zur Navigation springen
Der Prignitzer

23. September 2017 | 00:35 Uhr

Wohlige Wohnwärme dank Biogas?

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2010 | 08:25 Uhr

Perleberg | Theoretisch 66 Abnehmer, darunter zehn größere Kunden, könnten in Perleberg von der im Gewerbegebiet Quitzow neu entstehenden Biogasanlage profitieren. Das auf dem jüngsten 2. Energie- und Technologietag unter Energiekonzept Perleberg Nord vorgestellte Modellprojekt für Biomasse-Nutzung würde sie mit Wärme versorgen. Das Prignitzer Wasser- und Energieversorgungsunternehmen PVU holte sich zur Grundlagenerarbeitung das Büro Müller & Kantor aus Wittenberge sowie die Berliner WEN Consulting GmbH mit ins Boot.

Wärmehauptabnehmer könnten das CJD, die GWG-Wohnblöcke und gegebenenfalls auch die ÜAS in der Reetzer Straße sowie das Seniorenpflegezentrum und die Firma Stahlbau in der Ackerstraße sein. Den Anstoß für diese Überlegung gab die Notwendigkeit, die Wärmeversorgung für das CJD neu zu ordnen, steht doch hier eine fast 20 Jahre alte überdimensionierte Anlage mit zweimal 419 kW, notwendig wären in der Endausbaustufe zirka 500 kW.

Geprüft wurden mehrere Optionen, darunter das Modellprojekt. Die Recherchen ergaben zudem, dass 50 Prozent der Gaskessel in Perleberg Nord älter als 15 Jahre alt sind und damit an der Grenze zur Erneuerung stehen. Variante 1: Die Abnehmer per 1,9 Kilometer Fernwärmeleitung vom Biomassewerk aus zu versorgen, ist zu teuer und auch mit Wärmeverlusten versehen. Variante 2 dagegen scheint eine machbare Lösung: Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) am Standort der Biogasanlage für den Eigenbedarf, die beiden anderen würden in der Acker- und Reetzer Straße (CJD) stehen, den erzeugten Strom ins öffentliche Netz einspeisen und über neue Leitungen potenzielle Abnehmer mit Wärme versorgen. Mit der Wärmeabgabe an Dritte käme der Investor zudem in den Genuss des zusätzlichen KWK-Bonus (Kraft-Wärme-Kopplung) von drei Cent.

"Die ökologischen Vorteile sind unbestritten, denn die CO 2 -Immission wäre mit dieser Lösung mit Abstand die geringste. Doch funktioniert das Ganze auch betriebswirtschaftlich?", fragte WEN-Geschäftsführer Joachim Stöhr. Denn die Investition werde nicht billig. Maßgeblich beteiligt daran wäre die PVU mit rund einer halben Million Euro für den Wärmenetzausbau. Da die BHKW-Technik auch bei der Kälteerzeugung angewendet werden kann, gilt es aus betriebswirtschaftlicher Sicht, auch für den Bereich Kühlung Abnehmer zu finden. Durchgecheckt werden muss ebenso eine Variante für den Notfall: Wo kommt die Wärme her, wenn die Biogasanlage mal still steht? "Es ist alles noch in der Diskussionsphase. Es muss zudem einiges am Vertragswerk ausgehandelt werden, was bei einem normalen Gasliefervertrag nicht notwendig wäre", so Stöhr.

Wie der "Prignitzer" bei seinen Recherchen zu einer möglichen Biogasanlage im Gewerbegebiet Karstädt erfuhr, funktioniert seit März in Flechtingen ein Modellprojekt, wie es für Perleberg Nord in Vorbereitung ist. In der Börde-Stadt werden vier im Ort ausgelagerte BHKW von einem Biomassewerk des Gewerbegebiets mit Gas versorgt und versorgen ihrerseits das Kurhaus, die Schule, Turnhalle und 144 Wohnungen mit Wärme.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen