Bestandsaufnahme in der Prignitz : Wo bleibt das Grundwasser?

Der kleine Teich in Boberow verkommt immer mehr zum Tümpel. Reicht hier eine Entkrautung noch aus?
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Der kleine Teich in Boberow verkommt immer mehr zum Tümpel. Reicht hier eine Entkrautung noch aus?

Kleine Gewässer in der Prignitz verlanden. Experten sehen in den höheren Lagen eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau

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17. August 2016, 21:00 Uhr

Der kleine Teich an der Köhlerhütte Tiefental und auch der Teich in Boberow: Nur zwei Beispiele für Kleingewässer, die nach Meinung von Ortsansässigen irgendwann trocken fallen müssten. Denn die Wasserstände gehen immer weiter zurück. Auch der Regen der vergangenen Wochen kann nicht das Niederschlagsdefizit des zu trockenen Frühjahrs ausgleichen. Oder liegt es nicht am Regen und die Grundwasserstände sinken immer weiter ab?

„Nein, ich kann diese Einschätzung nicht teilen“, sagt Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz auf Nachfrage. Leider würde die menschliche Erinnerung oft trügen und subjektive Empfindungen und Kindheitserinnerungen würden überbewertet.

Auf Nachfrage beim Hydrologischen Landesdienst im brandenburgischen Landesamt für Umwelt gab Thomas Frey eine grundsätzliche Einschätzung zu den Wasserständen im Bundesland. Während in den Niederungsgebieten wie etwa Luchlandschaften und Talauen zum Beispiel in Bälow überwiegend kein signifikanter Trend erkennbar sei, zeigen die Messstellen auf den Hochflächen, dass die stärkste Absenkung des Grundwasserspiegels bereits zwischen 1980 und 1990 stattgefunden hat. Laut langjährigen Zeitreihen habe sich zwischen 1990 und 2000 dieser Trend aber abgeschwächt. „Die Grundwasserstände haben sich auf niedrigerem Niveau stabilisiert“, so Frey. Aktuell nehme der Wasserspiegel in den Hochflächenbereichen aber stärker ab als in den Niederungen. Auch in der Prignitz weisen zahlreiche Grundwassermessstellen in höheren Lagen wie etwa bei Rambow (nahe Kleinow) sinkende Grundwasserstände auf. Während der niederschlagsreichen Jahre 2010 bis 2012 sind die Stände zwar angestiegen, z.B. am Messpegel Rambow von 46 Meter über Normalnull auf fast 47,7 Meter. Seit 2012 fallen sie aber wieder und liegen mittlerweile auf dem durchschnittlichen Niveau der 2000er Jahre. „Die von vielen alteingesessenen Prignitzern gemachten Beobachtungen zu den abnehmenden Wasserständen, gerade in kleineren Teichen, erscheinen vor diesem Hintergrund plausibel“, sagt Thomas Frey.

Bernd Lindow, Sachbereichsleiter Natur- und Gewässerschutz beim Landkreis Prignitz, meint, dass man für eine genauere Einschätzung immer wissen müsse, um was für einen Gewässertyp es sich handelt. In der Regel würden aber Grundwasserstand und der Pegel des Oberflächengewässers zusammenhängen. Frank Schröder ergänzt, dass man bei kleinen Gewässern in der Regel den obersten unbedeckten Grundwasserleiter meint, der unmittelbar vom Niederschlag gespeist wird. Zudem spielen jahreszeitliche Niederschlagsschwankungen etwa bei kleineren Ackersöllen oder von Baumgruppen umgebenen Teichen eine Rolle. „Wir haben aber auch schon Sölle renaturiert und entschlammt. Dann zeigte sich, dass sie wieder konstant Wasser haben. Es lag also nur daran, dass die Schlammschicht den Grundwasserspiegel nicht mehr rein ließ“, so Schröder. Dass die Grundwasserstände früher höher lagen, habe auch mit der Einstaubewässerung in der Landwirtschaft zu tun. „Wir haben heute in der Prignitz viele Drain-Rohre in den Ackerflächen, damit kann man die Wasserführung in Oberflächengewässern beeinflussen. Seit der Wende hat sich das Wassermanagement und das Stauregime in Abhängigkeit von der Landwirtschaftlichen Nutzung etwas verändert. Im Bereich des Verbundes sind 850 Staue und Wehranlangen bis zur Wende betrieben worden. Seit 1997 sind es nur noch 650.“ Der Effekt, dass eine geringere Einstaumenge auf den Ackerfläche zu einem niedrigeren Grundwasserstand führt, sei aber schon 20 Jahre alt.

Ein aktuelles Absinken der Gewässerstände kann Schröder nicht darauf zurückführen. Beim Wasser- und Bodenverband schaue man sich aber in regelmäßigen Abständen einige Referenzgewässer im Kreis an und überprüfe das, so Schröder. Er geht im Moment von normalen Schwankungen aus und dass die niederschlagsarmen Jahre für das Schrumpfen der kleinen Teiche verantwortlich sind.






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