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Schadstoffentsorgung in der Prignitz : Wohin mit den alten Tabletten?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Apotheken sind zur Rücknahme von Altmedikamenten nicht gesetzlich verpflichtet. Das Schadstoffmobil ist die beste Lösung

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Nicht alle Medikamente müssen komplett aufgebraucht werden, kommen nur bei vorrübergehenden Schmerzen zum Einsatz oder lagern in der Hausapotheke, bis sie ihr Verfallsdatum überschritten haben. Doch wohin mit alten, abgelaufenen oder überzähligen Medikamenten?

Hausmüll wird in der Prignitz nicht verbrannt

Kathrin Fuchs, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesapothekerkammer, erklärt: „Arzneimittel sind im Normalfall Hausmüll, insofern der Hausmüll verbrannt wird. Deswegen ist es vielen Apotheken freigestellt, ob sie alte Medikamente zurücknehmen oder nicht.“ Soweit die Theorie.

Die Praxis im Landkreis Prignitz sieht jedoch anders aus, da hier der Hausmüll nicht verbrannt, sondern weitesgehend recycelt und deponiert wird. Aber wohin dann mit den abgelaufenen Tabletten? „Altmedikamente können in haushaltsüblichen Mengen am Schadstoffmobil des Landkreises abgegeben werden“, ist von Frank Stubenrauch, Pressesprecher des Kreises, auf Nachfrage zu erfahren. Die Sammlung über das Schadstoffmobil findet einmal jährlich an etwa 220 Sammelpunkten im gesamten Kreisgebiet statt. Ergänzend werde durch den Landkreis viermal im Jahr eine Annahme mit dem Schadstoffmobil an den Kleinannahmestellen des Landkreises in Wittenberge, Perleberg und Pritzwalk angeboten. Nur die dort gesammelten Medikamente werden einer thermischen Behandlungsanlage zugeführt, sprich: sie werden verbrannt. Darüber informierte der Kreis im vergangenen November mittels eines Schreibens die Apotheker in der Prignitz, nachdem sich vermehrt Apotheken an die Abfallwirtschaft wandten um die Entsorgung rechtssicher zu klären.

Apotheken nehmen freiwillig zurück

Jens Groschinski, Sprecher der Apotheken im Kreis, bat seine Kollegen vor acht Monaten in einem Rundfax, trotz des „nicht unerheblichen Zeit- und Arbeitsaufwandes“ weiterhin Altmedikamente der Kunden anzunehmen und zu entsorgen. So handhaben es mittlerweile viele der knapp 30 Apotheken im Kreis auf freiwilliger Basis. „Verfallene Medikamente nehmen wir natürlich entgegen, wenn Kunden sie bei uns abgeben möchten“, berichtet Eileen Timm, Inhaberin der Waldapotheke in Glöwen. Verpflichtet seien sie dazu nicht, eher stehe der Servicegedanke im Vordergrund. Es komme aber selten vor, dass Kunden nachfragen.

„Wenn uns Medikamente gebracht werden, entsorgen wir sie auch über das Schadstoffmobil, so wie es jeder Kunde auch privat tun könnte“, so Jutta Hoheisel von der Perleberger Prinzenapotheke.

Christine Klan, Inhaberin der Perleberger Rolandapotheke, berichtet: „Wir bieten das als Service an, haben uns diesbezüglich auch mit der Abfallwirtschaft des Landkreises abgesprochen und geben die Medikamente gesammelt und von der Umverpackung befreit zum Schadstoffmobil“. Freiwillig komme man dem nach, da „wir eine hohe Verantwortung den kommenden Generationen gegenüber haben, dass keine gefährlichen Stoffe in die Umwelt gelangen“, so Klan. Auch quecksilberhaltige Thermometer können bei ihr abgegeben werden. „Auf gar keinen Fall sollten Arzneimittel in Toilette oder das Waschbecken entsorgt werden, weil damit die Wirkstoffe über das Trinkwasser in unsere Nahrungskette zurückkommen“, warnt sie eindringlich.

Ungeöffnete Neuverpackungen können übrigens nicht einfach gegen Geldrückgabe zurückgenommen werden. Denn Medikamente sind Waren besonderer Art, dürfen nicht wieder in den Verkauf gelangen, da die Apotheker nicht garantieren können, dass der Kunde seinen Fehlkauf zwischenzeitlich richtig gelagert hat, so Kathrin Fuchs von der Apothekerkammer.

Service
Das Schadstoffmobil hält am 7. Oktober von 8 bis 8.45 Uhr in Pritzwalk, Hermann-Graebke-Straße 2; von 9.45 bis 10.30 Uhr am Perleberger Betriebshof, Bad Wilsnacker Straße 48, und von 11 bis 12 Uhr an der Wittenberger Kleinannahmestelle, Wahrenberger Chaussee 1.
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