Francotyp-Postalia : Wittenberge beliefert US Marines

Pro Jahr versendet Francotyp 300 000 Tintenkartuschen.
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Pro Jahr versendet Francotyp 300 000 Tintenkartuschen.

Francotyp-Postalia produziert Frankiermaschinen für den Weltmarkt und bekennt sich zum Prignitzer Standort

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26. Januar 2018, 20:55 Uhr

Die harten Männer der legendären Elitegruppe US Marines haben ein Stück Wittenberge in ihren Büroräumen zu stehen. In den heiligen Räumen des Vatikans steht ebenfalls eine Frankiermaschine aus Wittenberge. „Ja, der Papst gehört auch zu unseren Kunden“, sagt Geschäftsführer Thomas Schoknecht. Gestern hatte das 2012 gestartete Unternehmen nach Jahren erstmals wieder zu einem Pressegespräch eingeladen.

Dafür gibt es mehrere Gründe, sagt der Vorstandsvorsitzende Rüdiger A. Günther. Er wolle Mythen aus der Welt räumen. Es stimme nicht, dass der Markt schrumpft. Auch sei es ein Mythos, dass die Digitalisierung das börsennotierte Unternehmen bedrohe: „Wir glauben an das traditionelle Geschäft“, sagt Günther und nennt eine Zahl, die ihm Recht zu geben scheint: „80 Prozent der vertraulichen Post wird per Brief verschickt.“

Er und Thomas Schoknecht führen Hendrik Fischer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Bürgermeister Oliver Hermann und weitere Gäste durch die Produktion. Am 18. Januar wurde die 100 000. Postbase produziert. Sie ist der Exportschlager des Unternehmens, welches seit Eröffnung 2012 rund 290 000 Frankiermaschinen in Wittenberge produziert hat.

„Wir sind mit den Fördermitteln sorgsam umgegangen“, erklärt Rüdiger A. Günther und kündigt nach den jüngsten Investitionen weitere für diesen Standort an. „Das ist doch eine tolle Botschaft“, meint er. Nur die von der Politik versprochene A 14 lasse leider weiter auf sich warten.

Am ersten Januar eröffnete Francotyp eine Werkstatt. Hier werden für den deutschen Markt Frankiermaschinen der eigenen Marke gewartet und repariert; bis zu zwölf verschiedene Typen und 2000 Stück pro Jahr. Schoknecht deutet an, diesen Bereich weiter ausbauen zu wollen.

Neun Mitarbeiter seien bereits neu eingestellt worden, ihre Zahl soll auf 14 wachsen. Damit würde Francotyp rund 75 Arbeitsplätze vorhalten. Wittenberge ist der einzige Produktionsstandort. Ein Werk in Singapore hatte der Konzern nach dem Start in der Prignitz geschlossen.

Das moderne Logistikzentrum verlassen pro Tag bis zu 200 Pakete. 48 verschiedene Artikel werden versandt, größtenteils Verbrauchsmaterialien. Gleich daneben das Lager für Ersatzteile. Es handelt sich um rund 1400 Artikel, 50 Pakete gehen täglich als Expressversand mit Lkw auf Reisen. „Die A 14 würde uns eine Stunde schneller machen“, betont auch Schoknecht wie wichtig die Trasse sei.

Neben den rund 35 000 Maschinen werden am Standort 300 000 Tintenkartuschen programmiert. Staunend verfolgen die Gäste, wie der Chip auf der Kartusche befestigt wird. Unsichtbar erfolgt die Programmierung. „Die Software spielen wir von Berlin aus auf den Chip, die Funktionstüchtigkeit wird unmittelbar danach getestet, dann folgt die Verpackung. Das ist Industrie 4.0 live“, fasst Schoknecht den Prozess am Ende des Rundgangs zusammen.

400 000 Euro Fördermittel hatte das Land dem Unternehmen 2012 für die Neuansiedlung bewilligt. Eine damals sehr umstrittene Entscheidung, weil Francotyp zeitgleich seine Produktion in Birkenwerder geschlossen hatte. Bei der Standortwahl hatte sich Wittenberge gegen nationale und internationale Mitbewerber durchsetzen können. Es war nach Jahren die erste größere Industrieansiedlung in der Stadt, der weitere wie Austrotherm oder MV Pipe folgten.

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