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Elbestadt und die Region stehen zusammen : „Wittenberger haben ihre Stadt verteidigt“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landtagsabgeordneter Holger Rupprecht (SPD) spricht von einem bunten Treiben gegen braunes Gedankengut.

Ingrid Gührs hat es am Samstag nicht in Bentwisch gehalten. Sie gehört zu denen, die in den Mittags- und Nachmittagsstunden die Bahnstraße bevölkern, quasi Flagge zeigen beim Bürgerfest für Toleranz. „Ich bin nach dem Krieg geboren, weiß aber von Großeltern und Eltern, zu welchen Taten der Faschismus fähig ist“, sagt sie. Als Kind hat sie in der Schule das Gedicht vom Johannes R. Becher „Kinderschuhe aus Lublin“ gelernt. „Die von den Nazis ermordeten Kinder. Das hat sich mir tief eingebrannt. So etwas darf nie wieder passieren“, sagt Ingrid Gührs. Deshalb hat sie auch keine Angst, sondern ist zum Fest für Toleranz gekommen.

Während in der Perleberger Straße Richtung Allende-Viertel Rechtsextreme, Polizei und Linksautonome sowie das Wittenberger „Bündnis Nazi Frei“ weitgehend das Bild bestimmen, zeigen Wittenberger in der Innenstadt, was sie unter dem Motto „Schöner leben ohne Nazis“ verstehen. Vor dem Kulturhaus treten die Streetsoccer den Ball. Zehn Teams kommen für Sieg und Platz ins Schwitzen. Vor der Bühne an der Auguststraße hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Geschmeidige Mädchen und Jungen zeigen Kung Fu-Übungen. „Es ist vietnamesisches Kung Fu“, darauf legen Nguyen Thanh Luan und die anderen jungen Leute wert, schließlich haben sie dort ihre Wurzeln. Lachend fügen sie an, dass aber auch Deutsche das gut lernen können. Immer freitags wird in der Jahnschule geübt. „Unser Trainer kommt extra aus Berlin.“

Frederike, Claudia, Maria und Franzi studieren Reha-Psychologie in Stendal. „Etwas aufgeregt sind wir“, gestehen sie ein. Trotzdem wollen sie den Wittenbergern beistehen, die keine Nazis in die Stadt wollen.

Zu jenen Elbestädtern, „die keine braune Gesinnung in der Stadt haben wollen“, zählt auch Renate Neumann. „Ich unterstütze das Engagement der Stadt, vor allem auch unseres Bürgermeisters, der sich so einsetzt“, sagt die Geschäftsfrau. Sie hat – im Gegensatz zu manch anderem Ladenbesitzer in der Bahnstraße – ihr Modegeschäft zum Bürgerfest länger geöffnet.

„Die Wittenberger verteidigen ihre Stadt nach dem Hochwasser im Juni nun zum zweiten Mal erfolgreich“, so wertet der Landtagsabgeordnete Holger Rupprecht (SPD) das bunte Treiben gegen braunes Gedankengut. Allein war Wittenberge an diesem Sonnabend nicht. „Die Region hat zu uns gestanden, wir haben weitestgehend friedlichen Widerstand geleistet– mit vollem Erfolg“, sagt Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann und wertet das als Zeichen dafür, wie es gelungen sei, „im breiten Maße demokratische Kräfte zu mobilisieren“. Eine praktische Auswirkung dieser Unterstützung war beim Bürgerfest für Toleranz sichtbar, präsent war beispielsweise die Stadt Perleberg mit einem Stand, der Verein EvaMigra, der BUND und die Naturwacht. Flagge zeigte die Landespolitik. Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) war beim Bürgerfest in der Bahnstraße. Finanzminister Christian Görke (Linke) gehörte zu jenen, die an der Mozartstraße den Zug der Rechtsradikalen stoppten. „Die Bürgerschaft hat den Nazis gemeinsam die rote Karte gezeigt. Das ist ein großer Erfolg“, sagte er dem „Prignitzer“.

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erstellt am 06.Apr.2014 | 20:00 Uhr

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