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Seniorenzentrum : Wo das Lachen Herzen öffnet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Drei Prignitzerinnen schlüpfen ins Clownskostüm und mischen sich unter die Bewohner des evangelischen Seniorenzentrums

von
erstellt am 02.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Einmal im Monat sind sie Beppo Sonnenschein, Racelina und Nanu. Dann wird in das Clownskostüm geschlüpft, geht es ins evangelische Seniorenzentrum. Von Hause aus gelernte Kinderkrankenschwester, Psychotherapeutin und Ergotherapeutin ändert sich auch ihre Welt dann für mindestens zwei Stunden. Als Clowns sind sie fortan zuständig fürs Lachen, aber nicht nur.

Es waren die Rostocker Rotznasen, die Klinikclowns, die die Prignitzerinnen während eines Workshops faszinierten und den Wunsch bei ihnen aufkommen ließen, „selbst für etwas mehr Freude und Leichtigkeit zu sorgen“, wie Nanu erzählt. So fanden sie sich auch, holten sich weitere Inspirationen bei Workshops, probten und waren schließlich auf der Suche nach „Publikum“.

Für den Sonnenschein Beppo stand von Anbeginn fest, dass er bei älteren Menschen wieder dieses Leuchten in die Augen zaubern möchte. „In den Einrichtungen fehlt dafür einfach die Zeit. Wir haben diese, nehmen sie uns ganz einfach.“

Vor anderthalb Jahren kamen sie über Kontakte auf das evangelische Seniorenzentrum und hier war man sofort hellauf begeistert von der Idee. „Ich denke, sie sind einfach eine Bereicherung für unsere Bewohner“, bringt es Einrichtungsleiterin Uta Buls auf den Punkt. 74 Frauen und Männer haben hier in der Lindenstraße ihr Zuhause, ihr letztes im Leben. „Und wir sehen uns als ein Bindeglied zwischen Kindheitserinnerung und ihrer jetzigen Welt, die zunehmend kleiner wird“, so Beppo.

Der Clown war der Spaßmacher vom Dienst in Kinderjahren. „Wir hatten sonst nicht viel zu lachen, sind noch die Kriegskindergeneration“, erzählt eine Bewohnerin. Ein Zirkusbesuch war allerdings damals auch eher die Ausnahme. „Aber sie waren lustig anzuschauen, wenn auch nur auf Bildern“, fügt die Seniorin an, die das Bett nicht mehr verlassen kann. Jetzt sei es einfach schön, mal in ein anderes Gesicht zu blicken und unbeschwert zu plaudern.

Es gehe nicht darum, die Bewohner zum Lachen zu bringen. Wobei es natürlich schön ist, auch mal herzhaft zu lachen, erzählen die drei Frauen im Clownskostüm. Manchmal ist es einfach nur wichtig, die Hand des anderen zu halten oder nur zuzuhören, wenn dieser erzählt. Erinnerungen werden da wieder wach und zumeist sind das schöne. Aber man sei hier und da auch mal Seelentröster. Das Clownskostüm verleihe ihnen Anonymität und es sei zugleich eine Tür zu dem Einzelnen. „Wer so ausschaut, dem kann ich alles erzählen.“

Versteht sich von selbst, dass auch im Raum bleibt, was einem anvertraut wurde, betonen die drei. Respektvoll, mit einem leichten Zwinkern suchen Beppo Sonnenschein, Racelina und Nanu den Kontakt zu ihrem besonderen Publikum. Und das Schöne: Ein Nein gibt es nicht, „bei uns gibt es keine Grenzen. Wir sind die Clowns und haben andere Ansätze als die Betreuer“, betont der Sonnenschein. Und dann wandert das Ringlein von einer Hand in die andere, wird gesungen, wird unbedarft geplaudert – in der Gemeinschaft aber auch unter vier Augen. Denn einige der Bewohner sind bettlägerig, und die besuchen die drei vor allem.

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