Perleberg : Wohin mit der Dampfmaschine?

Die Rittersche Dampfmaschine auf dem Altenteil.
Die Rittersche Dampfmaschine auf dem Altenteil.

Die Stadt sucht nach Wegen der Unterbringung, hält sich dazu aber noch bedeckt.

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05. Mai 2017, 12:00 Uhr

Das Areal in der Lindenstraße, wo einst das Rittersche Sägewerk und die Zimmerei standen, ist verkauft (der „Prignitzer“ berichtete). Hier aber steht immer noch die alte Dampfmaschine. Als technisches Denkmal soll sie in der Stadt bleiben. Diesen Grundsatzbeschluss fassten die Stadtverordneten Ende vergangenen Jahres. Allerdings mit dem Verweis darauf, dass Bürgermeisterin und Verwaltung beauftragt werden, bis zur Sommerpause 2017 Möglichkeiten der Realisierung darzulegen, diese finanziell zu untersetzen.

Doch die Zeit drängt, darauf verweisen nicht zuletzt auch die Oldtimerfreunde, die das technische Kleinod gern als Dauerleihgabe in ihre Ausstellung aufnehmen wollen. Dazu müssen zu allererst aber die baulichen Voraussetzungen geschaffen oder eine Zwischenlösung gefunden werden, wie immer diese auch aussieht.

Welchen Weg die Stadt favorisiert, da hüllt man sich jedoch noch in Schweigen. Man sei aber am Verhandeln und Organisieren, betont Henry Schweigel, zuständiger Fachbereichsleiter. „Keine Frage,“ so Schweigel, „wir wissen um die Einzigartigkeit der Dampfmaschine“. Diese Faszination Technik wolle man so auch möglichst für die Stadt, für die museumspädagogische Arbeit erhalten, umsetzen und nutzen. Wie, da sei man jetzt in der Spur.

Der Weg führte kürzlich nach Magdeburg, an die dortige Universität bzw. ans Technikmuseum. Mit Professor Rüdiger Bähr, vom Institut für Fertigungstechnik und Qualitätssicherung der Uni, und Dr. Konrad Pusch sowie Gerhard Unger, beide vom Technikmuseum, traf man auf absolute Kenner der Materie. „Wir erhielten detaillierte Informationen darüber, wie man eine Dampfmaschine präsentiert und sahen, wie solche im öffentlichen Raum gezeigt werden“, fügt Henry Schweigel an.

Andererseits stießen die Perleberger mit ihrer Dampfmaschine auf großes Interesse bei den Magdeburgern. Verständlich, wurde das technische Kleinod 1923 in der Maschinenbaufirma Wolf in Magdeburg Buckau gebaut. 1936 kam sie ins Rittersche Sägewerk, damals als eine der modernsten ihrer Art. Die Feuerung konnte mit Sägespänen betrieben werden, der riesige Kessel wurde mit Wasser aus der fabrikeigenen Wasserversorgung gespeist. Zwei Gatter, sogenannte Doppelsäumer, sowie mehrere kleinere Anlagen wurden durch die Dampfmaschine angetrieben, über einen Generator wurde Strom erzeugt und mit der Abluft die Zimmerei beheizt sowie Holz getrocknet. Faktisch ein technisches Multitalent, das da bis 1986 in Betrieb war. „Selbst aus heutiger Sicht ist das überaus interessant“, betont Henry Schweigel.

Eine Menge überaus Wichtiges habe man beim Treffen in Magdeburg erfahren, nicht zuletzt, wie ein Transport einer solchen Dampfmaschine zu bewerkstelligen ist. Auf den Punkt gebracht: „Wir kehrten zurück in dem Wissen, für unser Vorhaben wissenschaftliche Begleitung zu haben“, so der Kulturamtsleiter. Übrigens, 2018 sei auch ein Vortrag zur Perleberger Dampfmaschine, ihren Schwestern und wo diese weltweit im Einsatz waren im Stadt- und Regionalmuseum geplant, ergänzt Museumsleiter Frank Riedel, der mit in Magdeburg war.

Wie es nun weitergeht mit der Dampfmaschine – die Antwort bleibt die Verwaltung noch schuldig. Man sehe sich in der Verantwortung und werde dieser auch gerecht werden.

Die Oldtimerfreunde jedenfalls stehen zu ihren Angeboten unter anderem mit fachlicher Begleitung aus Magdeburg die Dampfmaschine, die Dr. Ritter der Stadt bereits im vergangenen Jahr unentgeltlich angeboten und dieses nun auch schriftlich fixiert hat, umzusetzen.

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