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Stadtentwicklung : Wittenberge zieht es zum Wasser

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie wird sich die Stadt im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus profilieren? Bauamtsleiter Martin Hahn dazu im Interview

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erstellt am 16.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Die Stadtverordneten haben mit dem Stadtentwicklungskonzept die Grundrichtung festgelegt, in die Wittenberge sich im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus profilieren soll. Über die Kernpunkte sprach Barbara Haak mit Bauamtsleiter Martin Hahn.

Was sind die Grundbotschaften?
Martin Hahn:Wichtig und interessant ist, wie sich die Bevölkerung entwickeln wird. Die Einwohnerzahl wird sich weiter reduzieren, aber hauptsächlich bedingt durch das Missverhältnis zwischen Geburten- und Sterberate. Das Verhältnis zwischen Zu- und Abwanderung war in den letzten Jahren nahezu ausgeglichen und ist seit 2013 positiv. Demnach eine positive Entwicklung, die uns veranlasst davon auszugehen, dass die Einwohnerzahl nicht soweit abnimmt, wie die Statistiken des Landes Brandenburg noch prognostizieren.
Wichtig ist auch, dass wir mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept, kurz INSEK, nicht die grundsätzliche Entwicklungsrichtung der letzten Jahre ändern: Das heißt, Aufwertung der Innenstadtquartiere und die Entwicklung Richtung Elbe zu forcieren. Es ist wichtig, das Wasser noch besser erlebbar zu machen, im Elbquartier selbst, aber auch – gemeinsam mit Vereinen – am Königsdeich und in Garsedow.
Der Stadtumbau muss ebenso weitergehen, Stichworte sind Sanierung sowie der Rückbau von Plattenbauten, aber auch von nicht zu sanierenden Altbauten.


Was ist mit anderen Stadtgebieten, beispielsweise den Siedlungen oder den Ortsteilen?
Das INSEK enthält fünf zentrale Vorhaben. Eines davon ist die Gestaltung des Stadtrands. Dazu gehört u. a. das Allende-Viertel. Wir müssen uns um die Perspektiven der nicht mehr voll belegten Kleingartenanlagen kümmern und um Garagenkomplexe wie den in Nord. Auch der Friedensteich mit seinen Problemen gehört dazu. Das sind einige Beispiele.


Stichwort Kleingärten. Wie bekommt die Stadt das in den Griff?
Nicht wir allein. Wir sind mit dem Kreisverband der Kleingärtner im Gespräch. Der Weg kann doch nur sein, die Vereinsanlagen zu konzentrieren und frei werdende Flächen, als Freiräume für Wohnen oder Gewerbe zu nutzen. Auf Grundlage der vorliegenden Daten ist davon auszugehen, dass mit dem Rückgang der Großwohnsiedlungen wie beispielsweise dem Allende-Viertel auch der Bedarf an Kleingartenanlagen und Garagenkomplexen noch weiter zurückgehen wird.
 

Und die Ortsteile?
Sie sind u.a. mitberücksichtigt bei der Frage, wo es Wohnbaupotentiale gibt. Konkret aus Lindenberg kam die Anregung, Gelände in Bauland umzuwandeln. Diese Entwicklungspotenziale gilt es zu bewerten und planerisch zu berücksichtigen.


Das INSEK schließt den Neubau einer Kindertagesstätte nicht aus. Wie real ist dieser Gedanke?
Ansatz dieses Gedankens ist die Tatsache, dass wir als Stadt die Familienfreundlichkeit noch weiter ausprägen wollen. Dazu gehört die entsprechende Infrastruktur mit Schulen und Kitas. Fakt ist, wir benötigen alle in der Stadt vorhandenen Einrichtungen mit ihren Plätzen und haben uns damit zum Erhalt auch der Kita „Märchenland“, die sich ja in Stadtträgerschaft befindet, entschieden. Ebenfalls unstrittig ist, dass die Einrichtung eine bauliche Aufwertung erfahren muss, die wir derzeit bereits in Angriff nehmen. Wie umfänglich die weiteren Maßnahmen letztlich sein werden und ob hierzu auch Neubaumaßnahmen zählen, hängt von der Wirtschaftlichkeit und den verfügbaren Fördermöglichkeiten ab.


Im Raum stand in der Debatte zum INSEK auch, den Neubaublock seitlich vomKulturhaus abzureißen. Was ist daraus geworden?

Das ist eine Idee im Zusammenhang mit der Überlegung, wie man der Innenstadt eine neue Mitte geben könnte. Damit im Zusammenhang steht aber ein ganzer Komplex von weiteren Fragen, die sich mit der Aufwertung der Innenstadt beschäftigen, wie beispielsweise der Möglichkeit der Einzelhandelssteuerung. Bauliche Eingriffe, in die bestehende Struktur, wie eine „Neue Mitte“ spielen bei dieser Überlegung allerdings eine sehr wichtige Rolle und bilden die Grundlage für positive Folgeentwicklungen. Vor diesem Hintergrund sehen wir in der Umgestaltung des Bereiches um das Kulturhaus, die katholische Kirche und den Paul-Lincke-Platz ein großes Potential.


Das INSEK spricht auch von einem Grünen Ring in Wittenberge. Was ist damit gemeint?

Das ist ein Projekt aus dem Freiraumkonzept der Stadt mit dem Anspruch, kein Wittenberger aus dem Innenstadtbereich soll mehr als einen Kilometer von innerstädtischem Grün entfernt wohnen. Damit ist der Packhofstrang gemeint, die Elbuferpromenade, der Clara-Zetkin-Park, der Stadtpark, aber auch der Waldfriedhof und die zahlreichen grünen Freiflächen zählen dazu. Fuß- und Radwege vernetzen die Grünen Inseln.


Ist es bei dieser INSEK-Komplexität möglich, überhaupt einen Kostenrahmen zu benennen?
Sicherlich nur sehr überschlägig, aber ja und nicht mit dem Anspruch auf Berücksichtigung aller Ideen und Konzepte. Sowohl für die kommunale Haushaltsplanung, aber insbesondere auch für den Fördermittelgeber ist dies allerdings notwendig. Die Maßnahmen für die nächsten acht Jahren haben ein Volumen von zirka 90 Millionen Euro bei einem kommunalen Eigenanteil von rund 3,2 Millionen Euro. Die Summe setzt sich beispielsweise aus den Geldern der unterschiedlichsten Förderprogramme – genannt sei der Stadtumbau – zusammen. Und auch private Investitionen fallen mit hinein.
Man muss aber auch sagen, dass diese 90 Millionen nur eine grobe Schätzung sein können. Denn während einige Maßnahmen bereits sehr konkret sind – ich denke da an das SOS-Kinderdorf und an Vorhaben im Stadtumbau –, sind andere Projekte noch im Ideenstadium.


Nun kann es also losgehen mit dem INSEK?

Das Land prüft das INSEK derzeit. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept ist selbstverständlich eine kommunale Entwicklungsstrategie. Aber wesentliche Instrumente für das Umsetzen sind diverse Förderprogramme. Deshalb könnte es den einen oder anderen Hinweis aus Sicht von Landesbehörden durchaus noch geben. Abgeordnete und Verwaltung müssen über das Einarbeiten entscheiden.
Die Stadt prüft alle zwei Jahre, ob unsere selbst festgelegten Entwicklungsrichtlinien noch greifen und, um sie gegebenenfalls zu aktualisieren.
 

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