Münchener Journalisten drehen Reportage : Wittenberge im Fokus

Mit Kamera, Mikrofon und Notizblock bewaffnet, erkundeten Aimen Abdulaziz, Michel Penke und Alexander Ziegler (v. l.) Wittenberge.
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Mit Kamera, Mikrofon und Notizblock bewaffnet, erkundeten Aimen Abdulaziz, Michel Penke und Alexander Ziegler (v. l.) Wittenberge.

Drei Münchener Journalismusstudenten nehmen die Elbestadt ins Visier und wollen mit Vorurteilen aufräumen. Eine achtminütige Reportage soll entstehen.

svz.de von
13. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Als „verlassene Kulisse“ betitelte das „Zeit-Magazin“ Wittenberge 2010. Im Zukunftsatlas 2013 landete die Prignitz auf dem letzten Platz. Überregionale Medien lassen oft kein gutes Haar an der Stadt. Nun wollen drei Journalismusstudenten aus München mit den Vorurteilen aufräumen und zeigen: Die Menschen hier tun was. Sie haben sich nicht aufgegeben.

„Wir werden nichts verherrlichen, sondern hinterfragen die negativen Schlagzeilen“, erläutert Alexander Ziegler das Projekt. Dafür reisten er und seine Kommilitonen Aimen Abdulaziz und Michel Penke für eine Woche nach Wittenberge, unterhielten sich mit den Menschen, machten Aufnahmen, bekamen Einblicke hinter sonst verschlossene Türen und stellten fest: „Hier schauen alle optimistisch in die Zukunft.“

Dabei war der erste Eindruck nicht der Beste. „Ausgestorben wäre übertrieben, aber mir kam Wittenberge schon sehr leer vor, als wir am Montag ankamen. Es wirkt so, als wäre die Stadt zu groß für ihre Einwohnerzahl“, meint Abdulaziz. Ziegler ergänzt: „Vor allem ist uns der starke Kontrast aufgefallen. Auf der einen Seite gibt es schöne, sanierte Häuser und auf der anderen Seite gleich nebenan brach liegende Wiesen.“

Umso mehr hätte die Drei bei ihren Dreharbeiten das Engagement der Bürger überrascht. Zum Beispiel das der Pfarrfamilie Worch, die gestern eine Adventsveranstaltung für Senioren organisierten: „Das Ehepaar hat uns erklärt, dass im Zuge des demographischen Wandels viele Veranstaltungen an einen zentralen Ort verlegt wurden. Die Senioren müssen extra hergefahren werden. Aber so treffen sie alte Schulfreunde wieder. Das Zusammenlegen hat also auch einen positiven Effekt“, meint Ziegler.

Mit zwei Kameras bestückt besuchten die Studenten unter anderem das Marie-Curie-Gymnasium, kletterten auf den Turm der evangelischen Kirche, filmten den neuen Tauchturm auf dem Gelände der Ölmühle und besuchten die Awo-Begegnungsstätte in der Perleberger Straße. „Wir wollen die Menschen, die hier leben und sich engagieren porträtieren. Viele Kontakte haben wir erst vor Ort geknüpft“, erzählt Penke, der ursprünglich aus der Nähe von Schwerin kommt.

Die drei Studenten reisen heute wieder zurück nach München. Nächste Woche werden sie das Filmmaterial sichten und mit dem Schneiden beginnen. Acht Minuten soll die Reportage lang werden. „Vielleicht wird sie auch länger. Genug Material hätten wir“, meint Aimen Abulaziz. Eine Ausstrahlung im Fernsehen sei vorerst nicht geplant. Der Film diene Ausschließlich als Abschlussprojekt der drei Studenten an der Deutschen Journalistenschule.

Welchen Eindruck sie nun von Wittenberge gewonnen hätten? „Niemand hier versucht zu verheimlichen, dass die Bevölkerung stark geschrumpft ist und noch schrumpft. Aber die Menschen wirken sehr energetisch auf uns. Nach der Berichterstattung 2010 haben die überregionalen Medien nicht mehr viel über Wittenberge berichtet. Und unsere Intention war es, dieses Versäumnis nachzuholen. Mit der Ölmühle, dem Hafen und dem Radwegenetz hat Wittenberge doch ein Alleinstellungsmerkmal. Da könnte ich mir vorstellen, dass das allein Touristen anzieht“, fasst Ziegler zusammen. Und Abdulaziz fügt hinzu: „Also, ich als Hamburger kenne viele Leute, die gerne Fahrrad fahren. Und denen werde ich auf jeden Fall Wittenberge weiterempfehlen.“

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