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Biomüll in der Prignitz : Wohin mit der Bananenschale?

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit dem 1. Januar soll Bio- und Restabfall getrennt gesammelt werden

von
erstellt am 27.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Wer keinen eigenen Garten mit Kompost hat, wird das Problem kennen: Wohin mit der Bananenschale? Bisher gibt es für die gartenlosen Einwohner in der Prignitz kaum Möglichkeiten. Meistens landet der nicht kompostierbare Abfall daher einfach im normalen Hausmüll. Doch das soll sich vielleicht schon bald ändern.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt eine bundesweite getrennte Sammelpflicht für Bioabfälle. So sieht es das Kreislaufwirtschaftsgesetz vor, das Mitte 2012 in Kraft getreten ist. Das heißt, wer morgens eine Banane isst, muss danach die Schale getrennt vom normalen Hausmüll entsorgen – eigentlich.

Doch dafür fehlen in der Prignitz bisher die Biotonnen. Ob es sich jedoch lohnt, flächendeckend welche einzuführen, das untersucht zurzeit der Landkreis. Bis 2020 muss er eine konkrete Lösung gefunden haben.

„Wir haben in der Prignitz einen hohen Grad an Eigenkompostierung“, sagt Edelgard Schimko, Geschäftsbereichsleiterin für das Wirtschafts- und Baukataster in der Prignitz. „2015 wollen wir das Abfallwirtschaftskonzept neu bearbeiten. 2016 soll es vom Landkreis bestätigt werden.“

Bioabfälle, die in der Restmülltonne landen, lassen sich nachträglich kaum wieder aussortieren. Dabei liegt im Bio-Müll viel Potenzial. Durch die Vergärung der Abfälle entsteht ein Biogas. Wenn dieses in einem Blockheizkraftwerk verbrannt wird, kann man auf umweltfreundliche Art Wärme und Energie gewinnen. Dieses Konzept sei bisher jedoch keine Alternative für die Prignitz, erklärt Schimko: „Die Biomüllverbrennung ist hier so dünn gesät.“

Die zweite Variante ist die Verarbeitung des biologischen Mülls zu schadstoffarmem Kompost. Das sei im Kreis bereits der Fall. „Biomüll, der bei den Kleinannahmestellen anfällt, wird durch externe Entsorger kompostiert und kommt als Dünger oder Erde wieder auf die Felder“, sagt Schimko. Fünf dieser Annahmestellen gibt es in der Prignitz, eine in Wittenberge, eine in Pritzwalk und drei in Perleberg. Doch wer bringt seine Bananenschale da schon hin?

Ist die Biotonne also die Lösung? „Im Grundsatz sollte jeder Haushalt im Land Brandenburg die Möglichkeit erhalten, sowohl seine Küchenabfälle als auch seine Grünabfälle getrennt zu sammeln“, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums von Brandenburg. Doch ist es wirtschaftlich und ökologisch, wenn der Biomüll über lange Strecken von den entferntesten Dörfern eingesammelt werden muss? „Die Auswirkungen längerer Sammeltouren werden bezogen auf das Gesamtsystem der Abfallentsorgung oft überschätzt“, so der Sprecher. „Letztendlich ist es Aufgabe der einzelnen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger dies konkret für das eigene Entsorgungsgebiet zu untersuchen und eventuell über Ausnahmen von der Einführung der Biotonne in einzelnen entlegenen Siedlungen zu entscheiden.“

Um eine ideale Lösung zu finden, führt der Landkreis momentan eine umfängliche Analyse der Müllentsorgung durch. Dabei werden unter anderem stichprobenartig die Restmülltonnen aus städtischen und ländlichen Räumen von einer externen Firma auf ihre Zusammensetzung untersucht. Wie viel Bio steckt wirklich im Restmüll? Im zweiten Quartal des Jahres sollen die Ergebnisse stehen. Des weiteren fand in der Prignitz dazu eine umfangreiche Haushaltsbefragung statt (wir berichteten).

„Nur 20 Prozent der Bürger haben geantwortet. Der Rücklauf ist uns einfach zu wenig“, sagt Schimko. Auch bei der Verteilung hätte es Probleme gegeben. Daher wurde der Endtermin für die Einreichung der Antworten noch einmal verschoben. Der Fragebogen ist auf der Seite des Landkreises unter www.landkreis-prignitz.de, Bürgerservice, Formulare zu finden. „Die Beantwortung ist anonym. Deshalb regen wir an, dass jeder wahrheitsgemäß antwortet,“ so die Geschäftsbereichsleiterin. Wer also seinen Müll nicht trennt, sollte das auch zugeben. Das sei für die Erstellung des Konzepts von großer Bedeutung.

Wie die Angebote letztendlich organisiert werden, ist sehr flexibel. Im Landkreis Potsdam Mittelmark wurde beispielsweise ein variabler Leerungsrhythmus eingeführt. Hier wird die Biotonne auf Abruf abgeholt, die Sammeltouren werden entsprechend zusammengestellt. Bis es in der Prignitz zu einer Lösung kommt, dauert es noch.

Doch wohin solange mit der Bananenschale? „Dem Gesetzgeber geht es hauptsächlich um die Massen. Große Mengen an Laub und Grünschnitt gehören nicht in den Restmüll“, sagt Schimko und beruhigt: „Die Bananenschale ist völlig in Ordnung, wenn man die noch in den Restmüll wirft.“


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