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Bauliche Mängel an Wittenberger Kita : Wo bleiben die Handwerker?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eltern fordern Geld für die Kita „Märchenland“ / Stadt hat 30000 Euro eingeplant / Aber keine endgültige Entscheidung über Erhalt

von
erstellt am 14.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Ein Heizkörper, der schon vor Ewigkeiten hätte gestrichen werden müssen, eine Tür, von der die Farbe abblättert, eine Wandecke, in die ein Loch geschlagen ist: Eine Wittenberger Mutti* hat diese aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände im Haus II der „Märchenland“-Kita in der Sandfurttrift fotografiert. Seit etwa zwei Jahren besucht ihr Nachwuchs diese Einrichtung, sagt die Mutti. „Unser Kind ist gern dort, es mag die Erzieherinnen, die sich ganz liebevoll kümmern.“

Im Gegensatz dazu stünde nach ihren Worten aber das Innere des Hauses. „Es sieht aus, als hätte die Stadt kein Geld für ihre Einrichtung. Oder sie will für unsere Kita kein Geld ausgeben.“ Nicht nur sie ärgere sich darüber, sondern auch andere Eltern, so die Mutter. „Sonst ist für alles mögliche Fördergeld da. Aber die Stadt hat kein Geld, die dringend notwendigen Arbeiten für die Kinder in ihrer eigenen Einrichtung erledigen zu lassen?“ Die Mutti und mit ihr andere Eltern fragen sich: „Hat die Stadt unsere Kita aufs Abstellgleis geschoben?“

Nein, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin und Hauptamtsleiterin Waltraud Neumann und verweist auf den Stadthaushalt, der in der nächsten Woche den Abgeordneten zur Beschlussfassung vorliegt. Im Haushaltsteil für die laufenden Ausgaben sind 30  000 Euro vorgesehen für das „Märchenland“. „Wir benötigen das Geld, weil wir Heizkörper austauschen wollen, für den teilweisen Austausch von Toiletten und für Malerarbeiten“, erklärt die Hauptamtsleiterin. Auf die Frage, warum das nicht längst geschehen ist, verweist Neumann auf die Finanzsituation der Stadt. Der städtische Ergebnishaushalt, aus dem derartige Reparaturen und Instandsetzungen bezahlt werden, weist seit Jahren ein Defizit aus. „Wir können also nur nach und nach Dinge in Angriff nehmen“, so Neumann. Geschehen sei auch in den zurückliegenden Jahren etwas, sagt sie mit Blick auf das erneuerte Bad im Haus II und die Vergrößerung eines Gruppenraumes.

Die Hauptamtsleiterin sagt aber auch, dass „wir jetzt noch nicht sagen können, ob und wann es eine grundlegende Sanierung und Modernisierung der Einrichtung mit ihren beiden Häusern geben wird“. Das hängt davon ab, ob die Kita in Zukunft noch gebraucht wird.

Wittenberge ist eine schrumpfende Stadt. Derzeit werden die 720 Krippen- und Kindergartenplätze in den insgesamt acht Kitas, sieben davon in freier Trägerschaft, in der Stadt benötigt. „Bis zum vergangenen Jahr sind wir anhand der Zahlen davon ausgegangen, dass nach 2019 der Bedarf deutlich abnimmt“, erklärt die Hauptamtsleiterin. Mit den Flüchtlingen änderte sich die Situation. „Wenn Familien mit ihren Kindern hier in der Stadt auf längere Zeit bleiben, dann haben wir auch nach 2019 einen anderen Bedarf“, erklärt Waltraud Neumann und nennt das als einen Grund dafür, dass das Kitaentwicklungskonzept für die nächsten Jahre nicht, wie eigentlich geplant, bereits zum Jahresende vorlag.

Ein weiterer Grund: Die Veränderungen innerhalb der Kitalandschaft. Freie Träger haben die Anzahl ihrer Plätze aufgestockt bzw. sind dabei. In der Parkstraße und in der Kyritzer Straße entstehen derzeit weitere Betreuungsplätze. Und dann ist da noch das neue Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK), das im Entwurf vorliegt. Als Wunschvorstellung ist dort sogar ein Kitaneubau in der Innenstadt formuliert. Trotz aller Unwägbarkeiten soll bis Ende März das Kitaentwicklungskonzept im Entwurf vorliegen. Ein solches Konzept wäre dann auch die zwingend notwendige Grundlage, um Fördermittel für Investitionen in der „Märchenland“-Kita einzuwerben, wenn die Stadt es denn will. Fördermittel bedeuten aber auch eine Nutzungsbindung zwischen 20 und 25 Jahren.

* Name liegt der Redaktion vor.

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