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Der Prignitzer

21. November 2017 | 16:55 Uhr

Rettungsdienst : Wohin welcher Patient kommt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Krankenhauskataster erleichtert Rettungskräften die Arbeit bei Katastrophen mit zahlreichen Verletzten

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Zehn, 20 oder gar 50 Verletzte bei einem Unglück – so selten der Fall eintreten mag, aber wenn es passiert, wollen die Einsatzkräfte vorbereitet sein. Dazu gehört das Wissen, welches Krankenhaus hat welche Kapazitäten, welche Ausstattung, wohin können in kurzer Zeit all diese Patienten gebracht werden. Das Ergebnis ist ein Kataster.

Die Arbeit daran begann vor knapp zwei Jahren. Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes aus Brandenburgs Landkreisen und freien Städten steckten ihre Köpfe zusammen und grübelten, wie die Versorgung der Verletzter überregional erfolgen soll. Grundlage soll das Kataster sein, welches die Bestände und Möglichkeiten aller landesweiten Krankenhäuser zusammenfasst.

„Es ist ein Nachschlagewerk, in dem Rettungsdienste bei Extremfällen mit mehr als 20 Geschädigten die Kapazitäten der regionalen Kliniken einsehen können“, erklärt Lutz Dieckmann, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Prignitz.

„Dabei geht es um Parameter wie Bettenzahlen, Beatmungsplätze, aber auch welche Abteilungen in den einzelnen Kliniken vorhanden sind oder ob technische Ausstattungen, wie MRTs, CTs oder Herzkatheterplätze bereitstehen“, so Dieckmann. Im Ernstfall seien diese Daten für die Einweisung oder Verlegung von Patienten lebenswichtig.

Der Katalog ist für alle Rettungsdienste deutschlandweit verfügbar, sowohl offline in den Einsatzwagen, als auch digital. Dies erleichtere auch die jährliche Aktualisierung des Nachschlagewerks.

„Das bundesweite Krankenhauskataster ist aber keine amtliche Datensammlung“, heißt es aus dem Ministerium für Gesundheit des Landes Brandenburg, das auf Nachfragen zum Gesamtwerk jeweils auf die lokalen ärztlichen Rettungsdienste verweist. Diese haben in den jeweiligen Landkreisen zusammen mit Verwaltungen und Kliniken einzeln ihren Part zum Einheitswerk beigetragen. „Das ist wie mit dem Telefonbuch, das erstellt ja auch nicht nur einer“, scherzt der 56-jährige Dieckmann.

„Für unseren Landkreis und der Prignitz-Region ist das Kataster aber beinahe überflüssig“, so der Facharzt für Innere Medizin weiter. Denn die Prignitz grenze an drei weitere Bundesländer. „Die Krankenhäuser der Region arbeiten schon in einem Netzwerk“, sagt er.

Wären die Betten der Intensivstation in Perleberg ausgelastet, könnten Patienten problemlos ins zwölf Kilometer entfernte Seehausen oder ins Schwerpunktkrankenhaus Stendal verlegt werden. „Das hat nicht nur einen Vorteil für die Krankenhäuser, in Engpässen auf Kollegen zurückzugreifen, sondern sichert einfach die Versorgung der Patienten – ob im Großschadensfall oder nicht.“

 

 

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