Wittenberger Tour macht Kyritzern Lust

Jürgen Schmidt führt die Gäste auf die ihm eigene, ganz spezielle Art durch die Elbestadt. Barbara Haak
Jürgen Schmidt führt die Gäste auf die ihm eigene, ganz spezielle Art durch die Elbestadt. Barbara Haak

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22. März 2013, 05:57 Uhr

Wittenberge | Jürgen Schmidt ist in seinem Element. Mit der Uniform des Nachtwächters angetan, bildet der Stadtführer den Mittelpunkt einer Gruppe, die förmlich an seinen Lippen hängt. Schmidt erzählt von der Elbe, berichtet von den vielen Speichern, die Wittenberge einst prägten, macht auf den aufmerksam, der heute mit dem Kranhaus gehobene Gastronomie bietet. Der Fremdenführer weiß seine Worte geschickt zu setzen, unterhaltsam und mit Witz führt er die Leute durch die Altstadt. Aus der Tür der alten Warmbadeanstalt lugt Ackerbürgerin Mathilde. Sie wartet auf die Gruppe und damit auf ihren Auftritt. Mathilde wird ihren Nachttopf leeren, wenn die Ausflügler kommen, und aus ihrem Leben plaudern. Auch diese kleine Szene ist fester Bestandteil der Erlebnisführungen durch die Altstadt, die der Kultur- und Tourismusbetrieb seit vier Jahren anbietet. Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Fremde wie Einheimische buchen diese Tour sehr gern.

Die Gäste, die der Nachtwächter, alias Jürgen Schmidt, in dieser Woche (der "Prignitzer" berichtete kurz), mit auf den Rundgang nahm, fielen da etwas aus der Reihe. Es waren Tourismusanbieter vom Ruppiner Seenland. Sie wollten in der Praxis erleben, wie in Wittenberge szenische Führungen gehandhabt werden. Die, wenn man so will, dienstliche Führung gehört zu einem kulturtouristischen Qualifizierungs- und Vernetzungsprojekt im Land Brandenburg. Träger dieser Weiterbildung, die unter dem großen Motto firmiert "Brandenburgisch-Preußische Kulturlandschaft erleben" und speziell auf szenische Führungen ausgelegt ist, sind der Kulturland Brandenburg e. V. und die Project M GmbH.

An der Weiterbildung hat auch die Marketingchefin des hiesigen Kultur- und Tourismusbe triebes, Simone Albers, teilgenommen. "Ich habe von unserem tollen Führungsangebot berichtet und davon, wie wir ’rangehen", sagt Albers. Mit diesen Erfahrungen hat sie die anderen neugierige gemacht. "Wittenberge ist ein prima Beispiel dafür, wie es gut funktionieren kann", sagt Projektleiterin Ägina Nelius. Besonders wichtig ist ihr die Feststellung, "dass sich hier in der Stadt zeigt, dass man dann enorme Nachfrage erzeugt, wenn man sein Angebot gut macht." Und die Wittenberger Akteure im Kultur- und Tourismusbetrieb beweisen noch etwas: "Es klappt auch in Städten, die kein so großes touristisches Potenzial haben". Wittenberge zählt ohne Zweifel dazu.

Das hier an der Elbe Gebotene hat jenen, die aus Kyritz kamen, Mut gemacht, in ihrer Stadt an der Knatter es auch mal mit dieser Art von Rundgängen zu versuchen. "Wir wissen, dass das Besondere gut angenommen wird, szenische Führungen boomen", sagt Ägina Nelius. Sie als Fachfrau meint: "Ich finde ganz toll, was hier geboten wird. Die Rundgänge sind gut angelegt. Den Einsatz von mehreren Führern finde ich klasse, auch dass die Gäste in verschiedene Häuser Abstecher unternehmen." Die Zusammenarbeit von öffentlichen Stellen mit den verschiedenen Leistungsträgern und die kreativen Ideen sind aus ihrer Sicht die Grundlage für den Erfolg der Erlebnisführungen.

Nelius sieht aber auch noch Potenzial. "Die Führungen gewinnen natürlich an Erlebnisqualität, wenn der schauspielerische Anteil höher ist", sagt die Projektleiterin und freut sich, dass Wittenberger Stadtführer sich zu einem Schauspielworkshop entschlossen haben.

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