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Am 24. Juni auf Tour Richtung Wische : Wo das Prignitzer Platt zu Hause ist

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Wittenberger Freundeskreis pflegt die Ur-Sprache dieser Gegend seit 30 Jahren.

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Den 20. Geburtstag haben sie groß und mit vielen Gästen gefeiert, den 30. leise und nur für sich: Die Rede ist von den Mitgliedern im Freundeskreis Prignitzer Platt. Es war am 6. Januar 1987, da fanden sich Wittenberger und Leute aus der Umgebung zusammen, um künftig die Prignitzer Ursprache zu pflegen. „Ja, Prignitzer Platt gehört zur Niederdeutschen Sprache, ist keine Mundart, wie es manches Mal heißt“, sagt Monika Schulz. Sie hatte vor drei Jahrzehnten die Idee, „dass wir uns doch einmal mit unserem Plattdeutsch befassen können“, mit unserem Plattdeutsch in Unterscheidung zum Mecklenburger Platt, zu dem damals im Museum gerade eine Buchlesung stattgefunden hatte.

Auch diese Zeitung hat mit einem Aufruf einen winzigen Anteil daran, dass sich schließlich eine Gruppe von 56 Damen und Herren zusammenfand, um sich dem Prignitzer Platt in Sprache und Literatur zu widmen. Monika Schulz, zu jener Zeit stellvertretende Museumschefin, übernahm den Vorsitz – und hat ihn heute noch inne. Sie ist die Seele des Freundeskreises, hält die Leute zusammen und die Fahne hoch. „Unser Problem ist das vieler Vereine von Wittenberge“, sagt sie. „Wir werden immer älter und uns fehlt der Nachwuchs.“


Es fehlt der Nachwuchs


Das jüngste Mitglied im Freundeskreis ist derzeit 55 Jahre alt. Monika Schulz selbst geht auf die 77 zu. „So lange ich kann, mache ich noch weiter“, sagt die engagierte und couragierte Frau, die auch ganz wesentlichen Anteil am Aufbau der Wittenberger Stadtinformation hat. Auch die Kirchenfahrten, die der Freundeskreis jährlich organisiert, soll es, „wenn meine Gesundheit es zulässt“, weiterhin geben, sagt Schulz. In diesem Jahr gehen die Plattsnacker und Gäste am 24. Juni auf Tour Richtung Wische. In den Worten der Vorsitzenden schwingt Wehmut mit, als sie erzählt: „Alle Versuche, junge Leute an unser Platt heranzuführen, stießen auf kein Interesse. „Wir haben 5. Klassen eingeladen, haben es später mit einer 7. Klasse probiert, es gab keine Resonanz“, blickt Monika Schulz zurück. Pfarrer a. D. Gottfried Winterfeld hätte vor Jahren angeboten, in Schulen eine Arbeitsgemeinschaft Niederdeutsch zu betreuen. „Es gab kein Interesse“, bedauert Schulz. Apropos Gottfried Winterfeld. „Über sehr viele Jahre war er uns eine riesige Stütze mit seinem Wissen über das Prignitzer Platt, mit seinem Einsatz für die Sprache, mit der er aufgewachsen ist.“ Aber auch er ist älter geworden, wie beispielsweise auch Eleonore Ehrhorn und Erika Gerloff, um weitere engagierte Platt-Freunde zu nennen. „In früheren Jahren wurden wir auf die Dörfer gebeten. Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Platt-Auftritt mit Eleonore Ehrhorn und Familie Herper in Pinnow. Es war so ein Gedränge, dass wir kaum Platz hatten.“

Heute beschränken sich die Platt-Snacker auf ihre Treffen, die hier in Wittenberge an jedem ersten Mittwoch im Monat stattfinden. „So lange wie möglich wollen wir das noch beibehalten“, versichert Schulz. Für ihr Engagement und die Leidenschaft, die sie in den Erhalt dieses Kulturguts investiert, hat die Stadt sie in ihr Ehrenbuch eingetragen. „Das war für mich, aber auch für meine Mitstreiter, die Anerkennung unseres jahrelangen Bemühens um unsere Ur-Sprache.“ Die bleibe aber nur lebendig, „wenn sich Menschen finden, die sie sprechen, die sie lesen, die in ihr schreiben“. „Mein größter Wunsch wäre, dass sich genau solche Menschen finden“, sagt Monika Schulz.  

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