofern müssen alle Aufwendungen, wie Schutzhunde und Zäune, unbürokratisch geregelt und finanziert werden. Dafür braucht es eine gesetzliche Grundlage.

Eine Bejagung, das hieße sich mit Bundes- und EU-Recht auseinanderzusetzen, für die Gefahrenabwehr sei aber die Landesregierung zuständig, so Reinhard Jung mit Blick auf die Landtagswahlen 2018. 

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