Wo ist denn hier das Zentrum?

<fettakgl>Man könnte die </fettakgl>Große Straße sicher zu einer anderen Tageszeit und aus einer anderen Perspektive attraktiver in Szene setzen. Dennoch ist dies ein 'Sinn'-Bild für den derzeitigen Zustand, aufgenommen Montagmittag in dieser Woche.<foto>Birgit Hamann</foto>
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Man könnte die Große Straße sicher zu einer anderen Tageszeit und aus einer anderen Perspektive attraktiver in Szene setzen. Dennoch ist dies ein "Sinn"-Bild für den derzeitigen Zustand, aufgenommen Montagmittag in dieser Woche.Birgit Hamann

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30. Januar 2013, 06:29 Uhr

Bad Wilsnack | "Vermutlich wird es noch leerer." Diese Äußerung von Bad Wilsnacks ehrenamtlichem Bürgermeister Dietrich Gappa in einem "Prignitzer"-Interview, veröffentlicht am 17. Januar, können und wollen Wilsnacker Geschäftsleute so nicht stehen lassen. Kosmetikmeisterin Monika Krause, Heike Conradt, Inhaberin des Schuhgeschäfts Golembiovski, Carmen Amelang, Buch-, Papier- und Geschenkwarenhandel, sowie Anke Schultz, die gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen das Glaserei-Geschäft in der Großen Straße führt, stellten jetzt in einem Gespräch mit unserer Redaktion ihren Standpunkt klar.

Auch sie sehen, dass es die Geschäfte in der Bad Wilsnacker Altstadt zunehmend schwerer haben, dass die Schließung des Drogeriemarktes Schlecker 2012 ein herber Einschnitt war, betonen aber zugleich das Potenzial der Kurstadt, die allein durch die Therme annähernd täglich tausend und mehr Gäste anzieht. Eine häufige Frage von Besuchern der Stadt, auf die die Frauen antworten müssen und die sie sehr befremdet, lautet: "Wo ist denn hier eigentlich das Zentrum?" Die Klippe zwischen "Bad" und "Wilsnack", hauptsächlich bedingt durch die Anordnung der Kureinrichtungen, verschärft durch die Bahnlinie und den nicht gerade einladenen Tunnel, scheint unüberwindbar und ist für die Geschäftsleute ein wesentlicher Grund für schwächelnde Umsätze. Das Zentrum als solches werde offenbar nicht so wahrgenommen, wie man es sich wünscht.

"Aber das allein ist es nicht", verdeutlicht Monika Krause. "In anderen Orten hat man die Belebung der Innenstädte zur Chefsache erklärt, macht sich sehr viel Gedanken darum", sagt sie mit Blick auf Wittenberge und Pritzwalk. Versäumt wurde aus Sicht der Geschäftsfrauen über Jahre, einen zweiten, preiswerten Discounter anzusiedeln. Auch fehle ihrem Gefühl nach die Wertschätzung für die kleinen Geschäfte. "Gerade die kleinen Lädchen gehören aber hierher", sagt Monika Krause. Vor allem Großstädter mögen dieses spezielle Flair, so die Erfahrungen von Heike Conradt. Nachgelassen habe überdies das Angebot des Wochenmarktes, der einst dienstags und donnerstags, jetzt nur noch donnerstags stattfindet. In krassem Widerspruch zur Leere in der Innenstadt steht für die Geschäftsleute die sehr gute Ausstattung Bad Wilsnacks mit Ärzten und die gut gebuchte Hotellerie.

Im Grunde, so die Frauen, funktionieren derzeit nur noch inhabergeführte Geschäfte, bei denen kein Extra-Geld für Miete aufgebracht werden müsse. Sie machen zudem darauf aufmerksam, dass es offenbar ohne größere Schwierigkeiten möglich sei, ehemalige Ladenflächen in Wohnraum umzuwandeln.

Ideen und Initiativen zur Belebung habe es über die Jahre schon viele gegeben. "Das Miteinander fehlt", versuchen die Geschäftsfrauen eine Diagnose zu stellen. Und vielleicht auch Risikobereitschaft? Die Kosmetikmeisterin meint: "Wenn ich noch mal 40 wäre - ich würde mich trauen, ein Textilgeschäft in Bad Wilsnack zu eröffnen." Der Wunsch der Geschäftsleute: Gemeinsam mit der Stadt etwas für die Stadt bewegen - vor allem aber für diesen Teil Wilsnacks, bevor die Leere gähnend ist.

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