Wittenberge mal ganz anders

Wohnturm für Adel und Gesinde, Gefängnis und heute Museumsaußenstelle - der Nachtwächter plaudert über das Steintor. Barbara Haak, Archiv
Wohnturm für Adel und Gesinde, Gefängnis und heute Museumsaußenstelle - der Nachtwächter plaudert über das Steintor. Barbara Haak, Archiv

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19. November 2010, 06:27 Uhr

Wittenberge | Regen trommelt seine Melodie auf die Schirme. Kein Wetter zum Spazierengehen. Trotzdem haben sich jene langjährigen "Prignitzer"-Leser, die sich eine Einladung ihrer Heimatzeitung zu einer abendlichen Erlebnistour durch Wittenberges Altstadt sicherten, erwartungsfroh am Schaukelschiff an der Elbpromenade eingefunden. Stadtführer Jürgen Schmidt begrüßt als Nachwächter und Polizeisergeant die Ausflügler zur nunmehr schon 32. Tour dieser Art - ein Zeichen dafür, wie beliebt diese Rundgänge mit dem speziellen Kick sind. "Diese Führung gehört ganz allein treuen Lesern unserer Zeitung", sagt Geschäftsstellenleiter Christian Koletzki. Gemeinsam erkundet und ergründet er mit den Ausflüglern an diesem Abend quasi die Seele der Stadt.

Einheimische wie Jürgen Jonas und seine Frau Waltraut, die ursprünglich aus Mecklenburg kommt, "haben viel erfahren, was wir so noch gar nicht wussten". Und es werden Erinnerungen wach. Als Jürgen Schmidt, der geschickt Historie mit Gegenwärtigem verknüpft, an das Kino "Capitol" erinnert, schmunzelt Jürgen Jonas. "Auf dem Kinobalkon konnte man gut kuscheln."

Für Margret und Hans-Peter Wolgast hat sich der Weg aus Perleberg in die Nachbarstadt gelohnt. "Wir sind ja öfter hier, aber so haben wir Wittenberge noch nie gesehen." "Man lernt nicht aus", sagt Egbert Turban. Er und seine Begleiterin Bärbel Kasimir, beide ebenfalls aus Perleberg, sind glücklich, dass sie der Einladung des "Prignitzers" folgen konnten. "Man erlebt hier heute wirklich etwas Besonderes." Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht durch den nur von Kerzen erhellten Gang Hinter den Planken. In der ehemaligen Warmbadeanstalt öffnet sich ein Fenster. Ackerbürgerin Mathilde (Gisela Schulz) leert einen Nachttopf auf die Straße. Welch Glück, dass alle schnell zur Seite springen. "So etwas war damals üblich", sagt die couragierte Frau und übernimmt für eine Wegstrecke die Führung. Es geht zum Steintor, dem kleinen, aber feinen Museumsaußenposten.

Dann wird im Torwächterhäuschen eine Rast eingelegt. Der "Prignitzer" lädt zu einem Imbiss, bevor es derart gut gestärkt ins Museum geht. Stadtbaurat Bruns (Peter Lätzsch) gibt jetzt den Ausflüglern Auskunft. In der Alten Burg löst ihn Karl Singer (Herbert Schlie) ab. Weiter geht es auf eine Stippvisite in die Kirche. Die Gruppe ist sich einig: Unterhaltsamer kann man kaum zu Wissen kommen. Dass Wittenberge nicht immer brav und verschlafen war und ist, dafür tritt Amanda (Birgit Schmidt) den Beweis an, macht sich als Hafendirne doch ganz keck an Herren aus der Gruppe heran. Rundgang mit Überraschungen ist bei den Ausflüglern sehr gut angekommen. "Prignitzer"-Geschäftsstellenleiter Christian Koletzki verspricht, dass die Heimatzeitung treue Leser bald einmal wieder überraschen wird.

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